In der Gundremmingen steht Deutschlands größtes Kernkraftwerk. Die Menschen dort halten es auch nach der Atomkatastrophe in Japan für sicher. Von Berthold Veh
Gundremmingen Es ist ein ganz normaler, trüber Freitagmorgen in Gundremmingen. Dort kann man überall auf Deutschlands größtes Kernkraftwerk blicken. Irmgard Grau ist mit ihrem fünfjährigen Buben Bruno und den Drillingen Hannah, Emil und Maria in der Hauptstraße zum Kindergarten unterwegs. Es weht eine leichte Brise aus Westen, aus den Kühltürmen des Kraftwerks ziehen die Dampfschwaden gen Osten. Die Atomkatastrophe in Japan hat auch Gundremmingen verändert, denn die Bewohner scheinen nachdenklicher geworden zu sein. „Mir tun die Menschen in Japan leid“, sagt Irmgard Grau, Mutter von sechs Kindern. Eines hat sich aber im Ort nicht geändert. Es gibt zumindest keine öffentlich geäußerten Zweifel an der Sicherheit des Gundremminger Kernkraftwerks. „Ich fühle mich absolut sicher und vertraue den Menschen, die in unserem Kernkraftwerk arbeiten“, sagt Irmgard Grau. Bürgermeister Wolfgang Mayer hat in der vergangenen Woche mehr als 20 Interviews mit Vertretern verschiedenster Medien geführt. Die Erwartung von manchen Reportern, dass jetzt nach dem drohenden Super-GAU auch von Gundremmingern gegen das Kraftwerk zu Felde gezogen würde, habe sich nicht erfüllt. „In Gundremmingen ist keiner da, der jetzt sagt, dass er gegen das Kraftwerk ist“, behauptet Mayer. Der Rathauschef sollte recht behalten. Auch am Freitag, eine Woche nach dem Erdbeben in Japan, wettert in Gundremmingen niemand gegen den Atommeiler. Im Gegenteil. „Wir sind doch keine Kamikaze-Leute“, sagt ein Rentner, der fast vier Jahrzehnte im Kraftwerk gearbeitet hat. Es sei ein Vertrauensverhältnis gewachsen, sagt der ehemalige Mitarbeiter. Andrea Metz, die in der Bäckerei Morlock einkauft, sagt überzeugt: „In Gundremmingen passiert so etwas nicht.“ Der Augsburger Werner Zimmermann, der seine Elektrofirma in das Atomdorf verlagert hat, sieht es ebenso: „Das Gundremminger Kernkraftwerk ist sehr sicher. Es wurde sehr viel nachgerüstet.“
Einigen Gundremmingern ist anzumerken, dass ihnen die Nachfragen zum AKW allmählich lästig werden. Eine 40-jährige Mutter von zwei Kindern hält die „Panikmache“, die in den Medien stattfinde, für bedenklich. „Ich fühle mich sicher, denn ich kenne viele dieser hoch qualifizierten Leute, die im Kernkraftwerk Gundremmingen arbeiten, persönlich.“ Einer dieser Mitarbeiter ist der Mann der Gund-remmingerin. Und der würde nicht dort arbeiten, wenn das Kraftwerk nicht sicher wäre, sagt die Frau. Sie warnt, dass der Ausstieg aus der Atomenergie den Strom viel zu teuer mache. Mit erneuerbaren Energien sei eine vernünftige Stromversorgung noch nicht zu gewährleisten. Ein Zweifler ist an diesem Morgen tatsächlich nicht zu finden. Eine Zeitung hat diese Woche einen Gundremminger aufgetan, der nach der Nuklearkatastrophe in Japan Sicherheitsbedenken hegt. Den Namen wollte der Befragte aber nicht nennen, weil ihm sonst der Bürgermeister den Hals umdrehe.
Bei Mitarbeitern im Gundremminger Kernkraftwerk ist die Stimmung nach der Nuklearkatastrophe in Japan am Boden. „Wir sehen mit Sorge nach Fukushima“, sagt ein Beschäftigter der GZ. Nachdenklich mache ihn, dass in Japan ein GAU drohe. „Das sind keine Doofis.“ Der Standort und die Technik seien aber mit Gundremmingen nicht vergleichbar. Sein Mitgefühl gelte den Tausenden Opfern des Tsunamis, sagt der Mitarbeiter. Nichts habe sich an der Sicherheit des Gundremminger Kernkraftwerks geändert, an der Stimmung aber alles.
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