Günzburg Ein Auto gemeinschaftlich nutzen und damit für Entlastung im Straßenverkehr sorgen: Funktioniert so etwas auch in einem ländlichen Raum wie Günzburg? Ja, glauben Stadt, Volkshochschule und die Lokale Agenda 21. Aus diesem Grund starten sie jetzt die Initiative "Car-Sharing". Sollten sich mindestens 20 "echte" Interessenten dafür begeistern, wird das Modell im Herbst in Günzburg eingeführt. Von Georg Schalk

Das Car-Sharing (englisch car = "Auto", to share = "teilen") ist die organisierte gemeinschaftliche Nutzung eines oder mehrerer Autos. "Es hat deutschlandweit im letzten Jahr einen Zuwachs von unglaublichen 18 Prozent erzielt", stellt Oberbürgermeister Gerhard Jauernig fest. Kein Wunder, so der Rathauschef, sei doch die Liste der Vorteile lang: Menschen, die das Car-Sharing nutzen, hätten keine Anschaffungskosten für ein Auto, der Unterhalt werde umgelegt, es gebe keine Kosten für Wartung, TÜV oder Reifenwechsel, die zur Verfügung stehende Fahrzeugflotte sei stets auf dem neuesten Stand und - vielleicht das wichtigste Argument - die Umwelt werde geschont. "15 bis 20 Nutzer teilen sich in der Regel ein Auto", weiß Jauernig. Sonst würden Privat-Pkw durchschnittlich weniger als eine Stunde pro Tag genutzt. Die restlichen 23 Stunden blockierten sie wertvolle Flächen.
Es gibt auch Nachteile, die der OB nicht verschweigt. Es seien aber lediglich zwei, so Jauernig: "Die Unabhängigkeit ist eingeschränkt. Und für Berufspendler rentiert sich das Modell kaum."
Aus Sicht der Stadt sei das Car-Sharing ein interessantes Modell, meinte der OB. Man wolle nun den Bedarf ausloten und mögliche Nutzer zu einem Informationsabend einladen. Ein Betreiber aus Ulm steht auch schon bereit: Es ist die Firma "Confitech" Dienstleistungs GmbH. Geschäftsführer Joachim Vogt berichtet, dass es das Car-Sharing im Raum Ulm/Neu-Ulm seit März 2006 gibt. Etwa 120 Kunden nehmen es inzwischen in Anspruch. "Ab Juli stehen ihnen zwölf Fahrzeuge zur Verfügung", so Vogt.
Car-Sharing sei keine Konkurrenz zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) - ganz im Gegenteil: "Wer aufs Auto verzichtet, nützt häufiger den ÖPNV oder das Taxi", sagt Alexander Besdetko vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Nach Aussage der Umweltfachkraft Christine Hengeler hat die Firma BBS Brandner starkes Interesse an der Einführung des Modells in Günzburg bekundet. "Gerade für ältere Menschen ist das Car-Sharing interessant", glaubt Petra Demmel (Volkshochschule).
Wer sich für das "Car-Sharing" interessiert und weitere Informationen haben möchte, kann sich mit der Umweltfachkraft der Stadt Günzburg, Christine Hengeler, in Verbindung setzen. Telefon (08221) 903 196, Mail: Hengeler@rathaus.guenzburg.de am Dienstag, 20. Oktober, findet im "Haus der Bildung" (Dossenbergerhaus) zu diesem Thema eine Informationsveranstaltung statt.
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