Vor 25 Jahren hat Chorleiter Jürgen Rettenmaier die Camerata Vocale Günzburg gegründet

Günzburg Von klein an trug er Rhythmus im Herzen, floss Melodie in seinen Adern und im Blut hatte er Musik. Jürgen Rettenmaiers Weg führte vom niedlichen Trompeterbuben zum Gründer und Leiter des A-cappella-Chores Camerata Vocale Günzburg, den er im Lauf von 25 Jahren seinen hohen Zielsetzungen gemäß formte und zu einem Vokalensemble von nachhaltiger Substanz und überregionaler Bedeutung führte.
Langer Atem verhalf ihm schon als Schuljunge zu großen Tönen auf Klarinette und Saxofon im Blasorchester seiner württembergischen Heimatgemeinde nahe Bad Rappenau. Mit 15 Jahren bereits leitete er einen gemischten Jugend- und Männerchor, absolvierte eine zweijährige Chorleiterausbildung, belegte, als Studiosus an der Musikhochschule Heidelberg-Mannheim, neben Schulmusik auch Musikwissenschaft, betätigte sich nebenher selbstverständlich als Chorleiter und übernahm in einer Kölner Kantorei ein Projekt mit einem Chor von „etwas gehobenem Niveau“, bei dem er die „eigentliche Praxis“ des chorischen Dirigierens durchlief.
Kunst, interpretiert er, müsse sich am Ideal ausrichten, das zwar nie verwirklicht werden kann, nichtsdestoweniger aber angestrebt werden muss. „Wenn ich die Herzen der Zuhörer nicht erreiche, habe ich versagt!“
1987, Jürgen Rettenmaier war seit zwei Jahren Musiklehrer am St. Thomas-Gymnasium Wettenhausen, gründete er, größtenteils aus Mitgliedern der gymnasialen Chorschule, die Camerata Vocale Günzburg, einen A-cappella-Chor. „Geistliche Musik zur Fastenzeit“ war offensichtlich genau das Richtige als Einstieg für die zehn- bis 15-jährige Sängerschar. Sie zeigte sich begeistert. Trug diese Hochstimmung schon ein Jahr später mit zu einer ersten Konzertreise nach Spanien, einem Choraustausch mit Jugendlichen. Weitere Reisen und Tourneen, mit einer breit gefächert anspruchsvollen Chorliteratur quer durch alle Stil- und Klangepochen, vom Mittelalter bis in die Neuzeit, sollten im Laufe der Jahre folgen: Budapest, Pécs, Amsterdam, Salzburg, St. Petersburg, Rom und andere.
Für die jährlich bis zu drei Projekte stehen jeweils drei Probenwochenenden mit je 16 knochenharten Arbeitsstunden an. Mehr als 200 Konzerte mit weit über 1000 kleineren und größeren Chorwerken kamen in zweieinhalb Jahrzehnten zur Aufführung. Weltlich Konzertantes und liturgisch Gebrauchsfähiges.
Bisheriges Highlight: Die in der Dillinger Basilika live aufgezeichnete „Marienvesper“ von Monteverdi. Ausersehen als Geschenk für Papst Benedikt zu seinem 80. Geburtstag. Bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz am 5. September 2007 überreicht von Lisa Lutz, der Vereinsvorsitzenden, die allerdings, nach einigen vergeblichen Versuchen, ihr Amt nun endgültig in jüngere Hände übertragen will.
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