Freitag, 21. Juli 2017

04. September 2014 07:32 Uhr

Leipheim

Über Flieger

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein ... Ja, schon. Aber Fliegen ist auch ganz schön anspruchsvoll, wie unsere Reporterin in Leipheim erfahren hat. Von Manuela Antosch

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Und diese Dose kann fliegen? Oder noch schlimmer: Ich soll in dieser Dose fliegen? Vor mir steht die Tecnam P92, ein Ultraleichtflugzeug. Ich nenne es von nun an liebevoll Dose. Die Dose glänzt zwar schön, macht aber sonst nicht gerade einen vertrauenerweckenden Eindruck: Sie ist gerade mal 6,4 Meter lang, 9,3 Meter breit und nur 280 Kilogramm schwer. Ultraleicht eben. Die soll mich durch die Luft tragen? Na gut, Dietmar Weiß wird es schon wissen. Er ist der Vorsitzende der Leipheimer Sportflieger, Fluglehrer, war schon mehr als 1700 Stunden in der Luft – und ist immer auch heil gelandet. Das wird ja dann hoffentlich auch so sein, wenn ich mich heute ans Steuer setze. Also an eines der Steuer, denn das Schulflugzeug hat zwei, eines für den Lehrer und eines für den Schüler.

Also einsteigen. Ich stoße mir gleich mal den Kopf an. Doch als ich sitze, staune ich: Die Dose ist innen größer als gedacht. Meine Beine sind sogar zu kurz, ich komme nicht einmal an die Pedale. Weiß steckt mir ein dickes Schaumstoffkissen hinter den Rücken. Jetzt kann’s losgehen.

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Oder doch noch nicht. Fliegen hat viel mit Sicherheit zu tun. Deshalb muss man alles besser einmal zu viel prüfen. Vor dem Einsteigen hat Jungpilot Andreas Garhammer schon mit mir das Flugzeug überprüft. Ist genügend Öl drin, sitzen Kabel und Zündkerzen fest, sind Flügel, Klappen und Räder stabil? Der 19-Jährige ist zufrieden. Ich finde, dass das Stahlrohrgerüst mit Aluminiumrumpf und -flügeln sich schon ein bisschen wackelig anfühlt. „In der Luft ist das alles fest“, versichert Dietmar Weiß.

Er setzt mit mir den Test im Inneren des Flugzeugs fort. Dafür gibt es eine Checkliste mit 25 Punkten. Parkbremse gesetzt, Türen verriegelt, Sitzposition eingestellt, Gurte angelegt. So geht es los. Dann kommt das Instrumentenbrett dran. So viele Schalter, Knöpfe, Hebel, Anzeigen – da könnte man schon ein wenig überfordert sein. Weiß meint: Eigentlich muss ich mir erst mal nur fünf Instrumente merken. Fahrtmesser, Höhenmesser, Drehzahlmesser, Gashebel und Tankanzeige. Nur fünf. Na dann.

Jetzt sind wir also endlich bereit. Klappen in die Startstellung, Benzinpumpe ein, zügig Vollgas geben. Mein „zügig“ ist dem Fluglehrer anscheinend zu zögerlich. Er drückt den Gashebel selbst – und schon sind wir in der Luft. Das ging schnell. Wir steigen.

Bald sind wir mehr als 1000 Meter über dem Boden und 140 Stundenkilometer schnell. Jetzt können wir Kurven üben. Theoretisch habe ich es schon am Boden gelernt: Die Querruder an den Flügeln sind für die Querlage zuständig, man bewegt sie über den Steuerknüppel. Das Seitenruder steuert die Richtung, es wird über zwei Pedale bewegt. Um eine saubere Linkskurve zu fliegen, muss ich also gleichzeitig das linke Pedal treten und den Knüppel nach links bewegen ... Oh, das Flugzeug kippt sofort nach links, ich sehe den Boden und kann mir ein kurzes „Waah“ nicht verkneifen. Nach ein paar Mal klappt es aber schon besser und mir macht die Schräglage nichts mehr aus. Dafür habe ich völlig die Orientierung verloren. Aber die Autobahn und die Donau sind gute Anhaltspunkte. Ich erkenne das Legoland, Firmen, Schlösser, Kirchen, den Fußballgolf- und den Campingplatz in Leipheim.

Aber das Vertrauen in die Dose ist noch nicht ganz da. Das merkt Dietmar Weiß und stellt kurzerhand den Motor ab. Plötzlich ist es still. Kein Ruckeln und kein Rattern mehr. Der Flieger gleitet durch die Luft. Ein mulmiges Gefühl. Ich fühle mich so freischwebend. „Auch wenn der Motor aus ist, lässt sich das Flugzeug ganz leicht steuern“, sagt Weiß. Außerdem hat die Dose auch noch ein sogenanntes Gesamtrettungssystem, das in Deutschland für die Ultraleichtklasse vorgeschrieben ist: Im Notfall schwebt das Flugzeug dann samt Besatzung an einem Rettungsfallschirm nach unten. Den roten Griff im Cockpit musste Weiß aber noch nie ziehen. „Ich bringe das Flugzeug eigentlich in jeder Situation sicher runter“, sagt er selbstbewusst.

Das kann er ja jetzt beweisen. Die Landung steht an. Klappen ausfahren, Benzinpumpe ein, Gas wegnehmen. Und auf den Mittelstreifen der Landebahn zielen. Die Landung übernimmt mein Fluglehrer fast komplett. Das hätte ich mir auch wirklich noch nicht zugetraut. 38 Minuten waren wir nur in der Luft. 38 Minuten Anspannung und Konzentration. Mir kam es viel länger vor.

Wie ich mich angestellt habe, frage ich, als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen habe. Weiß überlegt kurz. „Für die erste Stunde normal“, sagt er freundlich. „Vielleicht etwas zaghaft.“ Und er fügt aufmunternd hinzu: „Irgendwann kommt die Routine. Dann kann man auch genießen.“

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Ein Artikel von
Manuela Bauer

Augsburger Allgemeine Land
Ressort: Lokalnachrichten


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