Große Kunst im Kaufhaus Klein hat mittlerweile fast schon Tradition. Immerhin wurde im Künstleratelier von Hans Riethmüller schon die dritte Ausstellung von Werken namhafter Künstler eröffnet. Und, wie Kurator Adi Hösle feststellte, konnte auch eine inhaltliche Linie eingehalten werden durch die Auseinandersetzung mit der Fotografie, die den drei Künstlern, die 2010 im Kaufhaus Klein ausstellten und ausstellen, gemein ist.

Mit Margret Eicher wurde eine Künstlerin gewonnen, die nicht selbst fotografiert, sondern in Printmedien veröffentlichte Fotos verwendet, digital bearbeitet und in völlige neue Zusammenhänge stellt.
Viele Versatzstücke
In Burgau ist sie mit drei sehr unterschiedlichen Werktypen zu sehen. Die Tapisserien, gewebte Wandteppiche, verbinden die barocke Form herrschaftlicher Dekorations- und Repräsentationsästhetik mit der allgegenwärtigen Macht des digitalen Bildes. Ihre "Virtual Vips" täuschen als scheinbare Aquarelle Realität vor, und sind doch Computer-Darstellungen von Fantasywesen. Und in der "Frechen Kopie!" gaukelt Margret Eicher dem Betrachter ein barockes Gemälde vor, wobei Versatzstücke omnipräsenter Kopien am Computer zusammengefügt, ausgedruckt und mit einer Firnisschicht versehen wurden.
Margret Eicher setzt sich mit der Beliebigkeit, Allgegenwärtigkeit und der unendlichen Reproduzierbarkeit von Kunst im digitalen Zeitalter auseinander. Die menschliche Wahrnehmung, die von tradierten Vorstellungen vom Kunstwerk als Unikat ausgeht, wird bei Eicher bewusst irritiert, aus der Geborgenheit vermeintlich sicherer Wahrheiten gerissen und mit einer Welt konfrontiert, in der nichts mehr so sein muss, wie es zunächst scheint.
Im Künstlergespräch, das Kurator Adi Hösle mit Margret Eicher zur Ausstellungseröffnung im Kaufhaus Klein führte, bot sich für die in Mannheim lebende Künstlerin Gelegenheit, über ihre Technik zu sprechen. Form, Material und Arbeitsweise sind nicht Selbstzweck. Sie dienen dem Inhalt, sind untrennbar mit ihm verbunden. Hier kennt Margret Eicher keine Beliebigkeit.
Der barocke Wandteppich, erläuterte sie, wurde als Machtsymbol, aber auch als Denkraum, Überzeugungspräsentation und Kommunikationsmittel genutzt. Auch die modernen Medienbilder erheben einen Anspruch auf Macht: Sie geben die Weltsicht vor.
Ihre Bilder sucht Margret Eicher aus den gleichen Themenbereichen wie sie einst in der Barockzeit Gültigkeit hatten: Weltanschauung, Religion, Alltag. Und sie transportiert sie in die barocke Form des Wandteppichs mit seinem dekorativen Rahmen. Doch auch der erfährt eine digitale Bearbeitung: Florale und frukturale Motive werden durchbrochen von Motiven, die mit dem modernen Bildinhalt korrespondieren. Margret Eicher verlangt vom Betrachter ganz genaues Hinschauen. Wer nur einen oberflächlichen Blick auf ihre Bilder wirft, wird getäuscht. Denn die ausgeblichenen Farben und die scheinbar traditionelle Form gaukeln ein einmaliges antikes Stück vor.
Doch es handelt sich um ein Kunstwerk, das "in allen Größen" - so der Titel der Ausstellung im Kaufhaus Klein - reproduzierbar ist, ein computergeneriertes Werk des 21. Jahrhunderts. Und um ihre Botschaft zu verdeutlichen, hat Margret Eicher ihre Tapisserien und ihre "behaupteten Aquarelle", die "Aqua-World"-Bilder in zwei Größen mit nach Burgau in das Kaufhaus Klein gebracht.
Für die Serie "Aqua-World" hat Margret Eicher bewusst einen Begriff aus der modernen Werbewelt gewählt. Die Inhalte, Darstellungen von bekannten, aber artifiziellen Persönlichkeiten wie ET, Lara Croft oder Superstar sind ebenso künstlich wie die Herstellung.
Nichts ist so, wie es scheint.
Die Ausstellung "In allen Größen" von Margret Eicher ist noch bis 18. Dezember im Künstleratelier Kaufhaus Klein in Burgau zu sehen. Mittwoch bis Samstag von 19 bis 22 Uhr und nach Vereinbarung unter (0172) 8302987.
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