Beim Schlag gegen einen Kinderpornoring ging auch ein Frührentner aus dem Landkreis Neu-Ulm ins Netz.
Landkreis Neu-Ulm (kr) - Noch in diesem Monat muss sich vor dem Amtsgericht Neu-Ulm ein 58 Jahre alter Frührentner wegen des Besitzes kinderpornografischer Computerdateien verantworten.
Der aus dem südlichen Landkreis stammende Mann war der Polizei bei der bundesweit Schlagzeilen machenden "Operation Himmel" ins Netz gegangen. Sollte das Gericht von seiner Schuld überzeugt sein, droht dem Angeschuldigten sehr wahrscheinlich Gefängnis, da er einschlägig vorbestraft ist. Wegen des gleichen Delikts war er 2003 per Strafbefehl zu 150 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt worden.
Auf die Schliche kamen die Ermittler dem Mann, weil ein Berliner Internetprovider bereits Mitte Mai 2006 bei der Überprüfung eines Servers Kinderpornos gefunden hatte. Die Firma reagierte sofort, sperrte die betreffende Domain und sicherte zugleich sämtliche "Log-Files", also die Adressen der Internetsurfer, die sich auf den Schmuddelseiten getummelt hatten. Keine zwei Tage später fanden die Berliner dann eine weitere Seite mit Kinderpornos.
Weit über 400 000 Zugriffe
Bei der Auswertung der vom Provider bereitgestellten Daten fanden die Kriminalbeamten Erschütterndes heraus. Auf die zuerst entdeckte Porno-Seite hatten innerhalb von etwa drei Wochen nicht weniger als 303 000 User mit 184 000 unterschiedlichen IP-Adressen zugegriffen. In die zweite Seite hatten sich 92 000 Besucher eingeloggt, 65 000 unterschiedliche IP-Adressen waren aufgelistet.
In mühevoller Kleinarbeit fanden die Polizei-Experten heraus, wer sich hinter den IP-Adressen mit Fantasienamen verbirgt. Insgesamt fragten die Internetfahnder dazu bei 70 Providern, 73 Bildungs- und Forschungseinrichtungen, 150 Firmen und 30 anderen Einrichtungen an, bis sie die Identitäten der meisten deutschen User herausgefunden hatten.
Die Auswertung ergab gleichzeitig, dass Kinderpornografie sozusagen ein globales Verbrechen ist: Die User stammen aus insgesamt 150 Ländern.
Nachdem auch der Frührentner aus dem Landkreis auf diese Weise identifiziert worden war, wurde seine Wohnung im Januar dieses Jahres auf richterlichen Beschluss hin durchsucht. Dabei stellten die Beamten fest, dass der Mann computertechnisch voll auf der Höhe der Zeit war. So besaß er drei leistungsstarke Rechner, eine Vielzahl externer Festplatten mit geradezu gigantischen Speichern sowie über 800 CD und Disketten. Insgesamt fand die Polizei mehrere Hundert Bilder mit kinderpornografischen Inhalten.
Die Beamten beschlagnahmten bei der Durchsuchung sämtliche Datenträger, die in der Wohnung gefunden wurden. Mit einiger Sicherheit wird der 58-Jährige die Geräte auch nie mehr zurückbekommen. In aller Regel werden sie vom Gericht "eingezogen".
Bislang schweigt der Angeschuldigte zu den von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfen. Nicht geschwiegen hatte er allerdings, als die Polizei die Rechner abtransportierte. Damals soll er die Beamten gebeten haben, mit der teuren Elektronik doch möglichst pfleglich umzugehen.
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