Mittwoch, 28. September 2016

08. Januar 2016 07:00 Uhr

Illertissen

Hebammen bangen um Zukunft der Geburtshilfestation

Mitarbeiter und Ärzte befürchten eine Schließung der Abteilung in Illertissen zugunsten der Donauklinik. Jetzt gehen sie mit ihren Sorgen an die Öffentlichkeit. Von Regina Langhans

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Auch für eine Unterwassergeburt ist die Illertalklinik bestens vorbereitet, wie an der großen Wanne zu sehen ist. Auf unserem Bild von links die um ihre Station besorgten Hebammen Ursula Wirth, Heike Emsberger, Marianne Schmucker, Gabi Korda, Gynäkologe Dr. Martin Schlipf und Bettina Koderer.
Foto: Regina Langhans

In der Geburtshilfestation der Illertalklinik brodelt es. Hebammen und Gynäkologen befürchten für ihre Abteilung den Tod auf Raten. Aus unserer Zeitung hätten sie erfahren, dass der Geburtshilfe in Illertissen die Schließung droht. Kurz darauf sei zu lesen gewesen, dass eine Auflösung nicht vorgesehen ist. Was also jetzt? „Ein Sterben auf Zeit“, vermutet Heike Emsberger.

Die Hebammen und Gynäkologe Martin Schlipf fühlen sich von der Krankenhausverwaltung schlecht informiert und im Stich gelassen. Ihrem Eindruck nach werde die Geburtenstation in Neu-Ulm auf Kosten der Illertisser Abteilung aufgerüstet, sodass von den in ihren Behandlungsmöglichkeiten gleich gestellten Stationen die Illertisser aufs Abstellgleis geschoben werden.

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„Sollte es wie vom damaligen Landrat Erich Josef Geßner versprochen um den Erhalt aller drei Kliniken gehen“, sagt Bettina Koderer, „wofür jeweils Schwerpunkte gesetzt wurden und intern keine Konkurrenz entstehen soll, läuft alles zugunsten von Neu-Ulm.“ Das sei aber beim Zusammenlegen der Häuser Illertissen, Neu-Ulm, Weißenhorn zur Kreisspitalstiftung anders geplant gewesen. Illertissen habe die Chirurgie abgegeben und im Gegenzug das neue Geburtenzentrum erhalten: „Wir besitzen drei Kreißsäle, einen Wehenraum, zwei Aufnahmen und jede Menge Platz“, sagen die insgesamt neun Hebammen. Als Gynäkologen stehen Dr. Martin Schlipf und Dr. Abdulkadir Aslan zur Verfügung. Die Raumkapazitäten in Illertissen gestatteten sogar eine kleine Kinderabteilung, die womöglich hätte ausgebaut werden können.

Ursula Wirth weiß, dass Schwangere die zentrale Lage innerhalb der Region und die unkomplizierte Erreichbarkeit ohne größere Ampelanlagen schätzten. „Ideal geeignet, wenn es schnell gehen muss und die Frauen im Privatauto kommen“, so Wirth, „über die oft verstopfte A7 ist die Anfahrt ungleich schwieriger.“ Je komplizierter der Weg, desto mehr würden Krankenwagen bestellt und damit blockiert für jene, die tatsächlich auf einen Transport angewiesen sind. Mehrgebärende, bei denen es schnell gehen kann, müssten ihr Kind im Krankenwagen zur Welt bringen, folgert Marianne Schmucker. Ursula Wirth nennt das Beispiel von Sylt, wo sich nach dem Schließen der Geburtenstation schwangere Mütter vier Wochen vor Entbindungstermin auf dem Festland einquartierten, um rechtzeitig das Krankenhaus zu erreichen. „Die Geburtenzahl in Illertissen ist seit 20 Jahren stabil und geht Richtung 700“, informiert Koderer, „wohin dann mit 700 Gebärenden?

Für den Standort Illertissen sprechen viele Gründe

Die Hebammen kennen viele gute Gründe, weshalb sich Illertissen als Schwerpunkt für eine „geburtshilfliche Abteilung“ eigne. Zum Beispiel auch, dass die kleinere Station in Neu-Ulm aus allen Nähten platze und vor der Erweiterung stehe, obwohl Illertissen noch Schwangere aufnehmen könne. „Im nördlichen Landkreis besteht mit Blick auf die Uniklinik Ulm in der Geburtshilfe eindeutig eine Überversorgung“, sagen die Hebammen, was zulasten des Südens gehe, wo Gebärende dann lange Wege in Kauf nehmen müssten. „Entweder steckt eine Absicht dahinter“, mutmaßen die Hebammen, „oder es handelt sich um Unvermögen der Verwaltung.“

Auch Dr. Schlipf hält sich mit seiner Meinung nicht zurück: „Es sind offenbar Entscheidungen der Krankenhausverwaltung, die längst getroffen wurden. Die Politik legt nur nach.“ Schlipf zieht eine negative Bilanz über die Jahre, seit in Illertissen zunächst der Grundstock für eine moderne ausbaufähige Geburtenstation gelegt wurde. 2005 hatte n das Klinikreformkonzept des ehemaligen Chirurgen Ralf Pinnau den Ausschlag gegeben. Doch dann vermisste der Gynäkologe die Rückendeckung von Seiten der Verwaltung. Zum Beispiel bei der Nachfolge des ausscheidenden Gynäkologen Hans-Georg Grimm. Schlipf hatte einen Interessenten für Illertissen gewinnen können, der aber plötzlich Chefarzt in der Donauklinik wurde. „Das ist für mich Abwerbung“, so Schlipf. Oder die wegen des in Rente gegangenen Anästhesisten neu zu besetzende Stelle, was bekannt war: „Bei Personalengpässen könnten Neu-Ulmer aushelfen.“ Dass jetzt Pinnau, wie berichtet, das eigene Gutachten erneut evaluierte, verwundert. Schlipf findet irritierend, dass niemand außer den Politikern Einblick in die Resultate bekommt.

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