Vöhringen Der Abschied fällt nicht leicht, wenngleich Elke Friedrich auch die Zusammenführung der evangelischen und katholischen Stadtbücherei für gut hält. Sie nennt das „sinnvoll, weil man Synergieeffekte nutzen kann.“ Und dennoch bleibt ein Stück Herz und vielleicht auch ein bisschen Wehmut zurück. 30 Jahre hat sie zusammen mit Kirsten Rüger der Bücherei und damit den Lesern gedient. Sie hat nicht nur den Betrieb der Ausleihen abgewickelt, sondern auch neue Literatur beschafft, wobei die beiden Frauen selbstständig die Entscheidung treffen konnten, was an Neuem in den Regalen stehen soll.
Einen Bücherbestand gab es in der evangelischen Gemeinde schon 1963. Standort war der Turm der Martin-Luther-Kirche. Doch die Bücherei schlummerte bis 1981 vor sich hin. Dann wurde zwischen der evangelischen wie katholischen Gemeinde und unter Federführung des damaligen Bürgermeisters und heutigen Landrats Erich Josef Geßner ein Vertrag geschlossen, der auch die finanzielle städtische Unterstützung regelte. So flossen zuletzt der katholischen Bücherei jährlich 5400 Euro an finanzieller Hilfe zu, der evangelischen Einrichtung 3200 Euro.
Jede Bücherei war eigenständig, aber unter kirchlicher Obhut. Rückblickend stellt Elke Friedrich fest, „dass die Stadt trotz schlechter Zeiten erfreulicherweise nie bei den Büchereien gespart hat.“ Ein Faktum, für das man dankbar sei. Während die katholische Bücherei im Josef-Cardijn-Haus ihren festen Platz hatte, erhielt die evangelische Bibliothek neue, großzügig bemessene Räume nach dem Umbau des Gemeindehauses im Untergeschoss des Gebäudes.
Bestand an Lesestoff wächst durch Zusammenschluss
Waren es zu Beginn rund 1000 Bände, die zum Ausleihen zur Verfügung standen, so sind es jetzt weit über 9000 Bücher, die die Regale füllen. „Es ist ein wunderbarer Raum“, freuen sich Elke Friedrich und Kirsten Rüger, wenngleich sie auch wissen, dass sie davon Abschied nehmen müssen. Denn zum 1. Januar gibt es nur noch eine Stadtbücherei, die bis auf Weiteres im Josef-Cardijn-Haus bleibt. Aber nach der Zusammenlegung beider Büchereien wächst selbstredend auch der Bücherbestand. Leiterin der neuen Stadtbücherei ist Lidwina Kling, die mit sehr viel Engagement schon sei einigen Jahren die Bücherei der katholischen Gemeinde geführt hat.
Elke Friedrich und Kirsten Rüger haben ihre Arbeit nicht nur akribisch, sondern auch ehrenamtlich geleistet. „Bücher sind ein hohes Kulturgut und durch nichts zu ersetzen“, unterstreicht Elke Friedrich die Bedeutung des Buches. Allerdings schränkt sie diese Aussage insofern ein, „dass das Internet durchaus hilfreich bei Recherchen ist und die Neuen Medien eine nützliche Ergänzung sind.“
Die evangelische Bücherei hat einen festen Leserstamm. Und so war die Bibliothek oft ein Kommunikationspunkt. „Es gab Gespräche, die über das Buch hinausgingen“, sagt Elke Friedrich. Man lachte zusammen und nahm Anteil an den Sorgen des anderen. Was jetzt beide Frauen bewegt, ist die Frage nach geeigneten Räumlichkeiten für die jetzt größere Bücherei.
Zunächst einmal aber bleibt die Bibliothek im Josef-Cardijn-Haus. Für Elke Friedrich ist es wichtig, dass sich eine Bücherei entsprechend präsentieren kann. „Eine Bücherei ist auch ein Aushängeschild für die Stadt.“