Dienstag, 31. Mai 2016

21. November 2013 11:30 Uhr

BKH Günzburg

Sonderstellung

Der Neubau der Forensik markiert einen Meilenstein für das Bezirkskrankenhaus Günzburg. Von Georg Schalk

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Am Samstag ist von 9.30 bis 14 Uhr Tag der offenen Tür, gestern war Einweihung der neuen forensischen Klinik am Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg: (von links) Bezirkstagspräsident und Verwaltungsratsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben Jürgen Reichert, Oberbürgermeister Gerhard Jauernig, Prof. Thomas Becker (Leitender Ärztlicher Direktor am BKH), Ärztliche Direktorin Prof. Manuela Dudeck, ihr Vorgänger Dr. Ernst Baljer, Thomas Düll (Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben), Karl-Heinz Arians (Leitender Ministerialrat im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration), Bezirksrätin Stephanie Denzler, Architekt Martin Feldengut (Bezirksbau & Service GmbH) und Landtagsabgeordneter Dr. Hans Reichhart.
Foto: Bernhard Weizenegger

 Es war ein außergewöhnliches Bild: Bei der Einweihungsfeier für den Neubau der Forensischen Klinik standen gestern fünf Patienten aus dem Maßregelvollzug auf der Bühne und sangen: „Über sieben Brücken muss du gehn.“ Es sind fünf Menschen, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen straffällig geworden sind und im Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg behandelt werden. Die Therapie gelingt offensichtlich so gut, dass sie sich trauen, in die Öffentlichkeit zu gehen und vor großer Runde im voll besetzten Festsaal des BKH ein Lied zum Besten geben. Die Ärztliche Direktorin Professor Manuela Dudeck war stolz und begeistert.

Die Forensik – ein Feld, das in der Öffentlichkeit spätestens seit dem Fall Mollath eher negativ besetzt ist. Ein Bereich, der auch in Günzburg in manchen Teilen der Bevölkerung „auf fundamentalen Widerstand“ (Vorstandsvorsitzender Thomas Düll) gestoßen ist, als es um die Suche nach einem geeigneten Standort für den Neubau der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie ging. Auch Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert kennt das Spannungsfeld „zwischen den Anforderungen der therapeutischen Bedingungen und dem berechtigten Interesse der Bevölkerung nach Sicherheit“. Es müsse die richtige Balance gefunden werden. Dazu gehöre, dass sich Mitarbeiter und Patienten wohlfühlten. Schließlich gelte es, so der Verwaltungsratsvorsitzende der Bezirkskliniken, beim Heilungs- und Gesundungsprozess weiterzukommen. Reichert: „Für manche Menschen, die dort rein dürfen oder müssen, ist es eine Chance.“ In Fachkreisen genieße die Forensik in Günzburg einen guten Ruf, sagte er. Der Neubau und die Besetzung der Klinikleitung durch Professor Manuela Dudeck – „eine ausgewiesene Fachfrau“ – bedeuteten eine hervorragende Weiterentwicklung dieser Sonderstellung. Reichert betonte die hervorragende länderübergreifende Zusammenarbeit mit der Uni Ulm. „Dass ein Lehrstuhl für die forensische Psychiatrie an der Uni Ulm mit Sitz in Günzburg geschaffen wurde, ist zukunftsorientiert und macht den Stellenwert aus“, sagte der Bezirkstagspräsident.

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Professor Thomas Wirth, Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Ulm, unterstrich das Alleinstellungsmerkmal, einen Lehrstuhl für diesen Themenbereich geschaffen zu haben und die Inhaberin gleichzeitig mit der Leitung der Klinik zu beauftragen. „Wir erwarten uns Synergien mit den Kollegen vor Ort“, so Wirth. Oberbürgermeister Gerhard Jauernig ist sich sicher, dass Günzburg vom Neubau profitiert. Das BKH sei mit knapp 1400 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Stadt. Die Klinik genieße großes wissenschaftliches Renommee. Karl-Heinz Arians vom bayerischen Sozialministerium dankte den Mitarbeitern für ihre aufopfernde Arbeit. Leitender Ärztlicher Direktor Professor Thomas Becker stellte fest, dass es gelungen sei, den „Freiheitsgedanken“, der im Heilungsbemühen stecke, in den neuen Bau zu integrieren. „Bei der Besichtigung sah ich keinen Stacheldraht, sondern viel Licht“, so Becker.

Zahlreiche Redner lobte die Vorarbeit von Dr. Ernst Baljer, dem ehemaligen Leiter der Forensik. Pfarrerin Ulrike Berlin freut sich, dass im Klinikneubau ein Meditationsraum geschaffen wurde, den die evangelische und katholische Kirche finanziell gefördert hätten. Klinikseelsorger Dr. Hermann Wohlgschaft berichtete vor der Segnung, dass er im Maßregelvollzug Patienten begegnet sei, „die ich im Leben nicht vergessen werde“: Menschen mit äußerst tragischen Schicksalen, die viel Einfühlungsvermögen und menschliche Zuwendung benötigten. »Bayern

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