Neu-Ulm Eine Frau hat offenbar eine wichtige Rolle gespielt in dem jüngsten Fall von Untreue bei der Firma Evobus. Der 39-jährige Teamleiter, der einen Betrag von bis zu sieben Millionen Euro veruntreut haben könnte, soll diese Frau ihrem Mann ausgespannt haben, weshalb der "sehr sauer" reagiert habe, verlautete gestern aus den Reihen der Evobus-Belegschaft. Womöglich sei er es gewesen, der ihn bei einer vom Daimlerkonzern ins Leben gerufenen Kontrollgruppe angeschwärzt und damit dazu beigetragen hat, dass der Fall aufgedeckt worden ist. Von Roland Ströbele
Der 39-Jährige habe sich auch in einem Ulmer "Animierschuppen" in der Nähe eines Bordells "großspurig und spendabel" verhalten. Nicht selten habe er dort eine Zeche von bis zu 5000 Euro pro Nacht hingelegt, wenn er mal wieder die "Puppen tanzen ließ", sagte ein Insider gestern. Auch diesen Informationen werde die Polizei bei ihren Ermittlungen sicherlich nachgehen.
Das entscheidende Material hatte die Polizei jedoch von einem Mann bekommen, der in die Wohnung des 39 Jahre alten Teamleiters eingedrungen war und dort aus dem Tresor "einen Batzen Bargeld" und Unterlagen gestohlen hatte, mit dem er den Mann zu erpressen versuchte. Diese Unterlagen waren der Polizei in die Hände gefallen, nachdem das Erpressungsopfer Anzeige erstattet hatte.
Seit der Durchsuchung seiner Büroräume und seiner Wohnung in einer Gemeinde im Kreis Neu-Ulm sitzt der Teamleiter in Untersuchungshaft. Was er bislang zu den Vorwürfen gesagt hat, ist nicht bekannt. Er ist nach Informationen aus dem Evobus-Werk in Neu-Ulm noch nicht gekündigt, da auch in diesem Fall die Unschuldsvermutung gelte, solange bis die Vorwürfe bewiesen sind. Sollten sie sich als unzutreffend herausstellen, werde er selbstverständlich weiter beschäftigt. Die Angelegenheit beschäftigt auch die firmeninternen Kontrollinstanzen. So können es sich die Verantwortlichen bei Evobus nicht erklären, wie ein einzelner Mitarbeiter über Jahre hinweg derart hohe Summen veruntreuen konnte.
Zuletzt war von einem Betrag in Höhe von sieben Millionen Euro die Rede, die der Mann, der seit 13 Jahren in dem Unternehmen gearbeitet hat, in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll. Unter dem Stichwort "Compliance" wurden für alle zum Daimler-Konzern gehörenden Firmen Regeln definiert, denen sich die Mitarbeiter zu unterwerfen haben.
Der Konzern versteht unter Compliance "die Einhaltung von allen für das Geschäftsmodell relevanten Gesetzen, Regelungen und freiwilligen Selbstverpflichtungen sowie den zugehörigen internen Richtlinien und Verfahren bei allen Aktivitäten von Daimler".
In der Belegschaft von Evobus gibt es nicht den Hauch eines Zweifels, dass der Fall Konsequenzen haben werde, auch insofern, als dass die Vorschriften noch enger gefasst und die Kontrollen ausgedehnt werden. So soll sichergestellt werden, dass derartige Gaunereien nicht mehr vorkommen können.
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