Ein Zettel, eine Stimme: Wer das Europäische Parlament mitwählt, der darf nur ein Kreuzchen machen. "Eigentlich ganz einfach", sagt der Klaus Herrmann, Wahlleiter in Illertissen. Deshalb hat er die Wahllokale im Vergleich zur Kommunalwahl auf die Hälfte reduziert. Die Qual der Wahl hat der Bürger trotzdem - immerhin stehen 31 Parteien auf der Liste.


Auf den ersten Blick wirkt das kleine Quadrat aus grauem Papier recht putzig. Doch der Wahlzettel verfügt über beträchtliches Entfaltungspotenzial - ausgeklappt bringt es die Liste immerhin auf die stattliche Länge von einem Meter. Wahlleiter Herrmann schätzt den Aufwand für die Wahlhelfer dennoch als "überschaubar" ein: "Jeder Wähler macht nur ein Kreuz, da gibt es nicht viel zu zählen." Deshalb hat Herrmann die Zahl der Wahllokale in Illertissen im Vergleich zur Kommunalwahl um die Hälfte reduziert: am 7. Juni können die Illertisser Bürger in elf Lokalen wählen, zwei gibt es für Briefwahl. Bei der Kommunalwahl waren es noch insgesamt 26. Die Illertisser werden maximal 12 145 Kreuzchen machen - so viele Menschen sind wahlberechtigt. Doch Herrmann glaubt nicht, dass alle wählen: "Die Wahl liegt mitten in den Pfingstferien."
In dieser Woche hat die Stadtverwaltung die Wahlbenachrichtigungen verschickt.
Ein Blick auf den Stimmzettel.
Volksparteien Schwarz, rot, grün und gelb - die deutsche Liste beginnt mit den etablierten Volksparteien. In Bayern stehen die Christsozialen ganz oben. Und nur dort - Spitzenkandidat Markus Ferber aus Bobingen (Kreis Augsburg) muss im Freistaat so viele Stimmen sammeln, dass es deutschlandweit umgerechnet für fünf Prozent reicht. Die Liste der SPD führt Martin Schulz aus Würselen (Kreis Aachen) an. Der langjährige Europaabgeordnete wurde etwa bekannt durch die hitzige Debatte mit Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi 2003. In deren Zuge polterte der Italiener: "In Italien wird gerade ein Film über die Nazi-Konzentrationslager gedreht, ich schlage Sie für die Rolle des Lagerchefs vor."
Große Namen Weitere große Namen findet der Wähler auf dem Stimmzettel nur vereinzelt: Die Freien Wähler setzen auf die "schöne Landrätin" Gabriele Pauli aus Zirndorf (Kreis Fürth). Die Grünen schicken ihren ehemaligen Bundesvorsitzenden Reinhard Bütikofer ins Rennen und die FDP Alexander Graf Lambsdorff, den Neffen des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff. Für die Linke kandidiert mit Lothar Bisky einer ihrer Bundesvorsitzenden.
Programm Weiter unten auf dem Zettel finden sich weniger bekannte Parteien. Hier ist der Name meist auch Programm. So fordert etwa die Partei "Familie" ein staatlich finanziertes "Erziehungsgehalt", die "Tierschutzpartei" mehr Tierschutz und die "Partei bibeltreuer Christen" ein christlich orientiertes Europa.
Kurios Wer seinen Blick noch weiter abwärts wandern lässt, der entdeckt skurrile Parteien. Zum Beispiel die "Violetten - für spirituelle Politik". Sie setzen sich laut ihrer Homepage für "eine Gesellschaftsordnung an, in der Selbsterkenntnis durch die individuelle spirituelle Entwicklung, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Kreativität (...) obenan stehen". Bundesvorsitzende ist die Schauspielerin Gudula Blau (Das fliegende Klassenzimmer, 1973). Noch weiter unten steht die Partei "Europa-Demokratie-Esperanto", kurz "EDE". Sie will Esperanto, eine Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte Kunstsprache, zur europäischen Sprache machen. Die "Piratenpartei Deutschland" kämpft für ein völlig freies Internet ohne Zensur. Damit es sich leichter kopiert, wollen die "Piraten" das Urheberrecht abschaffen.
So geht's Am Sonntag, 7. Juni, mit Wahlbenachrichtigung und Personalausweis zum Wahllokal gehen und Kreuzchen machen. Abgestimmt werden kann zwischen 8 und 18 Uhr. Wer per Briefwahl votieren möchte, muss diese bis Freitag, 5. Juni, um 18 Uhr beantragt haben.
Auch EU-Bürger, die in Deutschland wohnen, dürfen abstimmen. Sie können sich in der Zeit von Montag, 18. Mai, bis Freitag, 22. Mai, im Rathaus ins Wählerverzeichnis eintragen lassen. Sie bekommen einen deutschen Stimmzettel. In Illertissen wählen rund 430 Unionsbürger.
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