Sonntag, 25. Februar 2018

02. Februar 2018 20:01 Uhr

Landkreis Günzburg

Zahl der Rettungseinsätze steigt stark an

Der bayernweite Trend spiegelt sich in der Bilanz der Integrierten Leitstelle Donau-Iller. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit einem tatsächlichen Anstieg der Notfälle.

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Leitstellenleiter Reiner Wolf, Landrat Hubert Hafner, Julia Lindner, Geschäftsführerin des Zweckverbands für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung (ZRF), Andreas Estermeier, Teamleiter Integrierte Leitstellen beim BRK und Margit Bendele, stellvertretende Geschäftsführerin des ZRF (von links) zogen in den Räumen der Integrierten Leitstelle Donau-Iller Bilanz.
Foto: Stefan Reinbold

Die Rettungskräfte im Bereich der Integrierten Leitstelle Donau-Iller (ILS), zu dem die Landkreise Günzburg, Neu-Ulm, Unterallgäu und die kreisfreie Stadt Memmingen zählen, haben alle Hände voll zu tun. Allein die Feuerwehren rückten im vergangenen Jahr zu rund 4300 Einsätzen aus. Die Fahrzeuge des Rettungsdienstes wurden etwa 83.500 Mal zu Einsätzen gerufen. 422 Mal startete einer von drei Rettungshubschraubern, die in Ulm, Augsburg und Kempten stationiert sind. 140 Mal wurde das Kriseninterventionsteam gebraucht.

Was beim Blick auf die nackten Bilanzen hängen bleibt, ist, die Zahl der Einsätze wächst kontinuierlich. Bayernweit stieg sie in den vergangenen Jahren um 54 Prozent. Mit der Einwohnerentwicklung Bayerns lässt sich diese Entwicklung kaum erklären, wie Andreas Estermeier von der Landesgeschäftsstelle des BRK bei einem Pressetermin in der Leitstelle in Krumbach betont. Mehrere Ursachen seien dafür ins Feld zu führen.

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Um sicher zu gehen, wählen die Patienten lieber den Notruf

Ein Grund sei sicherlich das Anspruchsdenken, das sich in der Gesellschaft zunehmend breitmacht, sagt Estermeier, was sich jedoch nicht mit Zahlenmaterial belegen lässt. Eher handelt es sich um ein Eindruck, der die Erfahrungen der Einsatzkräfte widerspiegelt. Ein weiterer Grund seien „die als unzureichend empfundene Versorgung mit Hausärzten“ aber auch Klinikschließungen. Vielfach sei den Menschen darüber hinaus nicht klar, dass für den ärztlichen Bereitschaftsdienst eine eigene Telefonnummer existiert: die 116117.

Diese Nummer sollten Patienten immer dann wählen, wenn sie Beschwerden haben, mit denen sie zu normalen Tages- und Wochenzeiten zum Hausarzt gegangen wären. Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeige auch: Vielen Menschen fällt es zunehmend schwer, Symptome zutreffend zu deuten und zu beurteilen, ob es sich nun um einen ernsthaften Notfall handle oder nicht. „Dr. google“ leiste dazu einen nicht unerheblichen Beitrag. „Wenn jemand diffuse Bauchschmerzen hat, kann das natürlich eine schwerwiegende Erkrankung sein“, sagt Estermeier, „aber es kann sich auch um Verdauungsbeschwerden handeln.“ Um sicher zu gehen, wählen die Patienten dann lieber den Notruf. In der Regel liegt es dann an den Disponenten in der Leitstelle, zu beurteilen, ob es sich tatsächlich um einen Notfall handelt oder ob der Anrufer an den ärztlichen Bereitschaftsdienst weitergeleitet werden kann. Im Gegenzug vermittle die Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung die für die Koordinierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes zuständig und unter der 116117 zu erreichen ist, fehlgelaufene Notrufe an die Leitstelle. Im Zweifelsfall rückt dann doch eher ein Rettungswagen aus.

Um zumindest diesem Problem zu begegnen, will Estermeier den Unterschied zwischen der Telefonnummer 116117 und dem Notruf 112 noch deutlicher in der Bevölkerung bewusst machen.

Im Gegensatz zu dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, der dazu rät, für beide Anlaufstellen nur noch eine Telefonnummer anzubieten, fordert das Bayerische Rote Kreuz aber, beide Telefonnummern beizubehalten. „Es gibt sonst keine Filtermöglichkeit mehr für die Leitstelle“, sagt Estermeier. Man sehe der eingehenden Telefonnummer ja nicht an, ob sich dahinter ein lebensbedrohlicher Notfall oder nur eine fiebrige Erkältung verberge. Arbeitsmangel herrscht in der Leitstelle jedenfalls nicht. „Vor allem in Katastrophensituationen laufen unsere Leitungen über.“ Zusätzliche Anrufer würden dann die Kapazitätsgrenzen vollends überschreiten.

Unter jährlich 132 000 Anrufen sind rund 40 000 Irrläufer

Unter den jährlich etwa 132000 Anrufen, die in der ILS Donau-Iller eingehen – rund 300 täglich –, sind bereits jetzt mehr als 40000 Irrläufer. Da erkundigen sich Menschen etwa nach den Öffnungszeiten von Apotheken oder des Supermarkts um die Ecke oder das Handy macht sich in der Hosentasche selbstständig und meldet sich zu einem stillen Gruß in der Leitstelle. Diese „Hosentaschenanrufe“ häufen sich in den vergangenen Jahren.

Nach wie vor erreichen viele Anrufer die Leitstelle auch über den alten Rettungsnotruf 19222. Auch das spricht Estermeier zufolge dafür, die Notrufnummern nicht zu häufig zu wechseln.

Aufräumen möchte Estermeier mit dem „Irrglauben“, dass wer mit dem Rettungsdienst in eine Notaufnahme gebracht wird, schneller behandelt werde. Selbstverständlich werde in der Notaufnahme nach medizinischen Gesichtspunkten beurteilt, wer eher behandelt werden muss. Der Patient mit dem Herzinfarkt, der es gerade noch schafft, privat in die Notaufnahme zu gelangen, werde natürlich schneller behandelt als der Patient mit dem Unterschenkelbruch, der vom Rettungsdienst angeliefert wird und mit stabilem Kreislauf und einem Schmerzmittel intus durchaus noch ein bisschen warten könne.

Erfreulich sei, dass im Jahr 2017 mehr als 100 Wiederbelebungen von Disponenten der ILS Donau-Iller am Telefon eingeleitet und begleitet und somit die Überlebenschancen der Betroffenen deutlich erhöht werden konnten. Ein Beispiel für die große Leistung und Verantwortung der Mitarbeiter der Leitstelle.

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Stefan Reinbold

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