Freitag, 1. August 2014

20. November 2012 09:12 Uhr

Altenstadt-Illereichen

Gediegene Vortragskunst

Ernste Klänge beim Lions-Konzert zum Volkstrauertag in Illereicher Kirche Von Otto Mittelbach

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Benefizkonzert des Lionsclubs in Illereichen.
Foto: Otto Mittelbach

Seit 36 Jahren schon veranstaltet der Lions-Club Illertissen in der Mariä-Himmelfahrt-Kirche in Illereichen Benefizkonzerte für wohltätige Zwecke. Das betonte Pfarrer Martin Jung in seiner Begrüßung der Veranstalter, der zahlreichen Zuhörer und der ausführenden Künstler. Und Lions-Präsident Thomas Roth verwies auf die Freundschaft seines Vaters Josef mit dem Konzertgründer Willy Kober, die in den beiden Familien noch über den Tod hinaus wirke.

Der Erlös komme wohltätigen Zwecken zugute und werde auch zum Teil für die Blutstammzellenspende zur Hilfe für Leukämiekranke verwendet.

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Erinnerungen an Tod und Leid und Schrecken spiegelte sich im sorgfältig ausgewählten Konzertprogramm der vier Künstler. Mit je zwei Sängerinnen und Instrumentalisten hatten sie eine Vortragsfolge zusammengestellt, die variable Besetzung zuließ und Einblicke in verschiedene Epochen und Stilrichtungen der Musikgeschichte ermöglichte. Die Orgel der Kirche und ein erstaunlich klangsattes, schon an Hammerklavierton erinnerndes Cembalo traten solistisch hervor. Tobias Peschanel spielte eingangs zwei schwermütige, von fallenden Melodiestimmen und herber Harmonik bestimmte romantische Orgelstücke von Joseph Gabriel Rheinberger. Und danach, auf dem Cembalo, ein etwa dreihundert Jahre früher entstandenes Prelude von Louis Couperin, der stilistisch zwischen Girolamo Frescobaldi und Johann-Jakob Froberger stand und französische, italienische und deutsche Klangcharakteristiken miteinander zu verbinden wusste.

Die hier aufkeimende Fugentechnik bereitete den Weg zum Verständnis Johann Sebastian Bachs, der mit drei Werken den Mittelpunkt bildete. Peschanel wagte die schwierige Realisation des Abschlusses seiner „Kunst der Fuge“, die ja nicht für eine feststehende Besetzung konzipiert ist. In ihr verarbeitet Bach mehrere Themen, schließlich das Namenszitat BACH, das er nicht mehr vollenden konnte. Mitten im Diktat, er war schon lange blind, überraschte ihn der Tod. Es ist immer wieder erschütternd, mitzuerleben, wie das überaus kompliziert geflochtene musikalische Gewebe plötzlich zerrissen wird und gähnende Leere folgen lässt. Eine berühmte, schon zum Ohrwurm gewordene Vocalise von Sergej Rachmaninoff hat der Cellist L. Rode für sein Instrument bearbeitet, und Martin Koppold, Cello, interpretierte es klangsinnlich zur farbigen Orgelbegleitung. Zusammen mit dem Cembalisten Peschanel stellte er die e-Moll-Sonate von Antonio Vivaldi vor, die mit zwei gehaltvollen Largo-Sätzen, der Zweite im Siziliano-Rhythmus, und zwei einfallsreichen, quirligen Allegros aufwartet. Die Interpretation gelang ebenso niveaureich wie die der Gesangparts.

Jubilierende Stimmen auf der Empore

Da standen vier berühmte Duette auf dem Programm: Mendelssohns „Zion streckt die Hände aus“, aus seinem Oratorium „Elias“ und „Ich harrete des Herrn“, das seiner Sinfonie „Lobgesang“ entstammt. Die beiden Solistinnen, Marie Tremblay-Schmalhofer, Sopran, und Henrike Paede, Mezzosopran, gestalteten ihre Parts mit jubilierenden Stimmen auf der Empore, wo Tobias Peschanel den Orchesterpart, soweit es das Instrument zuließ, imitierend unterlegte. Mit Cembalobegleitung wurde das Duett „Christe eleison“ aus Bachs h-Moll-Messe zu einem weiteren Höhepunkt der Darbietungen. Die Sopranistin überwand die nicht geringe Schwierigkeit in der von Chromatik bestimmten Bach-Arie „Seufzer, Tränen, Kummer, Not“ aus der Kantate Nr. 21 „Ich hatte viel Bekümmernis“, wobei sie edles Stimmtimbre verströmte.

Als Altistin setzte Henrike Paede mit strahlender, in allen Lagen ausgeglichener Stimme das Solo „Pieta Signore“ von Alessandro Stradella entgegen: des Opernkomponisten, der mit 37 Jahren ermordet wurde. Sein Schicksal machte ihn selbst zu einer Opernfigur.

Den Abschluss bildete die in ihrer Schlichtheit der Erfindung immer wieder ergreifende Sequenz „Stabat mater dolorosa“ von Giovanni Battista Pergolesi. Das letzte Werk des mit 26 Jahren verstorbenen Tonmeisters führte mit den hier ins Deutsche übersetzten Worten zum Anlass des Tages zurück: „Wenn mein Leib wird sterben, lass dann meine Seele erben des Himmels Herrlichkeit.“

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