Montag, 23. Oktober 2017

12. Oktober 2017 07:00 Uhr

Memmingen

Einbruchserie: Mit dem Schraubenzieher in 33 Häuser

Zwei Serben stehlen in der Region Wertsachen in Höhe von 150000 Euro. Vor Gericht erklären sie ihr Vorgehen.

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Bevorzugtes Werkzeug der zwei mutmaßlichen Einbrecher: der Schraubenzieher.
Foto: Alexander Kaya

Die beiden Männer sitzen im Auto und beobachten Einfamilienhäuser in einem ruhigen Wohngebiet. Es ist dunkel – und das kommt ihnen zugute. Sie sind aus Serbien eingereist, um in Deutschland einzubrechen. Nach einigen Minuten fahren sie weiter, in eine andere Stadt, in ein anderes Wohngebiet. Irgendetwas hat sie wohl gestört. An anderer Stelle parken sie ihr Auto, das sie gemietet haben. Sie machen ihre Tour routiniert und sie läuft immer ähnlich ab: Die Männer laufen zur Terrassentür oder zu einem Fenster und hebeln es mithilfe eines Schraubenziehers auf. Mehr brauchen sie nicht. Im Haus suchen sie nach Schmuck, Uhren und Bargeld – am Ende des Tages haben sie oft zwei bis drei Einbrüche gemacht.

Damit ist nun erst mal Schluss. Die beiden Männer im Alter von 44 und 47 Jahren stehen seit Montag vor dem Landgericht Memmingen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, zwischen November 2016 und Januar 2017 in mindestens 33 Häuser eingebrochen zu sein. Unter anderem in Weißenhorn, Illertissen, Babenhausen und Ehingen. Wie sie vorgingen, erzählten die Männer vor Gericht. Dabei sollen sie Beute im Wert von rund 150000 Euro gemacht und Sachschäden in Höhe von 50000 Euro hinterlassen haben. Wo die Beute geblieben ist, ist bisher nicht vollständig geklärt. Wie der Anwalt eines der Angeklagten sagte, haben die beiden das Diebesgut weitergegeben und es wurde in Deutschland zu Geld gemacht. Sie haben Ketten und Ohrringe gestohlen, Uhren und auch Eheringe. Außerdem eine silberne Berti-Vogts-Gedenkmünze, wie es in der Anklage heißt. Was ihnen nicht wertvoll genug erschien, haben sie gleich liegen gelassen: etwa auf dem Ehebett oder im Waschbecken.

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Die Serben haben viel Zeit damit verbracht, sich ein Haus auszusuchen, in das sie einbrechen können. Immer wieder betonten beide über ihren Übersetzer: „Wichtig war, dass niemand daheim ist.“ Das rechnete das Gericht um Vorsitzenden Richter Jürgen Hasler den beiden Angeklagten auch an, „das spricht für Sie“, sagte er.

Ein Polizist hat die Männer eine Zeit lang observiert, bevor sie festgenommen werden konnten. Er rekonstruierte vor Gericht das Vorgehen der beiden, das manchmal merkwürdig anmutet. Einmal sind sie aus ihrer gemieteten Wohnung in Ulm Richtung Memmingen gefahren – um wieder umzudrehen, nach Ulm zurückzufahren und dann weiter nach Ehingen. An diesem Tag im Januar hat die Polizei die beiden Serben festgenommen – nach einem letzten Einbruch der beiden. Die Freigabe zu einer Festnahme gebe es erst, wenn zuvor ein Einbruch stattfand, sagte der Polizist. Die Einbruchsserie wurde damals durch die Ermittlungsgruppe „Feuersee“ aufgeklärt, die sich aus bayerischen und baden-württembergischen Polizisten zusammensetzte.

Am ersten Verhandlungstag haben sich Staatsanwaltschaft und die Angeklagten mit ihren Verteidigern bereits zu einem sogenannten „Deal“ verständigt. Sie einigten sich darauf, dass die Angeklagten 13 Taten einräumen und dafür eine Strafe zwischen viereinhalb und fünf Jahren Gefängnis bekommen. Laut Richter Hasler fallen die zu erwartenden Strafen für die gestrichenen Tatvorwürfe nicht so sehr ins Gewicht, zudem gebe es ohnhein eine Gesamtstrafe. Die beiden Angeklagten hielten sich an die Abmachung und räumten zu Beginn der gestrigen Verhandlung die verbliebenen Punkte ein. Über ihre Rechtsanwälte ließen sich verkünden, dass es ihnen „sehr leid tut und sie wissen, dass sie eine Strafe verdienen“.

Sie seien eigenen Angaben nach wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Serbien „spontan“ auf die Idee gekommen, Häuser auszurauben. Deutschland und Ulm seien rein zufällig zum Tatort geworden: „Dort war eine Wohnung frei“, sagte einer der Männer schlicht.

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Ein Artikel von
Carolin Oefner

Neu-Ulmer Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten

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