Freitag, 15. Dezember 2017

21. November 2017 17:06 Uhr

Kreis Günzburg

Mängel an Brennstäben im Atomkraftwerk Gundremmingen

Eine Firma hat dem Atomkraftwerk Gundremmingen Brennelemente geliefert, die nicht den Vorgaben entsprechen. Anlagen-Gegner sehen die Sicherheit deshalb nicht gewährleistet.

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Fehlerhafte Brennstäbe sind auch in Block C des Kernkraftwerks Gundremmingen in Betrieb.
Foto: Bernhard Weizenegger (Archivfoto)

Das Atomkraftwerk im schweizerischen Leibstadt muss 24 Brennelemente austauschen, die nicht den Vorgaben entsprechen. Dadurch muss der Reaktorkern neu ausgelegt und von den Behörden wieder freigegeben werden, die laufende Revision dauert dadurch länger und die Wiederinbetriebnahme verzögert sich. Auch das Atomkraftwerk (AKW) Gundremmingen hat zwei solche Brennelemente von der französischen Firma Areva erhalten.

Die Anlage sei allerdings so ausgelegt, dass sie auch bei möglichen Schäden an Brennelementen gefahrlos funktioniert – Anzeichen für Defekte gebe es momentan jedoch keine. Das betont auf Anfrage unserer Redaktion Jan Peter Cirkel, einer der Sprecher in der RWE-Zentrale in Essen.

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Bei der Herstellung von Brennelementen waren einem Bericht des Schweizer Senders SRF zufolge bei Areva undichte Hüllrohre festgestellt worden. „Bei der Werkstation für die Ultraschall-Überprüfung trat sporadisch ein Computerfehler auf, der dazu führte, dass fehlerhafte Hüllrohre in den Produktionsprozess gelangten, statt ausgemustert zu werden“, zitiert SRF die Firma. Die Kunden seien dann darüber informiert worden. Konkret geht es um Geometrieabweichungen bei der Hüllrohrwandstärke.

Bei RWE ist nur Gundremmingen betroffen

RWE wurde am 30. Oktober unterrichtet, betroffen sei bei dem Energie-Konzern nur der Standort in Gundremmingen. „In Block C sind derzeit zwei Brennelemente mit jeweils zwei betroffenen Hüllrohren im Einsatz. Darüber hinaus befinden sich zwei betroffene Brennelemente im Abklingbecken des Blocks“, erläutert Cirkel. „Die betroffenen Brennelemente werden seit fünf Jahren befund- und defektfrei ohne Auffälligkeiten betrieben.“ Auch bei der Revision im Sommer dieses Jahres gab es demnach keine Auffälligkeiten und keine Anzeichen für mögliche Schäden an Brennstäben.

„Nach unserer sicherheitstechnischen Bewertung können alle betroffenen Brennelemente ohne Einschränkungen weiter eingesetzt werden. Wären die Hüllrohre durch die Spezifikationsabweichung beeinträchtigt, wäre ein Schaden aufgrund der höheren Leistung zu Bestrahlungsbeginn bereits in den beiden ersten Produktionszyklen aufgetreten.“ Ein Austausch sei deshalb nicht nötig. Auch die Firma Areva selbst sieht keine Einschränkungen für den Betrieb.

Grüne werfen Betreibern und Ministerium „grobe Fahrlässigkeit“ vor

Die Bürgerinitiative (BI) Forum sieht das anders und kritisiert, dass die Probleme an den Brennelementen verheimlicht worden seien – der RWE-Sprecher weist das zurück, es liege schließlich kein Defekt vor und es gebe keine Beeinträchtigung. Der BI-Vorsitzende Raimund Kamm zitiert den Reaktorexperten Michael Sailer vom Ökoinstitut Darmstadt, der Gefahren durch fehlerhafte Brennelemente sieht: Wenn sie die Spezifikationen nicht erfüllen, seien die Sicherheitsnachweise nicht mehr gültig. Cirkel jedoch betont, dass sie den Integritätstest bestanden hätten und das Kraftwerk auch für den Betrieb mit fehlerhaften Elementen ausgelegt und genehmigt sei.

Kamm fordert aber die Bayerische Atomaufsicht auf, einzuschreiten – und das Bundesumweltministerium, da das Umweltministerium in München den Ruf habe, den AKW-Betreibern zu nahe zu stehen. Die Grünen im Bayerischen Landtag haben direkt eine lange Anfrage gestellt und sprechen sogar von „grober Fahrlässigkeit des Betreibers und des CSU-Umweltministeriums“. Die Bayerische Atomaufsicht drücke „wieder mal alle Augen zu, wenn es in Gundremmingen zu Verstößen kommt“, es gebe eine Menge offener Fragen, die zu klären seien.

Ministerien gehen nicht auf die Kritik an ihnen ein

Ein Sprecher des Bayerischen Umweltministeriums bestätigt die Auskunft von RWE. Hinweise auf Brennstabdefekte gebe es keine, eine erste sicherheitstechnische Bewertung mit einem Sachverständigen habe ergeben, dass gegen den Betrieb des Kerns von Block C keine sicherheitstechnischen Bedenken bestehen. Auch seien keine Brennstabdefekte durch die Abweichungen von der Spezifikation zu erwarten. Die umfangreiche schriftliche Anfrage der Grünen werde im Rahmen der parlamentarischen Fristen beantwortet.

Weder er noch eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums gehen auf die Kritik von BI und Grünen ein. Der Bund lasse routinemäßig Vorkommnisse und Erfahrungen im Hinblick auf neue Erkenntnisse für die Sicherheit der deutschen Kraftwerke auswerten.

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