Burtenbach Der Schock bei den 441 Mitarbeitern der Firma Kögel sitzt tief. Die Geschäftsleitung hat gestern Abend mitgeteilt, dass Europas drittgrößter Trailerhersteller den langjährigen Standort Burtenbach aufgeben und die Produktion an einen neuen Standort verlagern wird. Grund: Trotz intensiver Verhandlungen sei es nicht gelungen, Gelände und Gebäude in Burtenbach zu kaufen oder langfristig zu mieten. Von Walter Kaiser

Ende Oktober hatte der Gersthofer Unternehmer Ulrich Humbaur den Kauf der im Sommer 2009 zum zweiten Mal in Insolvenz geratenen Firma Kögel bekannt gegeben. Von den damals 763 Beschäftigten sollten rund 440 in Burtenbach übernommen werden. Im November vergangenen Jahres wurde die Kögel Trailer GmbH & Co. KG in Burtenbach gegründet.
Seit dieser Zeit, so teilte gestern Abend Thomas Heckel, der Vorsitzende der Kögel-Geschäftsführung, mit, habe man sich "in langen Verhandlungen intensivst um die Übernahme des Standortes Burtenbach bemüht." In den Gesprächen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Eigentümerbank Fortis Lease, Jürgen Stronczek, sei sowohl ein Kauf, als auch eine langfristige Miete des Geländes angeboten worden.
Heckel: "Bis heute haben wir aber keine definitive Entscheidung erhalten." Schon in drei Wochen, am 28. Februar, laufe das derzeitige Mietverhältnis aus. "Aus unserer Sicht haben wir bis zur letzten Minute verhandelt, um den Standort Burtenbach mit seinen 441 Mitarbeitern zu erhalten", erklärt Heckel.
"Selbst die Gespräche mit dem Bundestagsabgeordneten für den Landkreis Günzburg und anderen Politikern haben außer zu leeren Versprechungen und Solidaritätsbekundungen zu nichts geführt."
Jetzt sähen sich Geschäftsführung und Gesellschafter gezwungen, "die Reißleine zu ziehen" und Maßnahmen zur Verlagerung der Produktion an einen anderen Standort einzuleiten.
"Übernahme gescheitert"
Zu der derzeitigen Situation sei es gekommen, weil die früheren Kögel-Gesellschafter die Gebäude und das Gelände 2007 an die Fortis Lease veräußert und über eine den Altgesellschaftern gehörende Zwischengesellschaft langfristig zurückgemietet hätten. Da Bank und Altgesellschafter dieses Zwischenmietverhältnis auch nach der Insolvenz aufrechterhalten hätten, sei es dem neuen Investor nicht möglich gewesen, die Produktionsgebäude wie gewünscht sofort zu übernehmen.
Die angestrebte Übernahme zum Ablauf des derzeitigen Mietverhältnisses sei nun ebenfalls gescheitert. "Wir werden wohl oder übel ein neues Werk an einem anderen Standort errichten müssen", erläutert Thomas Heckel. Bis dieser Standort endgültig gefunden und das neue Werk gebaut sei, werde Kögel die gesamte Produktion aus Burtenbach abziehen und vorübergehend in das Humbaur-Werk in Gersthofen und teilweise an weitere Standorte in der Umgebung von Gersthofen verlagern müssen.
"Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich", betont Heckel. "Gerade hatten wir uns darauf vorbereitet, eine neue Schweißlinie in Burtenbach zu errichten, in der langfristig 150 neue Mitarbeiter Beschäftigung gefunden hätten." Auch ein Großteil der derzeit 441 Mitarbeiter werde durch die Produktionsverlagerung zunächst mit zusätzlicher Kurzarbeit rechnen müssen. "Leider werden die Zulieferer in unmittelbarer Umgebung von Burtenbach, und damit weitere rund 400 Beschäftigte, zwangsläufig ebenfalls von der Produktionsverlagerung betroffen sein", so Heckel.
Die Kögel-Belegschaft, so teilt die Geschäftsführung weiter mit, habe "mit Wut über die Altgesellschafter um die Gebrüder Schöller und Graf Metternich auf die Ankündigung der Kögel-Geschäftsleitung, die Produktion verlagern zu müssen", reagiert. Betriebsratsvorsitzender Leo Berger: "Wie wir heute wissen, haben die Altgesellschafter bei der Vergabe der Gebäude noch immer ein Veto-Recht. Offensichtlich sind die gleichen Gesellschafter, die die Kögel Fahrzeugwerke GmbH in die Insolvenz getrieben haben, weil sie unter anderem allein 2007 rund 57 Millionen Euro aus dem Unternehmen gezogen haben, nun dabei, mit ihrer Blockadehaltung die verbliebenen Arbeitsplätze in Burtenbach zu gefährden. Durch die Insolvenz wurden schon 240 Mitarbeiter entlassen, jetzt stehen auch die verbliebenen Beschäftigten kurz vor der Katastrophe."
Betriebsrat und Belegschaft hätten den neuen Investor und die neue Kögel-Geschäftsführung nach Kräften unterstützt, um den Geschäftsbetrieb nach der Insolvenz wieder in geregelte Bahnen zu bringen. "Jetzt müssen wir erleben, dass Banken und Altgesellschafter weiterhin auf dem Rücken der Belegschaft ihre Spielchen spielen."
Kögel werde seinen Kunden auch weiter das gesamte Produktprogramm anbieten können. Die Endmontage-Linie werde im Humbaur-Werk in Gersthofen installiert, die Beschichtung und die Schweißerei werde vorübergehend an andere Standorte verlagert. "Wir können auch künftig alle bisherigen und alle neuen Aufträge in Kögel-Qualität erfüllen", betont Heckel.
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