Im Kaufhaus Klein wurden die Ausstellungsbesucher ein Teil der Performance


Burgau Immer für eine Überraschung gut, die zum Genießen, aber auch zum Nachdenken anregt, sind die Ausstellungen und Aktionen von Hans Riethmüller in seinem Kaufhaus Klein. Mit seiner jüngsten Performance „Gepflegter Kicker II“ und „Homo Ludens“ verband der Künstler lustvolles Spiel mit ebenso lustvoller Körperpflege.
Wer von den anwesenden Herren das mochte, konnte sich in dem Schaufenster des Kaufhauses einer klassischen Rasur mit Schaum und Messer unterziehen. Das zweite Schaufenster war der Fußpflege vorbehalten. Auf zwei bequemen Sesseln konnten sich zwei Vernissagegäste gleichzeitig einer wohltuenden Fußpflege hingeben. Im Raum erwartete eine Naturkosmetikerin Damen und Herren zu Handmassagen und Fingernagelpflege. Nicht alle Gäste wollten sich erst der Pflegemaßnahmen unterziehen. Sie stürzten sich, weil schon zuhause gepflegt, auf die beiden Kicker, die zum entspannten Spiel einluden.
Die perfekte Spiel-Atmosphäre hatte Hans Riethmüller mit seinen thematisch abgestimmten Bildern geschaffen: Bilder, die die Kickermännchen aus ganz neuen Perspektiven zeigen: fotografiert mit einem Panoramaobjektiv. Blaue und rote Spieler, aufgereiht an Eisenstäben, in Schräglage und kopfüber. In starren Reihen, soldatengleich, normiert, mit starren Gesichtern, scheinen sie wie Kampfmaschinen auf ihren kollektiven Einsatz zu warten. Immer gleich, mit wenigen, aber parallelen Bewegungen begeben sie sich in einen Tanz um Ball und Tore.
Wo Kampf und Aggression brodeln
Hans Riethmüller hat die Kickermännchen nicht nur fotografisch festgehalten. Er hat die Darstellungen in fotorealistische Bilder übertragen, in denen Kickerkerle in ihrer Überdimension eine völlig neue, unerwartete Qualität erhalten. In der Tiefe des harmlosen Sport- und Gesellschaftsspiels brodeln Kampf und Aggression.
Den Bezug von Kampf und Spiel hat Hans Riethmüller in seiner Einladung folgendermaßen dargestellt: „... froh, den Feuersturm der Legion Condor überlebt zu haben – im Hospital das Elend beobachtet, wird ihm gewahr, dass dies alles einer besonderen Pflege bedarf. Er grübelt ... Bis schließlich ein Gedanke Form annimmt: Lasst uns Tischfußball spielen.“
Gefühle, die in einem feinen Widerspruch zu der für das Spiel gerne beanspruchten „Heiterkeit“ stehen. „Gepflegter Kicker II“ ist eine vielschichtige Präsentation, die als harmloser Spaß verstanden und einfach genossen werden kann. Sie kann als intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Begriff „Pflege“ und „gepflegt“ verstanden werden. Und sie hat eine kulturpsychologische Dimension, die sich dem öffnet, der bereit ist, sich mit allen Facetten dessen auseinanderzusetzen, was im Kaufhaus Klein derzeit angeboten wird.
„Homo Ludens“ „Gepflegter Kicker II“ sind noch bis zum 3. März im Kaufhaus Klein, Käppelestaße 6 in Burgau zu erleben. Jeweils Mittwoch bis Samstag von 19.30 bis 22 Uhr können die Bilder betrachtet und ein gepflegter Kicker gespielt werden.
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