Dienstag, 18. Juni 2013

11. Mai 2012 07:15 Uhr

Energie

Kraftwerkspläne „nicht für die Schublade“

Zitat des Geschäftsführers der Ulmer Stadtwerke sorgt für Wirbel.

Wird ein Gaskraftwerk (auf dem Foto die Anlage in Hamm-Uentrop) bei Leipheim gebaut? Gegenwärtig würde sich diese Investition nicht rechnen.
Foto: Georg Schalk

Für Wirbel hat bei den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU) ein Zeitungsbericht über die Energiewende gesorgt. Darin wird der technische Geschäftsführer zur Wirtschaftlichkeit des Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) befragt, das auf dem ehemaligen Leipheimer Fliegerhorstgelände geplant ist. „Aber das sind derzeit nur Schubladenpläne“, zitiert die Süddeutschen Zeitung den SWU-Geschäftsführer. Der Bau eines Gaskraftwerks rechne sich derzeit nicht.

Das Wort Schubladenpläne hat nicht nur bei den Stadtwerken, sondern auch bei Politikern im Landkreis für Verwunderung gesorgt. SWU-Sprecher Bernd Jünke stellt auf Anfrage der GZ klar: „Die GuD-Pläne sind nicht für die Schublade.“ Das Bauleitplanverfahren auf dem einstigen Fliegerhorstgelände laufen seinen Worten zufolge auf Hochtouren. Überrascht fügt Jünke hinzu: „Wir sind ziemlich beschäftigt mit dieser Schublade.“

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Eines sei allerdings unstrittig. Bei den gegenwärtigen Rahmenbedingungen würde sich das GuD nicht rechnen. Das Kraftwerk mit 1200 Megawatt Leistung (fast ein Block des Gundremminger Kernkraftwerks) würde etwa 900 Millionen Euro kosten. Damit sich diese gigantische Investition rentiert, müsste die Anlage 4000 Stunden im Jahr in Betrieb sein, hat Schäffner ausgerechnet. Die Energiewende sei aber so konzipiert, dass das Kraftwerk höchstens 2000 Stunden laufen soll.

Jünke bestätigt dies: „Wahr ist, dass sich die Rahmenbedingungen für das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk ändern müssen, damit es rentabel ist.“ Es sei aber wohl jedem klar, dass solche Kraftwerke nach dem Atomausstieg benötigt würden. „Die Sonne scheint nicht immer dann, und der Wind weht nicht immer dann, wenn die Industrie Strom braucht“, sagt Jünke. Weil immer mehr Strom aus Solar- und Windkraftanlagen ins Netz eingespeist werde, kämen die geplanten Gaskraftwerke auf immer weniger Betriebsstunden. Deswegen schlagen die SWU vor, den Strom nicht nach Menge (Arbeit), sondern nach Leistung zu bezahlen. Die Standby-Reserve, die zum Beispiel durch Gaskraftwerke gewährleistet werde, müsse honoriert werden. Das Bauleitplanverfahren, so Jünke, laufe ungebremst weiter: „Wir arbeiten für die Zeit, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen geändert haben werden.“ Der SWU-Sprecher ist sich sicher, dass es dazu kommen muss. „Für diesen Tag X sollten wir vorbereitet sein.“

Der energiepolitische Sprecher der CSU im Bundestag, Georg Nüßlein, glaubt, dass dieser Tag kommen wird. Die bayerische Staatsregierung gehe davon aus, dass zum Ausgleich von Schwankungen bei der Stromproduktion vier bis fünf große Gaskraftwerke in Bayern nötig sein werden. „Und da wäre Leip-heim natürlich ein Thema“, sagt der Münsterhausener. Es werde gegenwärtig hitzig über „Kapazitätsprämien“ diskutiert. Kraftwerksbetreiber bekämen demnach Geld dafür, dass sie Kapazitäten für die Stromproduktion zur Verfügung stellen. Nüßlein ist sich über den Ausgang der Debatte im Klaren: „Wir werden das am Ende machen müssen.“

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