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05. März 2009 19:20 Uhr

Der "versuchende Weltretter"

Illertissen Der Sparkassensaal war am Mittwochabend gut gefüllt, als Vorsitzender Franz-Josef Schick das neue Volkshochschulsemester einläutete und ersatzweise den "Weltverbesserer Frithjof Finkbeiner" begrüßte. Dieser war anstelle von Franz-Josef Radermacher erschienen, der nach Brüssel gereist war.

Der "versuchende Weltretter"
Foto: ALFA

Den "Weltverbesserer" ließ Finkbeiner nicht unkommentiert: Er sei vielmehr ein Weltretter, "ein versuchender Weltretter zumindest" sagte er. Wie er sein Ziel - eine gerechte Gestaltung der Globalisierung - erreichen möchte, erklärte er in seinem Vortrag.

"30 000 Menschen sterben täglich an Hunger", begann Finkbeiner. "Wir können nicht so tun, als wüssten wir nichts davon. Das ist zigtausendfacher Mord." Es gebe keine Balance mehr zwischen den Ärmsten und den Reichsten der Welt.

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Die Folgen malte Finkbeiner in drei Szenarien aus. Variante eins: Das Handeln der Menschen führt zu einem ökologischen Kollaps. Es gibt einen Kampf um Wasser, die Zahl der Verhungernden steigt. Variante zwei: Eine kleine Elite kontrolliert die Ressourcen. Terror ist die Folge.

Variante drei ist Finkbeiners Modell der öko-sozialen Marktwirtschaft - Marktwirtschaft, die durch soziale und ökologische Spielregeln eingegrenzt ist. Es sei in vielen Staaten bereits erfolgreich und solle auf den Globus übertragen werden.

Dieses Ziel könne aber nur erreicht werden, wenn sich die Zivilgesellschaft als dritte Kraft neben Staat und Wirtschaft etabliere - und sich globalisiere. "Wir müssen gemeinsam weltweite Lösungen erarbeiten", so Finkbeiner. Die Bürger müssten ihr Wissen teilen und alte Denkmuster ablösen.

Doch ist diese Vision durchführbar? "Wir haben keine andere Chance", sagte Finkbeiner. "Nur durch Demokratie sind Veränderungen möglich." Langfristig bedeute eine gerechte Globalisierung auch eine Überlebenschance für die Europäer - denn früher oder später komme es zu Gewalt durch diejenigen, die sich in der Welt ungerecht behandelt fühlen.

"Wir können und wir müssen das System ändern", appellierte Finkbeiner. Für Bürger hieße das: Leserbriefe schreiben, Abgeordnete kontaktieren, in Bürgerorganisationen aktiv werden. "Die Politiker wissen eigentlich, was richtig ist", sagte er. "Aber wir Wähler müssen sie auffordern, sich einzusetzen."

Als Beispiel für ziviles Engagement nannte Finkbeiner das von seinem elfjährigen Sohn ins Leben gerufene Projekt "Plant for the Planet". Dieser möchte weltweit eine Million Bäume pflanzen, rund 240 000 davon sind laut der zugehörigen Internetseite schon angebaut.

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