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08. Februar 2012 19:18 Uhr

Verkehr

Die fast reale „ILL“-usion

 Wiedergeburt des alten Illertisser Kennzeichens würde viele Autofahrer freuen. Landrat Geßner ist nicht begeistert, will aber auch nicht auf die Bremse treten.

Damals war das ILL-Autokennzeichen noch selbstverständlich: Unser Archivbild zeigt 1960 das erste Auto des geschäftsführenden Beamten am Illertisser Amtsgericht, Oswald Nießler, mit dessen Töchtern Marianne (rechts) und Margot. Tochter Marianne Bischhofsberger hatte der IZ das Bild für die Sonderveröffentlichung „mein erstes Auto“ am 29. Januar 2011 zur Verfügung gestellt.
Foto: Bischofsberger

Aus „NU“ könnte wieder „ILL“, aus vermeintlicher Illusion bald Realität werden. Das lässt viele, vor allem ältere Kraftfahrer aus dem Altlandkreis Illertissen frohlocken. Nur der Bundesrat, so lautete eine Nachricht diese Woche, müsse dem Vorschlag des Bundesverkehrsministeriums noch zustimmen, dann könnten die alten Kraftfahrzeugkennzeichen von 1. Juli an wieder eingeführt werden. Und die Zustimmung des Bundesrates wird allgemein erwartet.

Ein Professor für Volkswirtschaftslehre namens Ralf Bochert aus Heilbronn hatte, wie berichtet, zahlreiche Bürger zu dem Thema interviewt und damit die Lawine ins Rollen gebracht. Eine Liste mit mehr als 200 Gemeinden lief in der Folge beim Bundesverkehrsministerium ein, die alle ihr altes Autokennzeichen wiederhaben wollten. Unter diesen Gemeinden: die Stadt Illertissen. Einige Räte meinten zwar, es gebe Wichtigeres zu entscheiden, die große Mehrheit des Gremiums aber stimmte pro "ILL".

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Der Stadtrat und die Illertisser Bürger stehen nicht alleine da. Altenstadts Bürgermeister Wolfgang Höß zum Beispiel teilt die Begeisterung für den Hauch von Nostalgie auf den Kfz-Nummernschildern. „Wir kommen aus dem ehemaligen Landkreis Illertissen, die Iller ist der prägende Fluss der Region und so könnte man uns wieder besser zuordnen, als mit „NU“.

Schmerzhafter Verlust der Kreishoheit

1972 hatte es die Kreisgebietsreform gegeben. Davor bildete Illertissen (als Kreisstadt) mit seinen umliegenden Gemeinden inklusive des größten Teils der heutigen Verwaltungsgemeinschaft Babenhausen bekanntlich den gleichnamigen Landkreis. Der Verlust der Kreishoheit schmerzte nicht nur die Illertisser, wie den Aussagen von Höß und dessen Amtskollegen Roland Biesenberger zu entnehmen ist. „Ich selbst würde meine Autokennzeichen wahrscheinlich nicht mehr wechseln, aber nostalgisch betrachtet, gefällt mir der Gedanke gut. Ich habe halt die ILL-Zeit noch bewusst miterlebt.“ Wenn er aber seine Kinder danach fragte, so vermutet Biesenberger, würde er nur Unverständnis ernten. 40 Jahre sind eine lange Zeit. Lachend fügt er hinzu: „Immerhin hat sich die Stadt Neu-Ulm in den letzten Jahren so positiv entwickelt, dass man sich nicht mehr für sie schämen muss.“

40 Jahre Trennung haben in Babenhausen ihre Spuren hinterlassen. „Ob ILL oder KRU für Krumbach, keine Abkürzung von beiden stellt eine Verbindung zu uns her“, sagt Otto Göppel. Er gehört der jungen Generation von Bürgermeistern an und findet deshalb „keinen großen Gefallen am Schritt zurück“. Er würde bevorzugen, wenn anstelle „MN“-Nummerschildes (MN für die Kreisstadt Mindelheim) ein „UAL“ für Unterallgäu an die Kraftfahrzeuge käme.

Tatsache ist, es gibt auch im Raum Babenhausen noch Fahrzeuge mit dem traditionellen „ILL“. Wie viele es sind, kann Roland Flitsch, der Leiter der Zulassungsstellen im Landkreis Neu-Ulm nicht genau sagen. „Wir haben die Akten ins Unterallgäu abgegeben.“ Allein die Zahl der Vehikel, die im Neu-Ulmer Landkreis noch mit „ILL“ auf Achse sind, ist erstaunlich: „Etwa 1000 werden es sein“, sagt Flitsch. Überwiegend handelt es sich dabei um Traktoren oder anderes landwirtschaftliches Fuhrwerk. „Aber auch rund 50 Pkw“, weiß der Sachgebietsleiter im Landratsamt.

Dessen Chef zeigt sich wenig begeistert von der möglichen Kennzeichen-Splittung in seinem Landkreis. „40 Jahre nach der Kreisgebietsreform haben Südstaatler und Nordstaatler endlich zusammengefunden, sind wir mit Müh und Not ein Landkreis geworden und jetzt sollen die alten Konflikte wieder sichtbar werden“, meint Landrat Erich Josef Geßner. „Ich bin kein Anhänger der geplanten Kennzeichen-Freigabe. Sollte sie kommen, werde ich trotzdem „NU“ auch an meinem Privatauto belassen. Obwohl ich ja auch ein Südstaatler bin“, versichert Geßner, der ehemalige Bürgermeister von Altenstadt und Vöhringen. Im Übrigen, so fügt er hinzu, habe auch der Landkreistag beschlossen, diese Änderung nicht mitzutragen. Ganz will sich der Landrat den Illertisser Wünschen aber nicht verschließen: „Mir persönlich ist es wurst, wenn jemand seinen alten Heimatlandkreis angeben will. Vorausgesetzt, es verursacht keine zusätzlichen Kosten.“

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