Pfarrer sehen noch Gesprächsbedarf. Dekanat Illertissen wohl vor Auflösung
Bellenberg/Altenstadt Eine Frage beantwortet Pfarrer Martin Jung mit Bestimmtheit: Nein, niemand in den kleinen Gemeinden muss jetzt Angst haben, sein Dorfkirchlein könnte demnächst abgerissen oder verkauft werden.
Befürchtungen dieser Art sind allerdings hochgekommen, nachdem das neue Pastoralkonzept des Bischofs Konrad Zdarsa veröffentlicht worden ist. Danach sollen die Katholiken der Diözese Augsburg künftig auf Wortgottesdienste in ihrer kleinen Filialkirche am Wochenende verzichten und stattdessen den Weg zum Sonntagsgottesdienst im zentralen Ort auf sich nehmen. Wie berichtet, sollen Pfarreien zusammengelegt, Dekanate aufgelöst werden. Übergeordnete Regionaldekane, wie es der kürzlich in Ruhestand getretene Monsignore Horst Grimm aus Kellmünz war, sind Geschichte.
Martin Jung, unter dessen Führung 2004 in Altenstadt die erste Pfarreiengemeinschaft innerhalb des Dekanates Illertissen entstanden ist, bezeichnet die Reformpläne seines Bischofs trotzdem als vorausschauend und in einigen Punkten als sehr sinnvoll. „Aber“, so sagt er, „der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Es gibt noch viel Diskussionsbedarf“. Für den Altenstadter Pfarrer zum Beispiel bei der Abschaffung der Wortgottesdienste an Samstagabenden und Sonntagen zugunsten weniger zentraler Eucharistiefeiern. „Da werden sich nicht nur viele Laien, die Seminare belegen mussten, um Wortgottesdienste zu halten, vor den Kopf gestoßen fühlen“, vermutet Jung. Er hofft in diesem Punkt auf eine Lockerung des Konzeptes. Gut findet der Pfarrer den Teil der Pläne, der zu Verwaltungsvereinfachungen führen wird. „Meine vier Sonntagsgottesdienste belasten mich nicht, wohl aber die rund 40 abendlichen Sitzungen pro Jahr in den verschiedenen Gremien.“ Möglicherweise werden für Jung bald auch die Aufgaben des stellvertretenden Dekans entfallen. Für seinen Dekan Hans Huber, Pfarrer in Bellenberg, wäre es jedenfalls keine Überraschung, wenn das Dekanat Illertissen aufgelöst und – wahrscheinlich – in das Dekanat Neu-Ulm integriert würde. „Ich habe schon länger damit gerechnet. Wir sind ein kleines Dekanat. Für bald nur noch vier Pfarrer braucht es nicht eigens noch einen Dekan und einen Prodekan.“ Für die Gläubigen spiele es ohnehin keine Rolle, zu welchem Dekanat sie gehörten. Und für die verbliebenen Dekane bliebe die Arbeit auch nach einem Zusammenschluss zu bewältigen. „Wir sind vor allem Postbote zwischen Bischof und Pfarrern“, erklärt der Pfarrer sein zusätzliches Amt.
Das von Bischof Zdarsa vorgestellte Konzept hat Huber positiv aufgenommen. Er würde zwar bevorzugen, wenn möglichst viele Pfarreien bestehen blieben. In der Vergangenheit aber habe die Diözese alle fünf Jahre das Pastoralkonzept nachbessern müssen, weil es der Entwicklung hinterherhinkte. „Jetzt gibt es immerhin mal ein Konzept, das in die Zukunft gerichtet ist“, findet Huber.
„Kirche macht sich fit für die Zukunft“
Vöhringens Stadtpfarrer Michael Menzinger sieht in den geplanten Umwälzungen eine Art „update“ der Kirche. Nach jetzigem Stand werden zur Pfarreiengemeinschaft Vöhringen und Illerzell mittelfristig Illerberg und bis 2025 Bellenberg eingegliedert. Das Pfarramt Vöhringen, das derzeit modernisiert wird, werde bleiben.
Mit den Aktualisierungen mache sich die Kirche „fit für die Zukunft“, meint Menzinger. Er rechnet damit, dass es vier Gottesdienste in den Filialkirchen geben könne, so am Samstagabend, Sonntagvormittag zwei und -nachmittag. Es habe durchaus etwas für sich, wenn die Gläubigen dann zentraler zusammenkämen. „Zu einer sich immer erneuernden Kirche“, so Menzinger, „gehören auch Veränderungen“. Er sieht darin jedenfalls keine Dramatik.
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