Vöhringen Was macht es schon, wenn das Wetter sich wenig sommerlich gibt. Im Wolfgang-Eychmüller-Haus herrschte jedenfalls Sonnenschein pur. Drei Stunden pralles Programm mit der erfrischenden Singgruppe "Wir-r-sing", mittlerweile ein leuchtender Stern am Vöhringer Kulturhimmel, und mit dem Vokalensemble "Maybebop", das alle Chancen hat, zur Kultgruppe in der deutschen A-cappella-Szene zu avancieren.


Gastgeber des Abends im ausverkauften Kulturzentrum war die Gruppe Wir-r-sing unter Führung von Anita Steuer im Supermini mit Glitzerstrümpfen und Stiefeln. Die Sängerinnen und Sänger hatten sich an diesem Tag allerdings ein umfangreiches Probenpaket vorgenommen. Ein Vier-Stunden-Workshop und abends ein Konzert mit spritzigen Songs, anspruchsvoll in Rhythmik und Melodik.
Lupenreine Strahlkraft
Die Titel reihten sich wie Solitäre aneinander. Dabei strahlten die meisten lupenrein, andere am Beginn waren mehr von verhaltener Leuchtkraft. Chor und Dirigentin Steuer sind inzwischen zu einer musikalischen Einheit geworden. Wie gut sie aufeinander eingespielt sind, zeigt schon, dass die Chorleiterin auf minutiöses Dirigieren verzichten kann. Die Fangemeinde hatte also allen Grund zum Jubeln. Titel wie "Caravan Of Love", "Jetzt ist Sommer", "And So It Goes", das unverwüstliche "Pata Pata", das mit viel Sentiment gesungene "s'Leb'n is wia Traum" die wunderschöne Ballade "You'll Never Walk Alone", "Bohemian Rhapsody", der Jackson-Hit "Heal The World", eine freche Bodypercussion-Einlage und als Zugabe "Fire In Your Heart" - das erwärmte die Herzen. Pfiffig die Persiflage "Fußballreport", zu der auch die entsprechenden Requisiten zum Einsatz kamen. Bälle, Tröten, T-Shirts und jede Menge Fahnen und Fähnchen.
Der zweite Teil gehörte "Maybebop" mit den Sängern Oliver, Bariton, Sebastian, Bass (tolle Stimme), Lukas, Tenor, und Jan, Tenor. "Einfach authentisch" sind sie und nennen so auch ihren 70-minütigen Auftritt. Was die vier Vokalsolisten mit ihren Stimmen auf die Bühne bringen, ist eine Mixtur ausgefeilter Arrangements mit intelligenten Texten, choreografisch durchgestylt in einer perfekten Licht- und Tontechnik.
Apropos Ton: Die Vier können stimmlich ein komplettes Band-Instrumentarium zum Klingen bringen. Die Zuhörer sind hingerissen. Das ist schon kein Funken mehr, der überspringt, es ist ein komplettes Feuerwerk. Das Quartett hat vor nichts und niemandem Respekt, singt fast philosophisch vom Fötus im Mutterleib, der geboren wird, um zu sterben. Sie persiflieren alles oder jedes, vom Schlagersternchen bis hin zu den Brachialrockern "Rammstein". Die Jungs haben das Talent zu Comedians und sitzen dann wieder arglos am Bühnenrand, um mit dem Publikum einen Plausch zu halten, fangen Zufallswörter aus der Menge auf, um diese in Lieder einfließen zu lassen, nach dem Motto: Reim dich oder ich fress dich! Sie summen Weihnachtslieder und machen aus dem berühmten "Grünen Kaktus" eine stachelige Lachnummer.
Sie sind Profis durch und durch, wissen, mit welchen Gags man beim Publikum punktet. Clou des Abends aber ist eigentlich das schlichte Volkslied "Ade nun zur guten Nacht", mit dem sich Wir-r-sing verabschiedet und nach den ersten konventionellen Takten einige Lacher erntet. Verfrüht, wie sich zeigt. Denn zum Schluss jazzen sie die Melodie mit so viel Schwung, dass es die Besucher nicht auf den Sitzen hält. Super gemacht!
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