Babenhausen Wenn man in Altenstadt von der Autobahn A7 abfährt, um nach Babenhausen zu gelangen, hat man als Ortsunkundiger ein Problem: Kein Schild macht auf Babenhausen aufmerksam. Diese Erfahrung machte gestern Dr. Paul Wengert, wirtschafts- und verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. "Aufgrund fehlender Beschilderung habe ich den Fuggermarkt erst über einen Umweg nach Buch erreicht", entschuldigte er seine Verspätung zum Weißwurst-Frühschoppen des SPD-Ortsvereins Babenhausen. Der Weg zu einer rund 12 000 Einwohner zählenden Verwaltungsgemeinschaft sollte besser beschildert werden, regte er deshalb an, ehe er rund 20 Interessierte mit auf einen bundespolitischen Streifzug nahm.

Nachdem es bei den Bundestagswahlen am 27. September 2009 zum "Wunschbündnis" gekommen sei, könnten sich die CDU/CSU und die FDP auch nach fast einem Jahr nicht einigen, wie sie die zentralen Fragen im Staat lösen wollen, kritisierte er die schwarz-gelbe Koalition. Deren Sparpaket offenbare Planlosigkeit, wetterte er. Viele Maßnahmen gingen zulasten der Kommunalfinanzierung.
Einen kritischen Blick warf Dr. Wengert in den Bundeshaushalt: "Die Kleinen werden gerupft und die Großen lässt man laufen." Es dürfe nicht sein, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffne. In Bayern sei während der zurückliegenden Jahre das Einkommen aus Vermögen gestiegen, gleichzeitig aber die Lohnquote gesunken. Das Armutsrisiko betreffe vor allem Alleinerziehende mit Kindern, so der Landtagsabgeordnete.
Außerdem sei der Anteil untypischer Beschäftigungsverhältnisse wie Zeitarbeit und Niedriglöhne gestiegen. Während noch vor rund 20 Jahren 81 Prozent aller Arbeitsplätze unbefristet sowie in Tarifverträge eingebunden waren, betrage diese Quote derzeit nur noch 51 Prozent.
Die auch in der Region zunehmende Beschäftigung von Leih- und Zeitarbeit mache ihr Sorgen, erklärte auch SPD-Ortsvorsitzende Karin Steck: "Welche Möglichkeiten haben wir, diesem Missstand entgegen zu wirken?" Landtagsabgeordneter Dr. Wengert riet, sich an betroffene Firmen zu wenden sowie die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften zu suchen. Die im ländlichen Raum geradezu aus dem Boden schießenden Spielotheken sind Markträtin Steck ebenfalls ein Dorn im Auge. Diesbezüglich habe sie schon einen Antrag an den Landtag gestellt.
Stellvertretender Bürgermeister Dr. Thomas Held sprach - im Hinblick auf den anstehenden Verkauf des Medizinischen Versorgungszentrums - die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum an. Die SPD halte am Prinzip der solidarischen Krankenversicherung fest und unterstütze das Hausarztmodell, so Wengert dazu: "Da heutzutage jeder Bürger hoch medizinisch versorgt werden möchte, sollte man fragen, ob sich manches Klinik-Defizit rechtfertigt, anstatt sich gleich nach privaten Betreibern umzusehen." (clb)
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