Dienstag, 16. Januar 2018

09. Januar 2018 06:00 Uhr

Kreis Günzburg

Knifflige Rechenaufgaben auf dem Weg aus der Schuldenfalle

Die Schuldnerberatung stagniert im Landkreis „auf hohem Niveau“. Was sich jetzt dann ändern soll. Und welche Vorteile das hat für die Kommunen und Klienten.

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Es ist eine Litanei an Vorteilen, die Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger da aufzählt: beschleunigte Verfahren, einheitliche Abrechnungs- und Qualitätsstandards, eine effiziente Verwaltungsarbeit und eine bessere Ausstattung der Beratungsstellen. So wundert es eigentlich, dass es so lange gedauert hat, bis die Schuldner- und Insolvenzberatung zusammengelegt werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll im März verabschiedet werden. Bisher waren die Zuständigkeiten getrennt: die Schuldnerberatung ist eine kommunale Aufgabe während die Sicherstellung der Insolvenzberatung in er verantwortung des Freistaates lag. In der Praxis ist so eine Trennung aber nur schwierig möglich, denn „die Übergänge sind fließend“, sagt Martin Wiedemann. Er und seine Kollegin Ulrike Häußler sind im Landratsamt die Experten für Schuldnerberatung.

Im Landkreis Günzburg hat die Behörde selbst die Beratungstätigkeit übernommen und sie nicht, wie andernorts, an Wohlfahrtsverbände übertragen. Und die Insolvenzberatung wird gleich mitgemacht – und entsprechend kompliziert mit der Regierung von Schwaben abgerechnet. Bislang. Wenn sich Gläubiger und Schuldner nicht einigen konnten und es zum Gerichtsverfahren gekommen ist, gab es für die beratende Stelle in gestaffelter Form eine Honorierung: 308 Euro pro Fall bis zu fünf Gläubiger, 538 Euro bis zu 16 Gläubiger; und darüber 675 Euro. „Das war natürlich nie und nimmer kostendeckend. Eine Insolvenz zieht sich ja über Jahre hin“, sagt Wiedemann, der sich darüber freut, „nach 18 Jahren Kampf das nun erreicht zu haben“. Die beabsichtigten neuen Fixbeträge liegen höher, die Planungssicherheit sei größer. Unter Umständen könne das Präventionsangebot ausgebaut werden, lautet ein Vorschlag. Aber das sei noch Zukunftsmusik.

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Wiedemann hat vor 18 Jahren nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem Sozialpädagogikstudium direkt mit der Schuldnerberatung begonnen, elf Jahre davon in Kaufbeuren. „Für mich ist es der beste Beruf, den es gibt“, sagt der 49-Jährige. Denn in diesem Bereich der „Sozialen Arbeit“ könne man tatsächlich noch „Menschen retten – nämlich vor dem finanziellen Ruin“.

Die Schuldner- und Insolvenzberatung sei im Laufe der Jahre aufwendiger geworden. „Wir haben mit multiplen Problemen zu tun, häufig spielen psychische Auffälligkeiten und Krankheiten eine Rolle, sagt Wiedemann. Er schildert einen typischen Fall: Eine alleinerziehende Mutter ohne Schulabschluss und Ausbildung hat vor kurzem die Hilfe der Beratungsstelle in Anspruch genommen. Die beiden unterhaltspflichtigen Väter der minderjährigen Kinder zahlen nicht. Der Unterhaltvorschuss, für den zunächst der Staat aufkommt, liegt deutlich unter dem eigentlich vorgesehenen Betrag. Über 300 Euro fehlen so monatlich. Die 1300 Euro für drei Personen, von denen gleich mal 500 Euro Wohnkosten weggehen, reichen kaum. „Ich habe in all den Jahren niemanden kennengelernt, dem die eigenen Schulden egal sind“, sagt Wiedemann. Aber es gebe durchaus Menschen, die nach einer langjährigen Schuldnerkarriere vollkommen resigniert seien.

1097 Schuldner- und Insolvenzberatungen hatten Martin Wiedemann und die teilzeitbeschäftigte Ulrike Häußler im Landratsamt vergangenes Jahr. Von den 597 Klienten hatten 238 mit Privatinsolvenzen zu tun. Die Zahlen steigen laut Wiedemann seit fünf Jahren nicht mehr wesentlich. „Sie stagnieren auf hohem Niveau.“     

Info: Sprechzeiten ohne Vereinbarung am Dienstag (10-12 Uhr) im Landratsamt, Zimmer 17 (Wiedemann) oder 28 (Häußler), Telefon 08221/95-204 und -203.

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