Illertissen/Memmingen Der Gammelfleisch-Skandal von Illertissen hatte seit 2006 für bundesweites Aufsehen gesorgt. Am morgigen Dienstag beginnt nun - nach langer Wartezeit - der Prozess gegen den ehemaligen Kühlhaus-Geschäftsführer. Er soll, so die Staatsanwaltschaft in 15 von 33 ermittelten Fällen, genussuntaugliches Fleisch an Lebensmittelbetriebe zur Weiterverarbeitung verkauft haben. Von Wolfgang Kahler


Die Vorfälle kamen ans Licht, als bei einer Kontrolle des Veterinäramtes im Februar 2006 in den Kühlhallen der damaligen Kollmer GmbH noch Lieferungen von knapp 118 000 Kilogramm sichergestellt wurden.
Schlund, Saum und Baaderfleisch nicht zum Verzehr geeignet
Bei dem Fleisch handelte es sich um sogenanntes K 3-Material, also Schlachtabfälle wie Schlund, Saum oder Baaderfleisch von Rindern und Schweinen einer dänischen Firma. Dieses Material ist nicht zum menschlichen Verzehr geeignet und muss deklariert werden.
Laut Anklage geht es um eine Gesamtmenge von knapp 700 000 Kilogramm, die von der Deggendorfer Frost GmbH an den Illertisser Kühlhausbetreiber geliefert wurde. Von diesem K 3-Material wiederum soll der Angeklagte bereits 2004 15 Lieferungen mit etwa 313 000 Kilogramm entweder direkt oder über Zwischenhändler an Lebensmittelbetriebe weiter verkauft haben.
Und hier setzt der strafrechtliche Tatbestand ein: Der Beschuldigte habe den Abnehmern gegenüber die Eignung der Ware für die Lebensmittelherstellung vorgetäuscht und deren K 3-Status bewusst verschwiegen. Eine Kennzeichnung, wie laut EU-Vorschrift erforderlich, sei "gezielt" nicht erfolgt, um deren tatsächliche Eigenschaft zu verschleiern, wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann vor.
Die Käufer bezahlten für die Ware etwa 225 000 Euro. Hätten sie von der tatsächlichen Qualität des Fleisches Kenntnis gehabt, hätten sie diese Ware wohl nicht gekauft. Das Gammelfleisch wurde dann aber tatsächlich zu Lebensmitteln verarbeitet. Dem Angeklagten wird nun vorgeworfen, er habe sich mit wiederholten Verkäufen von solchem K 3-Material als Lebensmittel eine dauerhafte Einnahmequelle von erheblichem Umfang schaffen wollen.
Der Gammelfleisch-Skandal, der mit den Vorgängen in der Kollmer-Tochter Frost GmbH in Deggendorf in Zusammenhang steht, hatte 2007 auch zu einem Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags geführt. Dem Kühlhaus Kollmer, später umfirmiert zur Rothtal-Frost war Anfang 2007 von der Regierung die EU-Zulassung für den Fleischbetrieb entzogen worden.
Im selben Jahr kam es auf dem Betriebsgelände der Illertisser Firma zu einem Großbrand mit Millionenschaden, der mehrere Lagerhallen zerstörte. Die Ursache konnte bei den Ermittlungen nicht eindeutig geklärt werden, vermutet wurde aber ein technischer Defekt.
Der Prozess ist auf sechs Verhandlungstage angesetzt, 20 in- und ausländische Zeugen sind zum Verfahren geladen. Dr. Ingo Hoffmann, der Neu-Ulmer Anwalt des Beschuldigten hatte den Anklagevorwürfen der Memminger Staatsanwaltschaft widersprochen und bestritt die Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz und die Betrugsvorwürfe.
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