Donnerstag, 20. Juni 2013

09. Mai 2012 07:30 Uhr

Schlaganfall

Im Ernstfall muss es vor allem sehr schnell gehen

Piksen, Messen und Beraten: Bei der Aktion von AOK, Selbsthilfegruppe und Bezirkskliniken war gestern viel geboten

Adelheid Höb hat Glück gehabt. Als sie einen Schlaganfall hatte, ging alles sehr schnell. Und darauf kommt es an. Wenn Minuten über die Zukunft des Patienten entscheiden, muss jeder gut informiert sein. Da konnte der Tag des Schlaganfalls nicht ungenutzt verstreichen, fanden Vertreter der AOK und der Bezirkskliniken Schwaben und stellten zusammen mit der Günzburger Selbsthilfegruppe für Aphasie und Schlaganfall eine Aktion auf die Beine. Sie stießen schon am Morgen mit ihren Infoständen am Lannionplatz auf Interesse – auch bei der Betroffenen Adelheid Höb.

Der Günzburger AOK-Chef Hermann Hillenbrand sagte: „Wir wollen mit dieser Aktion auf die Risiken aufmerksam machen.“ Wer wollte, konnte sich gestern den Cholesterinwert, den Blutzuckergehalt und den Körperfettanteil bestimmen lassen. Oberärztin Dr. Dörthe Schiess ist für die Stroke Unit im Günzburger Krankenhaus zuständig, die auf das Krankheitsbild spezialisiert ist. Hier werden die Schlaganfallpatienten von der Einlieferung bis zur Rehabilitation versorgt. Laut Dörthe Schiess sind es etwa 900 im Jahr. „Ein Schlaganfall ist die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen im Erwachsenenalter“, erklärte die Ärztin. Gute Chancen auf Heilung habe der Betroffene, wenn er in den ersten viereinhalb Stunden ins Krankenhaus kommt. „Dann haben wir noch die Möglichkeit, eine Lysetherapie anzuwenden.“ Das heißt, die Verstopfung der Ader, die den Schlaganfall ausgelöst hatte, könnte aufgelöst werden. Später besteht diese Chance nicht mehr. Am besten ist es aber, wenn der kritische Zeitpunkt erst gar nicht erreicht wird.

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Keine Frage also, dass Prävention gestern im Mittelpunkt der Veranstaltung stand. Zu viel Cholesterin, Blutzucker, Nikotin oder Fett – das sind für Mediziner die potenziellen Beschleuniger eines Schlaganfalls. All diese Werte konnten sich die Besucher in Günzburg messen lassen, bevor Krankenpfleger Nico Thanopoulos und seine Kollegen von den Bezirkskliniken das Risiko auf einen Schlaganfall beim jeweiligen Teilnehmer errechnete. Der Krankenpfleger rechnete damit, dass etwa 25 bis 30 Prozent der Besucher sich nach diesem Test untersuchen lassen sollten. Jürgen Pretzl aus Günzburg gehörte gestern nicht dazu. Seine Werte waren in Ordnung. Wie der Günzburger erzählte, habe er vor einigen Jahren einen Herzinfarkt gehabt, weshalb er jetzt sehr auf seine Werte achte. Adelheid Höb war damals von ihrem Schlaganfall bei der Gartenarbeit überrascht worden. Bei ihr war die Freude gestern groß, die behandelnde Ärztin noch einmal wieder zu sehen. „Ich habe damals gleich Hilfe bekommen“, erinnerte sie sich. Vom Garten hatte sich die Frau bis zur Terrassentür geschleppt, fiel zu Boden und schaffte es schließlich doch noch bis zum Telefon. Ihre Nachbarin konnte schnell Hilfe holen. Etwa eine Stunde nach dem Vorfall war Adelheid Höb medizinisch versorgt bei der Stroke Unit. „Ich danke Gott, dass es so gut gegangen ist“, sagte sie gestern.

Vor sieben Jahren hatte auch Wolfgang Schiessl einen Schlaganfall. Jetzt leitet der Bibertaler die Günzburger Selbsthilfegruppe für Aphasie und Schlaganfall und ist sich sicher: „Das Wichtigste ist, sich regelmäßig untersuchen zu lassen.“ Wenn tatsächlich ein Schlaganfall auftritt, solle am besten ein Notarzt informiert werden. Zurzeit zähle die Selbsthilfegruppe etwa 30 Mitglieder. Auch die Angehörigen von Betroffenen sind dort gern gesehen. Hier können sie erfahren und verstehen lernen, mit welchen Schwierigkeiten ein Schlaganfallpatient zu kämpfen hat. Die Vielfältigkeit der Leiden ist enorm.

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