Montag, 20. Mai 2013

05. Februar 2011 01:00 Uhr

Großinvestition

Mit voller Kraft ans Werk

Bis das neue Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Leipheim in Betrieb geht, müssen noch viele Genehmigungen eingeholt werden

Sie informierten gestern im Landratsamt über das geplante Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (obere Reihe von links): Landrat Hubert Hafner, OB Gerhard Jauernig (Günzburg), Bürgermeister Christian Konrad (Leipheim), Bürgermeister Walter Sauter (Bubesheim). Untere Reihe: Christian Zimmermann (Geschäftsführer Zweckverband), Jürgen Schäffner (Geschäftsführer SWU Energie GmbH), Dr. Carl Caspar Jürgens (SWU) und Peter Schmidberger (Leiter Produktion SWU Energie).
Fotos: Bernhard Weizenegger

Günzburg Es ist nicht immer einfach im Zweckverband „Interkommunales Gewerbegebiet Landkreis Günzburg“. Die Interessen von Stadt und Landkreis Günzburg, der Stadt Leipheim und der Gemeinde Bubesheim unter einen Hut zu kriegen, sorgt nicht selten für lebhafte Diskussionen. Oder wie es der Bubesheimer Bürgermeister Sauter formulierte: Der Entscheidungsprozess sei bisweilen recht schwierig.

Da saßen sie nun gestern Seit’ an Seit’ im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes, die „Köpfe“ des Zweckverbandes, um eine Entscheidung von großer Tragweite zu verkünden: Vorsitzender und Landrat Hubert Hafner, Oberbürgermeister Gerhard Jauernig sowie die Bürgermeister Christian Konrad (Leipheim) und besagter Walter Sauter (Bubesheim). Der Zweckverband habe am Tag zuvor, am Donnerstag, einstimmig – wie betont wurde – die Grundsatzentscheidung getroffen, die SWU Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH und deren Tochtergesellschaft SWU Energie GmbH als Großinvestor für die Konversionsfläche zu gewinnen. Also jenes Areal, das sich über die drei Gemarkungen von Leipheim, Günzburg und Bubesheim erstreckt.

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Es ist ein Vorhaben von nicht gekanntem Ausmaß für den Kreis Günzburg: Die Investitionssumme beträgt 900 Millionen Euro – also etwa zwei- bis dreimal so groß wie das Legoland Deutschland. Gebaut werden soll eines der weltweit effizientesten Gas- und Dampfturbinen-(GuD)-Kraftwerke. Damit haben die Verantwortlichen des Zweckverbandes bereits acht Monate nach dem Erwerb der Konversionsfläche offensichtlich einen großen Coup gelandet.

„Wir haben heute eine sehr gute Nachricht für sie“, verkündete Landrat Hafner mit Stolz. Das Kraftwerk werde die Attraktivität des Standortes deutlich steigern. Es entstünden neue Arbeitsplätze, von der großen Investitionssumme profitierten heimische Unternehmen, es werde Energie „aus der Region für die Region“ erzeugt und die Ökologie komme dabei auch nicht zu kurz. „Wir haben bereits ein Vorgängerkraftwerk in Hamm in Westfalen besichtigt und wissen, was auf uns zukommt“, so Hafner. Der Zweckverband habe die „sehr große Chance“, den Standort für eine für Süddeutschland bedeutsame Energieversorgungsanlage zur Verfügung zu stellen.

Nach Meinung von OB Jauernig hat sich die Risikobereitschaft der kommunalen Familie, in die Vermarktung, den Erwerb und Vertrieb einzutreten, „absolut gelohnt“. „Wir haben hier ein Filetstück“, sagte Jauernig: Das Grundstück sei aus einer Hand und verkehrsgünstig erschlossen. Mit dem „Leuchtturmprojekt“ GuD-Kraftwerk könne die Konversionsfläche über die Grenzen der Region hinaus bekannt werden.

Sein Leipheimer Kollege Konrad beschrieb die schwierige Zeit, als keiner so recht wusste, wie es auf dem ehemaligen Fliegerhorst nach Abzug der Soldaten weitergehen und was man mit einem 254 Hektar großen Areal anstellen soll. „Der Schritt hin zu einem großen Gewerbepark war der richtige. Wir können heute einen Markstein setzen für die Entwicklung im nördlichen Landkreis“, so Konrad.

Für Bubesheim als kleinste beteiligte Kommune sei die Angst groß gewesen, sich bei der Finanzierung zu übernehmen, meinte Bürgermeister Sauter. „Deshalb war uns klar: Nur gemeinsam kann es gehen.“ Das Großprojekt Kraftwerk biete eine Riesenchance für die gesamte Region. Sauter: „Wir hoffen auf Synergieeffekte und darauf, dass sich weitere Firmen ansiedeln.“

Wie Christian Zimmermann, Geschäftsführer des Zweckverbandes erläuterte, stehen auf dem ehemaligen Bundeswehrareal etwa 90 Hektar Gewerbeflächen zur Verfügung. Diese sollen laut Landrat Hafner aber nicht auf einen Schlag gefüllt werden. „Wir wollen uns etwa 20 bis 30 Jahre Zeit lassen.“ Die 18 Hektar, die der Zweckverband nun für das GuD-Kraftwerk reserviert hat, kommen hinzu.

Erst wollen die SWU nun genauer planen, kündigte Geschäftsführer Jürgen Schäffner (SWU Energie GmbH) an. Am Ende will der Großinvestor entscheiden, ob sich das Vorhaben „wirtschaftlich darstellen lässt“. Die SWU können sich vorstellen, etwa zehn Prozent der Investitionssumme zu stemmen. Der Rest müsse von anderen Stadtwerke-Unternehmen oder kommunalen Energieversorgern kommen. Interessenten hätten sich bereits gemeldet. „Ich bin sehr optimistisch, dass uns das gelingt“, so Schäffner. In das Kraftwerk in Hamm hätten 33 Stadtwerke-Betriebe investiert.

Bis zur geplanten Inbetriebnahme 2015/2016 ist es aber noch ein weiter Weg. Zahlreiche Genehmigungsverfahren stehen an. So müssen beispielsweise das Wasserwirtschaftsamt und die Regierung von Schwaben grünes Licht geben, dass die Betreiber 400 Liter Wasser pro Sekunde aus der Donau entnehmen dürfen. 30 bis 40 Prozent davon würden in den Fluss zurückgeführt, sagte Dr. Carl Caspar Jürgens (SWU). Der Rest entweiche als Dampf in die Atmosphäre. „Das sehen Sie kaum“, versicherte OB Jauernig. Man könne versichert sein, dass das unproblematisch sei, ergänzte Hafner. Darüber sei im Zweckverband ausführlich diskutiert worden.

Zurück zu Wassermenge: Benötigt würden 0,4 Kubikmeter pro Sekunde, die Donau führe aber 125 Kubikmeter. „Das ist nicht relevant“, so Jürgens. Das Kraftwerk erzeuge zwar beinahe die Hälfte der Strommenge des AKW Gundremmingen. Die Ausmaße der Bauwerke seien jedoch nicht vergleichbar: Während ein Kühlturm in Gundremmingen 160 Meter hoch sei, messe der Schornstein des GuD-Kraftwerks „nur“ 70 Meter, sagte der SWU-Vertreter. OB Jauernig: „Ich bin fest davon überzeugt, dass sich das Vorhaben in die Gesamtsituation einfügt.“ »Seite 1, Bayern

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