Im Auwald in der Region sind 500 bedrohte Arten zu Hause. Das Projekt Schwäbischer Donauwald will das Gebiet in Teilen renaturieren. Von Katja Röderer
Leipheim Die Räume wieder zu Lebensräumen für viele Tiere machen – das ist wohl eines der wichtigsten Ziele. Doch der Name verrät es schon: Mit dem Naturschutzgroßprojekt Schwäbischer Donauwald wollen die Verantwortlichen weit mehr erreichen. Donautal Aktiv und die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Donaumoos haben das ehrgeizige Projekt auf die Beine gestellt: 122 Quadratkilometer Kerngebiet rund um die Donau sollen mit regionalen Maßnahmen entwickelt werden.
Giorgio Demartin von der Arge Donaumoos erklärte, dass etwa zehn Prozent des gesamten deutschen Auwaldbestands entlang der Donau zwischen dem Raum Neu-Ulm und Günzburg liegen würden. Hier leben 500 Tierarten, die auf der Roten Liste stehen. Das gesamte Gebiet des Naturschutzgroßprojektes reicht von Thalfingen bei Ulm bis zur Lechmündung bei Marxheim im Landkreis Donau-Ries.
Regelmäßige Überflutungen
Neben der Revitalisierung der Lebensräume sollen im gesamten Gebiet regelmäßig Überflutungen stattfinden und mehr Flächen für einen Auwald entstehen. In der Aue sind 100 Hektar natürliche Weidelandschaften vorgesehen, 200 Hektar Auwälder schließen eines Tages die Lücken im derzeit schon vorhandenen Auwald an der Donau, wenn es nach den Planern geht. Kalkmagerrasen und Lichtungen werden dann gepflegt und Kiesweiher naturnah weiterentwickelt.
An der Donau soll wieder ein natürlicher Rückhalteraum innerhalb der Donauwälder geschaffen werden – etwa 700 Hektar sind angedacht. Außerdem könnten mindestens 20 Kilometer Flutrinnen und Altwasserarme zu neuem Leben erweckt werden. Davon betroffen ist das Gebiet beim Leipheimer Ortsteil Weißingen. Hier sollen keine Überflutungsflächen geschaffen werden, es geht vielmehr darum, Altarme des Flusses zu reaktivieren. Beim Leipheimer Schützenheim ist Uferdynamisierung ein Thema, erklärte Giorgio Demartin. Hier werden beispielsweise die Steine des Flussufers abgebaut. Solche Maßnahmen schaffen nach Meinung der Experten einen größeren natürlichen Ableitungsraum für das Donauwasser. Ein Hochwasser könne damit aber nicht verhindert werden. Auch hätten die Kommunen ein Wörtchen mitzureden. Beispielsweise, bevor der Grundwasserspiegel im Zuge des Projekts bei Weißingen gelegentlich künstlich angehoben wird. Demartin erklärte, solche Schwankungen „braucht der Auwald.“ Bevor etwas geschieht, würden Arbeitsgruppen gebildet, die Themen wie die Höhe des Grundwasserspiegels bei Weißingen diskutieren.
Im März geht die erste Planungsphase zu Ende, der Lenkungsausschuss beschließt den Pflege- und Entwicklungsplan, der die Basis für den Antrag auf Umsetzung beim Bundesamt für Naturschutz ist. Damit beginnt die zweite Phase.
Insgesamt läuft das Naturschutzgroßprojekt Schwäbischer Donauwald 2009 bis 2023 mit einem Gesamtvolumen von etwa elf Millionen Euro, wie Demartin sagte. Es wird zu 75 Prozent vom Bund gefördert und zu 15 Prozent vom Freistaat Bayern, zehn Prozent kommen auf die Kommunen zu. Beteiligt sind die Landkreise Günzburg, Dillingen und Donau-Ries.
Wie der Leipheimer Bürgermeister Christian Konrad sagte, seien Haftungsfragen derzeit noch nicht geklärt. Das Projekt hatte unter 122 Bewerbern 2009 den Zukunftspreis Naturschutz erhalten.
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