Sonntag, 21. Januar 2018

01. März 2017 15:40 Uhr

Gundremmingen

Kernphysiker verlangt Aufklärung zu Vorfall im AKW

Klaus Buchner ist auch Mitglied im Europaparlament. Er sieht eine konkrete Gefahr in der Anlage. Und auch eine Ärzteorganisation erneuert ihre Kritik.

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Block B musste vorübergehend abgeschaltet werden.
Foto: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Nachdem wegen eines defekten Ventils Block B des Atomkraftwerks (AKW) Gundremmingen in dieser Woche wieder abgeschaltet werden musste (wir berichteten), verlangt Klaus Buchner, Kernphysiker und Mitglied des Europaparlaments für die ÖDP, Aufklärung. Es sei unklar, welche Gefahren für die Bürger bestanden.

Er vermutet, dass das Ventil im Notfall den Hauptkreislauf nach außen in die Kondensationskammer öffnet. Im Hauptkreislauf werde der im Siedewasserreaktor erzeugte Dampf zur Turbine geleitet und nach der Turbine das aus dem entspannten Dampf kondensierte Wasser zurück in den Reaktor gepresst. Wenn vor der Turbine der Druck zu groß wird, werde über Ventile Dampf in die Kondensationskammer abgeblasen. Damit habe das Ventil eine hohe sicherheitstechnische Bedeutung. Wenn das Ventil nicht geschlossen werden kann, drohe das Gegenteil.

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Der Hauptkreislauf und somit der Reaktordruckbehälter seien geöffnet. Druck und Wasserstand sinken. Die Kühlung der Spaltelemente sei gefährdet. Dann drohe ein Großunfall. Genau dieselben Worte verwendete übrigens die Bürgerinitiative Forum in ihrer zuvor versandten Mitteilung zu dem Vorfall. Das gefährliche AKW sei ohnehin überflüssig, da Deutschland viele Erneuerbare-Energie-Anlagen habe. Für den Übergang lägen in Irsching Gaskraftwerkskapazitäten brach. Zudem erziele Deutschland Stromexportüberschussrekorde: im Jahr 2016 rund 50 Milliarden Kilowattstunden; das AKW Gundremmingen liefere rund 20 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr.

AKW-Betreiber: Es hat keine Gefahr bestanden

Der Sprecher des Kraftwerks, Tobias Schmidt, erklärt, Buchner gebe die Lage und Funktion der Ventile korrekt wieder. Doch es sei davon auszugehen, dass ihm klar sei, „dass nichts unkontrolliert irgendwohin geströmt ist“. Reaktordruckbehälter, Dampfleitungen, Ventile und Kondensationskammer befinden sich demnach gemeinsam innerhalb des druckfest und dampfdicht verschlossenen Sicherheitsbehälters, einem eigenen Gebäude im Reaktorgebäude. „Warum Herr Buchner den Eindruck zu erwecken versucht, es hätte eine Gefahr bestanden, das erschließt sich uns nicht.“

Auch bei einem unauffälligen Verlauf der Prüfung ströme Dampf aus dem Reaktor in die Kondensationskammer, wie bei dem betroffenen Ventil. „Unsere Betriebsregularien schreiben vor, die Anlage abzuschalten, sollte eines der Ventile bei der Prüfung offen bleiben. Das haben die Kollegen ohne jedes Zögern umgesetzt. Nach dem Ereignis haben wir unverzüglich informiert und darauf hingewiesen, dass keine Gefährdung bestand.“ Eben weil es sich bei diesen Ventilen um wichtige Sicherheitseinrichtungen handele, würden sie nach einer Revision mit großem Aufwand geprüft. „Im konkreten Fall wird das betroffene Vorsteuerventil ausgetauscht und dann untersucht. Die abgebrochene Prüfung wird nach dem Wiederanfahren selbstverständlich nachgeholt.“

Dass bei mehreren tausend pro Block und Jahr durchgeführten wiederkehrenden Prüfungen einzelne Befunde „instrumentalisiert werden, um Ängste zu schüren oder sich politisch zu profilieren, ist bedauerlich“, betont Schmidt. „Auch dem Büro von Herrn Buchner haben wir nach ähnlichen Veröffentlichungen angeboten, erst mit uns zu reden statt über uns, sollten Fragen zum Betrieb aufkommen. Dass dieses Angebot erneut nicht genutzt wurde, spricht für sich.“

Ärzteorganisation erneuert Kritik am AKW

Derweil meldet sich die Ärzteorganisation IPPNW wieder zu Wort. Trotz des Dementi der zuständigen Behörden und der Betreiber (wir berichteten) bleibt der Ulmer Ableger dabei: Die Reaktorschnellabschaltung 2015 sei mit einem Ausfall der Hauptwärmesenke verbunden gewesen, bis zuletzt sei seitens des AKWs ein falscher Eindruck zu den Abläufen vermittelt worden. Der Ausfall des Systems könne zu einem Super-GAU führen. Die IPPNW erwarte, dass Betreiber und Atomaufsicht die Gefahr bestätigen.

Schmidt betont: Beim Ausfall der Hauptwärmesenke falle zuerst diese aus, dann müsse als Folge der Reaktor abgeschaltet werden. Im Gegensatz dazu sei 2015 in Block C zuerst der Reaktor abgeschaltet worden. Bewusst etwas später seien die Dampfleitungen zur Hauptwärmesenke verriegelt worden. „Hierbei treten, anders als von IPPNW unterstellt, keine Leistungsspitzen auf, da der Reaktor zu diesem Zeitpunkt abgeschaltet ist.“ Die Stellungnahmen der Behörden seien eindeutig und belegten, dass die Ausführungen von IPPNW unzutreffend seien. „Wir empfehlen, unser Angebot zu einem unaufgeregten Gespräch über die Sachverhalte wahrzunehmen, statt sich in Verschwörungstheorien zu verrennen.“ cki, zg

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