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29. August 2008 20:30 Uhr

Röfingerin leistet Entwicklungshilfe in einer bitterarmen Provinz Chinas

Das stärkste Wirtschaftswachstum weltweit, die höchsten Auslandsinvestitionen, die viertgrößte Volkswirtschaft und die drittgrößte Handelsnation der Welt, jüngst Gastgeber organisatorisch perfekter und hochmoderner Olympischer Spiele, pulsierende Metropolen wie Schanghai, Peking oder Hongkong - das ist die eine Seite von China. Von Jürgen Bigelmayr

Die andere, völlig gegensätzliche wird die 24-jährige Röfingerin Eva Federsel demnächst erleben. Sie geht im Rahmen des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes "weltwärts", den das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert, in die südwestchinesische Provinz Yunnan. "Die ländliche Bevölkerung dort ist bitterarm. Eine Familie muss mit einem US-Dollar am Tag auskommen", weiß Federsel von ihrem zweiwöchigen Vorbereitungsseminar, das vom 3. bis zum 16. August in Eckernförde stattfand.

Mit ihr wurden in dem Ostseebad neun weitere Freiwillige (Volunteers) im Alter von 18 bis 25 Jahren aus ganz Deutschland für ihren Einsatz als Entwicklungshelfer in China geschult. Die zehn jungen Deutschen engagieren sich für das Projekt "Baumhaus", das der Norddeutsche Peter Jochimsen und die Chinesin Wei Qian unter dem Dach des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) und des Kieler Vereins "Kinder-, Jugend- und soziale Hilfen" (KJSH) ins Leben gerufen haben.

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Deren Ziel - so erzählt Federsel - sei es, den Kindern in den armen Regionen Chinas eine kostenlose Schulbildung zu ermöglichen. Mit eigenem Geld und Spenden haben Peter Jochimsen und Wei Qian dazu im Autonomen Gebiet Guangxi eine "Baumhausschule" gebaut. Zwei der zehn deutschen Volunteers werden dort eingesetzt. Die acht anderen werden jeweils zu zweit an vier weitere Schulen in der Nachbarprovinz Yunnan geschickt, die das "Baumhausprojekt" unterstützt.

Eva Federsel steht zusammen mit der Rostockerin Maike Sänger ein zehnmonatiger Aufenthalt an der Yuan-Fu-Mittelschule in einer sehr ländlichen, tropischen Berggegend bevor. "Wir beide werden offiziell Assistentinnen des Schulleiters sein", erläutert die Röfingerin. Der Schulleiter sei der einzige studierte und Englisch sprechende Lehrer dort, dessen Kollegen seien schreib- und lesekundige Laien. Diesen Lehrern und den rund 460 Schülern Englisch-Unterricht zu geben, ist dementsprechend Federsels und Sängers "Grundaufgabe".

Daneben "sollen wir uns um die Freizeitgestaltung der Kinder kümmern, bei Problemen helfen und feststellen, wo die Schule der Schuh drückt", so Federsel. Nach zwei Monaten werde Peter Jochimsen vor Ort kommen und mit den beiden Freiwilligen sowie dem Schulleiter die Probleme der Schule besprechen und versuchen, gemeinsam Lösungen dafür zu finden.

Den Fotos zufolge, die Federsel über die Yuan-Fu-Mittelschule erhalten hat, besteht etwa bei den Internatsunterkünften der Schülerinnen und Schüler dringender Handlungsbedarf. "Die Kinder", so erläutert Federsel das entsprechende Bild, "müssen in dem kahlen, barackengleichen Raum auf diesen blanken Holzpritschen schlafen".

Wie die Lehrer und viele der Schüler werden auch Eva Federsel und Maike Sänger an der Schule leben. Die Röfingerin richtet sich auf kärgliche Wohnverhältnisse ein. Genau weiß sie aber nicht, was sie erwartet. Deswegen, so gesteht sie, "ist mir schon ein bisschen mulmig zumute" - auch weil sie, außer einigen Wörtern und Wendungen, die ihr bei dem Vorbereitungsseminar in Eckernförde beigebracht wurden, kein Chinesisch spricht.

Die Freude und Neugier auf das fremde Land, die Menschen dort, ihre andere Kultur und die damit verbundene persönliche Herausforderung überwiege aber, betont Federsel. "Das ist eine große Chance, meinen Horizont zu erweitern; die Erfahrungen, die ich machen werde, werden sicher einmalig sein."

Einmal längere Zeit im Ausland zu verbringen und dabei etwas Sinnvolles, Nützliches zu tun - das sei schon lange ihr Traum. "Aber nach dem Abitur habe ich gleich einen Studienplatz bekommen, und während des Studiums ging es auch nicht, weil ich jobben musste", berichtet die 24-Jährige.

Nun jedoch macht die Diplompädagogik-Studentin, nachdem sie alle Prüfungen bestanden und ihre Diplomarbeit abgegeben hat, ihren Traum wahr. "Jetzt ist wohl die letzte Gelegenheit in der Entwicklungshilfe zu arbeiten, bevor ich ins Berufsleben einsteige ", sagt sie.

Am 15. September fliegt Eva Federsel von Frankfurt aus nach China. Nach der Zeit an "ihrer" Schule in Yunnan bleiben ihr noch zwei Monate, um das "Reich der Mitte" und das Nachbarland Vietnam zu bereisen. Von ihren Erlebnissen in China wird Eva Federsel in einem Blog im Internet unter der Webadresse www.jugend-im-ausland.de berichten.

Spendenkonto: Wer die Entwicklungshilfe-Arbeit Eva Federsels in China unterstützen will, kann dies durch eine Überweisung auf folgendes Konto tun: KJSH e. V. , HypoVereinsbank Kiel, BLZ: 200 300 00, Kontonummer: 70 32 15 62, Betreff: KST 102 0000 8/China/Federsel. Die Deutsch-Chinesische Gesellschaft stellt auf Wunsch eine Spendenquittung aus. "Das Spendengeld wird vollständig für die Yuan-Fu-Mittelschule in Yunnan und deren Schüler verwendet", versichert Eva Federsel.

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