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01. April 2011 21:00 Uhr

Fachtag

Nicht nur Kinder, auch Pflege ist Thema

Tipps, wie es gelingt, Beruf und Familie zu vereinbaren. Ein Wirtschaftsfaktor

Teilnehmer des Fachtages „Wirtschaftsfaktor Familienfreundlichkeit“ im Sparkassensaal in Günzburg (von links): Landrat Hubert Hafner, Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz, Sofie Geisel (Moderatorin; Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“), Stephanie Denzler (Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Landkreis), Fritz Zeller (Personalleiter Sparkasse Günzburg-Krumbach), Miriam Albrecht (Mitinhaberin Reflexa Rettenbach; in Elternzeit) und Sylvia Roth (Kinderhaus Vaude Tettnang).
Fotos: Bernhard Weizenegger

Günzburg Über das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ wird schon länger gesprochen, über die Inhalte noch nicht so lange. Dabei sind sich alle – Arbeitgeber, Beschäftigte und Politiker – einig, dass die Vereinbarkeit allein schon wegen des demografischen Wandels ein Wirtschaftsfaktor ist. Doch der Teufel steckt im Detail. Die Umsetzung im täglichen Leben fällt bisweilen schwer. Stephanie Denzler kann ein Lied davon singen. Die CSU-Politikerin aus Günzburg ist zweifache Mutter. „Im bin im zweiten Jahr in Elternzeit. Nach einem halben Jahr wollte ich zurück. Bisher arbeite ich aber nicht, obwohl ich möchte“, sagte die ehemalige IHK-Regionalgeschäftsführerin bei einem Fachtag „Wirtschaftsfaktor Familienfreundlichkeit“ im Sitzungssaal der Sparkasse. „Jobsharing wird kaum angeboten, Angebote für Führungskräfte in Teilzeit sind sehr spärlich“, so Denzler.

Genau das ist das Problem. Einerseits: „Das Land wird älter und bunter, wir werden weniger“, führte Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz (Die Grünen) aus. Andererseits: „Während Menschen sich zusammensetzen, um innovative Ideen zu kreieren, da schmieren wir zu Hause Butterbrote“, meinte die zweifache Mutter. Kinder, die Karrierekiller Nummer 1? Wie kriegt die Gesellschaft den Spagat zwischen Beruf und Familie hin? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der zweistündigen Veranstaltung, die das Lokale Bündnis für Familie Landkreis Günzburg gemeinsam mit der Regionalmarketing ausrichteten. Knapp 50 Vertreter aus heimischen Betrieben und Verwaltungen nahmen daran teil.

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„Die heutige Veranstaltung möchte einmal mehr darauf aufmerksam machen, dass das Thema Familienfreundlichkeit in Betrieben elementarer Bestandteil im Kampf um die besten Köpfe geworden ist“, sagte Landrat Hubert Hafner. Sofie Geisel hatte einige Anregungen mitgebracht. Sie vertritt das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ (Berlin), das 3350 Mitglieder hat. Da gibt es ein IT-Unternehmen, das jedem Beschäftigten, der Vater wird, einen „Vaterbrief“ zusendet. Darin wird zum Nachwuchs gratuliert und es werden die familienfreundlichen Angebote erläutert. „Die Geschäftsführung fordert die Beschäftigten auf, diese auch anzunehmen“, erläuterte Geisel.

Oder die Stahlbaufirma, die Schlosser auf Montage per SMS oder E-Mail an den Hochzeitstag oder Geburtstag der Frau erinnert. „Das sind nur kleine Beispiele. Lösungen von der Stange gibt es nicht. Aber die Belegschaften registrieren die Bemühungen“, so die Moderatorin.

Betriebsnahe Tagespflege (Tagesmutter betreut innerhalb oder in der Nähe des Unternehmens Kinder unter drei Jahren), Belegplätze (Eltern können auf Plätze in Kitas in Betriebsnähe zurückgreifen) oder die Beteiligung von Unternehmen an Ferienprogrammen (Kinder können dort abgegeben werden) sind Beispiele, was in der Praxis möglich ist. Sowohl Geisel als auch Deligöz betonten, dass es wichtig sei, nicht nur über Kinder, sondern auch über die Pflege zu reden. Wer einen Angehörigen rund um die Uhr pflegen müsse, stoße bei der Vereinbarkeit mit dem Beruf an seine Grenzen.

Miriam Albrecht (Reflexa Rettenbach) und Fritz Zeller (Sparkasse Günzburg-Krumbach) berichteten von ihren Erfahrungen. Alles wunderbar? „Auf der 100-Kilometer-Wegstrecke sind wir etwa bei Kilometer 30 angekommen“, so Zeller.

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