Ein Jäger hat zwischen Oberelchingen und Leipheim zwei Jungschwäne erschossen. Ein Sprecher des Landratsamts spricht von einem "Blutbad". Von Roland Ströbele

Ein Jäger hat am Sonntag zwischen Oberelchingen und Leipheim zwei Jungschwäne erschossen. Spaziergänger reagierten entsetzt, Landratsamt-Sprecher Jürgen Bigelmayer spricht von einem "Schwanen-Blutbad".
Mehrere Spaziergänger waren am Sonntag entsetzt, weil sie an der Donau zwischen Oberelchingen und Leipheim Augenzeuge wurden, wie ein Jäger zwei Jungschwäne erschossen hat. Jürgen Bigelmayr, Pressesprecher des Landratsamtes in Neu-Ulm, sprach gestern von einem "Schwanen-Blutbad", das der Jäger da angerichtet habe.
Die empörten Reaktionen sind jedoch vergeblich: Nach Auskunft der unteren Jagdbehörde am Landratsamt in Neu-Ulm ist es seit Anfang des Monats erlaubt, Schwäne zu töten. "Die Aktion war rechtlich zulässig", sagte Bigelmayr. Vom 1. November bis zum 20. Februar sei die Jagd auf Schwäne erlaubt.
Dem pflichtet auch der Kreisvorsitzende des Jagdverbandes Neu-Ulm, Christian Liebsch aus Pfaffenhofen, bei. Bei ihm kommt allerdings leise Kritik an seinen Jagdkollegen auf. Der Sonntagnachmittag, an dem viele das herrliche Wetter für einen Spaziergang am Donauufer genutzt hatten, sei wohl der falsche Zeitpunkt gewesen für die Jagd auf Schwäne. "Es ist nicht ratsam, die Tiere zu töten, wenn Spaziergänger unterwegs sind", meint auch Jürgen Bigelmayr.
Nach seinen Informationen war der zuständige Pächter am Sonntag auf Entenjagd gegangen und hatte die beiden Jungschwäne wahrscheinlich eher zufällig vor die Flinte bekommen. Der Waidmann sei wohl nicht sensibel genug gewesen, um zu erkennen, dass es ein sehr emotional besetztes Thema ist, wenn Schwäne erschossen werden. "Der Schwan ist ein sehr erhabenes Tier, das in der Sage als rein dargestellt wird", sagte Bigelmayr weiter.
Brust von Jungschwänen gilt als Delikatesse
Die Jagdpächter, die die beiden Jungschwäne erschossen haben, sind sich hingegen keinerlei Schuld bewusst. Ein Grund, warum sie mit ihren Waffen auf die jungen Tiere gefeuert haben, sei gewesen, dass sie die Brüste der Jungschwäne essen wollten. Jungschwanbrust gilt als eine besondere Delikatesse.
Allerdings wissen viele Jäger, dass es in weiten Teilen der Bevölkerung nicht gut ankommt, wenn Schwäne geschossen werden. "Die Schwanenjagd ist durchaus eine Bereicherung, man muss halt sehr dezent jagen, etwa bei Nebel. Weil halt viele Leute den Sinn nicht verstehen", rät ein Waidmann seinen Kollegen im Internet.
Was sich am Sonntag am Donauufer bei Elchingen zugetragen hat, ist offenbar kein Einzelfall. Motiv ist aber nicht nur die Lust an der Jagd. Nicht selten handeln Jäger auch im Auftrag von Landwirten, die sich über die Hinterlassenschaften der Schwäne auf ihren Wiesen ärgern.
Allerdings gibt es nach Beobachtungen von Spaziergängern auch sehr viele Menschen, die sich an den Tieren freuen und sie füttern. Sie können nicht verstehen, dass überhaupt Jagd auf die großen weißen Vögel gemacht werden darf. Von Roland Ströbele
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