Freitag, 21. Juli 2017

21. Juni 2013 00:34 Uhr

Werkausschuss

Kein Ausstieg aus der Pyrolyse

Kreisräte wollen Anlage in Burgau so lange wie möglich weiterbetreiben. Ein Ofen könnte den anfallenden Schwelkoks verbrennen und das Ende hinauszögern

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Das Ende ist noch nicht in Sicht: An der Pyrolyse in Burgau könnte ein neuer Ofen errichtet werden, der den anfallenden Schwelkoks verbrennt. Das Ende der Deponie, die unter den gegenwärtigen Bedingungen im Jahr 2020 verfüllt sein wird, ließe sich so hinauszögern.
Foto: Bernhard Weizenegger

Landkreis Wie lange noch wird die Müllpyrolyse in Burgau laufen? Die Zukunft der Anlage beschäftigt die Günzburger Kreisräte. In der jüngsten Sitzung des Werkausschusses präsentierte der Leiter des Kreisabfallwirtschaftsbetriebs, Karl Schmid, verschiedene Szenarien. Wenn man die Dinge wie bisher laufen lässt, ist die Deponie bei der Pyrolyse in Unterknöringen um das Jahr 2020 herum voll. Ein weiterer Denkansatz sieht vor, die Verschwelungsanlage Ende des Jahres 2015 einzustellen. Dies will im Kreistag aber offensichtlich niemand. „Wir sollten die Pyrolyse-Anlage, so lange wie es technisch und wirtschaftlich möglich ist, weiterbetrieben“, sagte Matthias Kiermasz (CSU) unter der Zustimmung der anderen. Laut Vertrag zwischen der Stadt Burgau und dem Landkreis muss die Anlage stillgelegt werden, wenn die Deponieflächen in Unterknöringen verfüllt sind. Dies wäre 2020 der Fall.

Eine Überlegung sah bisher vor, das Ende der Pyrolyse durch ein Biomassezentrum zeitlich hinauszuzögern. Dieses Zentrum hätte den in der Pyrolyse anfallenden Schwelkoks verbrennen und die dabei anfallende Wärme zur Trocknung von Biomasse verwenden sollen. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie ergab, dass dies technisch machbar, aber unter den gegebenen Voraussetzungen nicht wirtschaftlich ist. Die Kreisräte beschlossen jetzt einstimmig, diese große Lösung nicht weiterzuverfolgen.

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Stattdessen sprach sich der Werkausschuss geschlossen für die sogenannte kleine Lösung aus. Dieses Konzept sieht die Nachverbrennung des in der Pyrolyse entstehenden Schwelkokses und möglicherweise von Zyklonstaub vor. Durch die Einrichtung eines neuen Ofens fällt weniger Schwelkoks an, der deponiert wird. Die Restlaufzeit der Deponie verlängert sich somit. Das Bayerische Institut für Abfallforschung (BIFA) in Augsburg soll möglichst bis zum Jahresende 2013 eine Machbarkeitsstudie vorlegen. Die Kosten dafür belaufen sich dabei auf etwa 50000 Euro. Dann werden die Kreisräte entscheiden, ob die Pyrolyse weiterläuft oder Ende 2015 stillgelegt wird. Willi Riedel (SPD) mutmaßte, wo die Reise hingeht: „Mein Bauchgefühl spricht für die Weiterführung der Anlage.“

Bei einer Stilllegung der Pyrolyse würde die Zeit drängen, denn der Landkreis müsste die künftige Entsorgung seines Mülls schneller regeln. Das Ausstiegsszenario sieht ebenfalls verschiedene Alternativen vor: Die Verbrennung von Müll und der Transport müssten innerhalb der Europäischen Union ausgeschrieben werden. Es könnte, wie Schmid erläuterte, auch eine Zweckvereinbarung mit anderen Entsorgungsträgern, beispielsweise dem Landkreis Neu-Ulm, getroffen werden. Auch ein Beitritt zu benachbarten Zweckverbänden wie dem Abfallzweckverband Augsburg und dem Abfallwirtschafts-Zweckverband in Kempten wäre möglich.

CSU-Kreistagsfraktionschef Hans Klement und Matthias Kiermasz wiesen darauf hin, dass 41 Mitarbeiter des Landkreises in der Pyrolyse Burgau arbeiten. Es gehe auch um 2,4 Millionen Euro Personalkosten, die in den Landkreis fließen. Deshalb wollte kein Kreisrat das Sterbeglöckchen für die Pyrolyse am 31. Dezember 2015 läuten.

Burgaus Bürgermeister Konrad Barm verfolgte die Werkausschuss-Sitzung aufmerksam als Zuhörer. Inzwischen hat der Rathauschef den Burgauer Stadtrat über die Entwicklung informiert. Es sei in einem ersten Schritt wichtig gewesen, zu erfahren, was der Landkreis plane, sagt Barm. Der Burgauer Stadtrat werde nun das Ergebnis der Machbarkeitsuntersuchung für die kleine Lösung abwarten. Er könne sich vorstellen, dass dieses Konzept mit der Nachverbrennung von Schwelkoks im Burgauer Stadtrat akzeptiert werde, teilt Barm auf Anfrage mit. Die große Lösung mit einem Biomassezentrum wäre nach Worten des Bürgermeisters nicht akzeptiert worden, sagt der Rathauschef: „Da waren ja Laufzeiten bis ins Jahr 2065 im Gespräch.“

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Ein Artikel von
Berthold Veh

Donau Zeitung, Wertinger Zeitung
Ressort: Donau Zeitung, Wertinger Zeitung


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