Mittwoch, 23. August 2017

13. August 2017 13:00 Uhr

Wullenstetten

Flüchtlinge machen kaputte Fahrräder wieder flott

In einer Werkstatt in Wullenstetten reparieren Deutsche und Asylbewerber gemeinsam Drahtesel. Die sind heiß begehrt. Von Angela Häusler

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Ein Blick in die Werkstatt des Arbeitskreises „Asyl in Senden“: Helfer Hartmut Teuffel bringt mit den Asylbewerbern Hailemariam Haben, Zeren Weddeslase und Saha Ande ein gespendetes Fahrrad auf Vordermann.
Foto: Angela Häusler

Reifen, Ketten, Schraubenzieher und eine alte Fahrradpumpe liegen auf dem Boden des Holzschuppens, der Helfern und Asylbewerbern als Fahrradwerkstatt dient: Samstagvormittags wird dort an gebrauchten Rädern geflickt und geschraubt, bis sie wieder verkehrssicher sind. „Für die Asylbewerber ist das Fahrrad das Fortbewegungsmittel Nummer eins“, weiß Ehrenamtler Hartmut Teuffel, der sich gemeinsam mit Rudi Jaschek um die kleine Werkstatt kümmert.

Gerade hat der Sendener Karl Wartha ein gebrauchtes Fahrrad hereingetragen, das er der Werkstatt spenden möchte. Die Räder, die dort auf Vordermann gebracht werden, kommen allesamt aus zweiter Hand. Sie werden oft reparaturbedürftig abgegeben. Fahrradschläuche, Zahnriemen, Lampen, Trafos oder Bremsen tauschen die Helfer dann aus. Was nicht mehr zu reparieren ist, zerlegen sie in verwertbare Einzelteile. Die fertigen Räder werden an Asylbewerber vergeben.

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Die Werkstatt ist mittlerweile fester Bestandteil im Tätigkeitsbereich des Helferkreises „Asyl in Senden“, in dem Freiwillige Asylbewerber unterstützen, die in der Illerstadt wohnen. Seit fast einem Jahr gibt es die Fahrradwerkstatt auf dem Areal der im November 2016 eröffneten Flüchtlingsunterkunft an der Wullenstetter Römerstraße. Die beiden Ehrenamtler vermitteln den Bewohnern wöchentlich Reparaturkenntnisse. Denn deren handwerkliche Vorbildung sei ganz unterschiedlich ausgeprägt, sagt Teuffel. „Aber die Leute helfen sich auch gegenseitig.“ Wenn Teuffel den Männern etwas erklärt, spricht er langsam und deutlich, manchmal mit Händen und Füßen. Schließlich kommen die Bewohner der Unterkunft aus aller Herren Länder, von Afghanistan über Eritrea bis Irak und Syrien. Mit den Rädern fahren sie zum Beispiel zu den Deutschkursen oder suchen damit ihre Praktikumsstellen auf. „In der Umgebung rumfahren“, das schwebt Josef Tekelzge vor, der an diesem Tag einen der Drahtesel bekommen wird. Glück haben diesmal auch Saha Ande und Zeren Weddeslase, die soeben letzte Hand an ihre beiden Räder legen.

Unter den Bewohnern sind Fahrräder heiß begehrt. Längst nicht jeder hat eines, es gibt sogar eine Warteliste, in die sich die Interessenten eintragen. Alle wissen: Ein Rad bekommt nur, wer am jeweiligen Samstag in der Werkstatt dabei ist und es direkt mitnimmt. Müssen für ein Rad neue Teile gekauft werden, bezahlt der Interessent einen Teil des Kaufpreises. Und damit alles seine Ordnung hat, bekommt jeder neue Besitzer anschließend einen Fahrrad-Pass, in dem sein Name, ein Foto und die Rahmennummer des Rads verzeichnet sind. Damit, erzählt Teuffel, können sie bei Bedarf beweisen, dass es ihr eigenes Rad ist, mit dem sie unterwegs sind. Denn nicht selten würde den Flüchtlingen unterstellt, geklaute Räder zu benutzen.

82 Fahrräder haben Teuffel und Jaschek bereits ausgegeben, seit die Werkstatt in Betrieb ging. Damals hatten die Asyl-Helfer gebrauchte Räder von der Stadtverwaltung erhalten und sie instandgesetzt – seither wird im Anbau wöchentlich gewerkelt. „Ich habe 1946 mein erstes Fahrrad zusammengebaut“, sagt Teuffel, wenn man ihn fragt, wo er selbst das Räder-Reparieren gelernt hat. Große Teile der Ausstattung mit Regalen und Werkzeug haben die Helfer von einem früheren Handwerksbetrieb erhalten.

Für die Betreuung der Werkstatt sucht der Asyl-Arbeitskreis derzeit nach weiteren Helfern mit Reparaturkenntnissen, die gerne mit Menschen arbeiten. Willkommen sind natürlich auch ausrangierte Räder, vor allem für Erwachsene. Abgeben kann man sie, wenn die Werkstatt samstagvormittags offen ist.

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