Samstag, 25. November 2017

19. Juni 2017 18:00 Uhr

Ulm/Neu-Ulm

Der Bettenboom und seine Grenzen

Neueröffnungen und kein Ende in Sicht: In Ulm und Neu-Ulm wird viel Geld in Hotels investiert. Die Nachfrage ist groß – doch der Konkurrenzdruck macht manche unruhig.

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Die Zahl der Hotelbetten ist in Ulm und Neu-Ulm in den vergangenen Jahren stark gestiegen – und wird weiter steigen. Der Konkurrenzdruck wächst mit.
Foto: Symbolfoto: Oliver Berg, dpa

Manchmal gehen Wünsche auch in Erfüllung. Noch nicht einmal zehn Jahre ist es her, da hatte Wolfgang Dieterich, Geschäftsführer der Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH (UNT), noch Grund zur Klage: Es gebe zu wenig Übernachtungsmöglichkeiten in der Doppelstadt. Heute kann er sich darüber nicht mehr beschweren. „Es tut sich etwas“, sagt Dieterich. Und: Es hat sich bereits einiges getan. So viel, dass manche Branchenkenner schon unken, dass der Bedarf bald mehr als gedeckt ist.

Die Zahlen der Statistischen Landesämter aus Bayern und Baden-Württemberg zeigen die Entwicklung deutlich: Nachdem zwischen der Jahrtausendwende und 2009 die Anzahl der Betten in der Doppelstadt zwischen 3200 und 3600 schwankte, zeigt die Kurve seit 2010, als ein Wert von 3680 erreicht wurde, steil nach oben. Für 2016 verzeichnet die Statistik 4616 Betten. Tatsächlich sind es sogar noch ein paar mehr: Erst ab zehn Betten und mehr müssen gewerbliche Übernachtungsbetriebe Meldung an die Landesämter machen. Wichtige Neueröffnungen in den vergangenen Jahren waren das Riku-Hotel an der Augsburger Straße in Neu-Ulm (2012) und das B&B-Hotel am Ehinger Tor in Ulm (2013).

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Und damit nicht genug: Bis 2018 rechnet UNT-Chef Dieterich mit 310 weiteren Betten für Ulm und 250 für Neu-Ulm. Summa summarum könnte die Doppelstadt statistisch dann 5200 Gästen gleichzeitig ein Nachtlager bieten. Die wichtigsten geplanten Neueröffnungen sind das B&B-Hotel am Allgäuer Ring in Neu-Ulm (250 Betten) und ein Vier-Sterne-Plus-Hotel der Leonardo-Gruppe im Ulmer Dichterviertel (280 Betten). „Die großen Ketten sind sehr expansiv“, sagt Dieterich. „Und fast alle wollen sie zu uns.“

Doch warum eigentlich? Es liege an der Wirtschaftskraft der Region – kombiniert mit der seit Jahren guten konjunkturellen Lage, wie Dieterich erklärt. Denn tatsächlich sind es weniger die Münsterturm-Besteiger, die sich abends in die (Neu-)Ulmer Hotelbetten kuscheln, sondern vor allem Geschäftsreisende. Bei diesen habe es dem UNT-Chef zufolge eine starke Zunahme gegeben, ebenso bei der Nachfrage nach Tagungsräumen. Natalie Zimmermann aus dem Management Riku-Hotels von Ebbo Riedmüllers Barfüßer-Gruppe sieht die günstige Lage Ulms zwischen München und Stuttgart als wichtigsten Pluspunkt des Standorts.

Karin Krings vom Hotel Goldenes Rad an der Neuen Straße nennt noch einen Grund: die von der schwarz-gelben Bundesregierung 2009 beschlossene – und viel gescholtene – Senkung der Mehrwertsteuer in der Hotellerie. „Für unsere Branche war das ein großere Anreiz zum Investieren“, sagt Krings, Kreisvorsitzende für Ulm und Alb-Donau im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Das gelte nicht nur für die großen Ketten, sondern auch für privat geführte Häuser wie ihres. Wobei Krings betont, dass man nicht nur in Gebäude und Ausstattung, sondern auch in Personal investiert habe.

Bislang, so Dieterich, sei die Zahl der Betten im Gleichschritt mit der Zahl der Übernachtungen gewachsen. Sie überschritt 2016 erstmals die magische Marke von 800000. Die Vertriebspower der großen Ketten trägt nach Einschätzung der UNT dazu bei, dass immer mehr Gäste in die Doppelstadt kommen. Auch Dehoga-Sprecherin Krings sieht die Neueröffnungen durchaus positiv: Sie zeigten, dass sich etwas bewegt in der Region. „Ulm und Neu-Ulm sind im Moment gut aufgestellt“, findet sie. „Aber es darf auch nicht zu viel werden.“ Denn der Anteil der Geschäftsreisenden von etwa 80 Prozent an den Übernachtungen bedeute eben auch, dass es von Donnerstag bis Sonntag überall freie Zimmer gebe. Krings glaubt, dass mit der Eröffnung von Großprojekten wie dem Leonardo-Hotel der Markt gesättigt sei und entsprechend die Zimmerpreise fallen könnten. „Machen kann man dagegen leider nichts“, sagt sie.

Doch von Panik ist bei den etablierten Häusern trotzdem nichts zu spüren. Nicht beim Goldenen Rad jedenfalls. „Wir stellen uns dem Wettbewerb“, sagt Chefin Krings. Es gebe schließlich auch Gäste, die lieber in kleinen und mittleren Häusern als in den Riesenkomplexen der Ketten übernachteten. Sie gibt aber auch zu, dass der ein oder andere Hotelier angesichts von Leonardo & Co. „ein bisschen Angst“ bekommt. Auch Ludwig Tschischka von der Post in Schwaighofen, mit 60 Betten ein mittelgroßes Haus, sieht die Entwicklung kritisch. Er bleibt aber pragmatisch. Seine Antwort auf die Konkurrenz: „Viel Werbung machen, viel renovieren.“ Er befürchtet aber auch: „Die Stücke vom Kuchen werden immer kleiner.“

Bei den Riku-Hotels schätzt man die Lage anders ein: „Zu Spitzenzeiten deckt das Angebot die Nachfrage noch nicht. Wir gehen davon aus, dass durch Projekte wie Stuttgart 21 der Bedarf weiter steigen wird“, so Natalie Zimmermann. Nicht ausgeschlossen also, dass der Bettenboom an der Donau noch nicht zu Ende ist. Auch Dieterich sieht noch eine echte Lücke im Angebot: Es fehlen Hostels und Jugend-Gästehäuser, in denen zum Beispiel Schulklassen günstig absteigen könnten. Doch was diesen Bereich angeht, fehle es an passenden Liegenschaften in Innenstadtnähe – und an Investoren.

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Ein Artikel von
Marcus Golling

Neu-Ulmer Zeitung
Ressort: Kultur regional

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