Günzburg Arbeitnehmer sorgen sich in den laufenden Tarifrunden nicht bloß um Arbeitsplatz und gute Lohntarife. Mario Patuzzi, Bezirksjugendsekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund Bayern, verwies in seiner Rede zum 1. Mai in Günzburg auf die überall plakatierte Forderung „Gute Arbeit für Europa – gerechte Löhne und soziale Sicherheit“. In die gleiche Kerbe schlugen Versammlungsleiterin Helga Springer-Gloning (DGB Günzburg) sowie Oberbürgermeister Gerhard Jauernig. Beide forderten einen Mindestlohn von 8,50 Euro und gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. So würden materielle Not und Altersarmut verhindert.
Mit Kurzreferaten zur aktuellen Lage traten Günter Frey (IG Metall) und Gabi Brenner (Betriebsrätin bei einem Wasserburger Chemiebetrieb) ans Rednerpult. Ihnen ging es um die unbefristete Übernahme der Azubis. Damit bekäme die Jugend eine ausreichende Perspektive für Familiengründung und Alterssicherung. Frey kündigte in den nächsten zwei Wochen gewerkschaftliche Warnstreiks in Burtenbach, Krumbach und Oberelchingen an.
Zum traditionellen Günzburger Treffen am Vorabend zum Tag der Arbeit füllte sich das Foyer im Forum knapp zur Hälfte. Der arbeitsfreie Brückentag sei wahrscheinlich schuld, dass der Besuch diesmal schwächer ausfiel, meinte Kundgebungsleiterin Helga Springer-Gloning. Der Einsatz der Gewerkschaft für die Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst habe sich gelohnt. „Damit haben die Beschäftigten nach 18 Monaten insgesamt 6,3 Prozent mehr Lohn auf ihrem Gehaltskonto“, sagte sie.
Höheren Spitzensteuersatz und reformierte Einkommenssteuer
Hauptredner Mario Patuzzi ließ sich nicht blenden von den Erfolgsmeldungen der bayerischen Regierung. Ja, die Exporte florierten wieder. Ja, im weißblauen Ländle sei die Arbeitslosenquote am niedrigsten. Allerdings seien die Reallöhne heute niedriger als vor zehn Jahren, und die Lohnstückkosten stagnierten im europäischen Vergleich. Seine Folgerung: „Der deutsche Exportvorteil beruht leider auf fehlenden Lohnerhöhungen.“ Patuzzi kritisierte, dass die Schere zwischen oberen und unteren Einkommen nirgendwo so stark auseinanderklaffe wie in der Bundesrepublik. Der Referent machte sich stark für eine Vermögenssteuer, forderte einen höheren Spitzensteuersatz und wünschte die reformierte Erbschaftssteuer. Der beste Start dorthin, so der DGB-Vertreter, seien die anstehenden Tarifrunden bei Metallern und Elektrikern, bei Telekom und in der chemischen Industrie. Patuzzi: „Wir sind dran, und zwar mit einem kräftigen Schluck aus der Pulle.“
Dass mehr Geld auf der Lohnabrechnung noch nicht selig macht, räumte der Mairedner ein. Er hakte darüber hinaus bei der Masse von befristeten Arbeitsverträgen ein. Jeder fünfte jüngere Leiharbeiter sei unter 25 Jahre alt. Allein in Bayern arbeite eine halbe Million für Niedriglöhne und müsse durch Hartz IV die Bezüge aufbessern. Und zur jüngsten Entwicklung im Euroland: „Radikales Sparen des Staates führt direkt in die Rezession, lässt die Märkte zerbrechen und die Wirtschaft schrumpfen.“ Patuzzi glaubt, dass bei fehlenden Steuereinnahmen „der Schuldenberg am Ende größer“ wird. Jetzt müsse „dem Irrsinn eines Europa der Banken und Ratingagenturen“ ein Ende gemacht werden, forderte er. Der DGB engagiere sich für ein Europa, das sich um „die Interessen der dort lebenden arbeitenden Bürger kümmert“ – für ein soziales, solidarisches Europa, für eine gute Zukunft aller Menschen. Abschließend erteilte der Bezirksjugendreferent der rechten Szene als einer menschenverachtenden Ideologie eine klare Abfuhr.
Den musikalischen Rahmen setzte am Montagabend der fränkische Liedermacher Sany Wolfrum, als er die Pausen durch irische Kampflieder und eigenen mundartlichen Schnurren füllte und die 70 Besucher begeisterte. "Maikundgebung gestern in Schnuttenbach Seite 32