Donnerstag, 29. Juni 2017

13. Mai 2016 21:00 Uhr

Illertissen

Hebammen kündigen, Geburtshilfe schließt: Schwangere in Tränen

Nach Kreistags-Entscheidung folgt der Eklat. Kliniken-Direktor Michael Gaßner sagt: „Es bleibt keine andere Wahl.“ Er hofft aber auf Wiedereröffnung

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Helfende Hände kurz vor einer Geburt: Ein solches Bild wird es ab kommendem Dienstag an der Illertalklinik nicht mehr geben. Alle Hebammen haben ihre gekündigt.
Foto: Fve Hpl Mjh/dpa

Donnerstag und Freitag waren es noch acht Babys, vom kommenden Dienstag an wird an der Illertalklinik keines mehr das Licht der Welt erblicken. Die Hebammen haben fristlos ihre Beleg-Verträge mit der Kreisspitalstiftung gekündigt, die Geburtshilfestation im Illertisser Krankenhaus muss geschlossen werden. „Wir haben keine andere Wahl“, sagt Stiftungsdirektor Michael Gaßner. Er hofft aber auch, dass es sich nur um eine vorübergehende Schließung handle. Das Klinikmanagement wolle nun in Gesprächen mit den Beleghebammen nach Möglichkeiten suchen, zusätzliches Personal für die Belegabteilung an der Illertalklinik kurzfristig zu gewinnen, erklärt Gaßner.

Welche Rolle spielte die Entscheidung des Kreisrats?

In einer Pressemitteilung teilte der Stiftungsdirektor am Freitag mit, alle noch an der Illertalklinik freiberuflich tätigen Hebammen haben am Tag nach der Entscheidung des Kreistages gegen den Aufbau einer Hauptabteilung „Geburtshilfe“ am Krankenhaus in Illertissen mit Wirkung vom 17. Mai, das ist der Dienstag nach Pfingsten, die außerordentliche Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses als Beleghebammen eingereicht. Weil Kolleginnen kurzfristig erkrankten, seien die noch arbeitsfähigen nun einer zu starken Arbeitsbelastung ausgesetzt. Für die Illertalklinik hat die Kreisspitalstiftung mit neun Beleghebammen Einzelverträge abgeschlossen. Neben einer längerfristigen Erkrankung seien nun noch zwei Hebammen kurzfristig krankheitsbedingt ausgefallen, bestätigt auch Gaßner. Wenn die verbliebenen sechs Kolleginnen sich nicht mehr in der Lage sähen, das anfallende Arbeitspensum ordnungsgemäß zu bewältigen, seien das wichtige Gründe für eine außerordentliche Kündigung, fügt er auf Nachfrage hinzu. Vertragsrechtliche Konsequenzen drohten den Hebammen aus ihrer außerordentlichen Kündigung deshalb wohl nicht.

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Inwieweit neben der Arbeitsbelastung auch die Entscheidung des Neu-Ulmer Kreistages vom Donnerstag gegen eine Geburten-Hauptabteilung an der Illertalklinik den Schritt der Hebammen beeinflusst hat, blieb gestern offen. Sie waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Diensthabenden an der Illertalklinik hatten wie schon am Tag zuvor alle Hände voll zu tun. Anfang des Jahres waren die Hebammen aber schon mit ihrer Sorge, die Geburtshilfe in Illertissen werde geschlossen, an die Öffentlichkeit gegangen. Mit der Entscheidung des Kreistages haben sich die Sorgen bestätigt. Die Verträge mit den beiden Belegärzten für die Illertisser Geburtshilfestation laufen Ende August aus und waren ohnehin nicht verlängert worden. Spätestens dann steht die Belegabteilung vor dem endgültigen Aus.

Dass es nun früher kommen kann, wenn es nicht bei der von Gaßner erhofften vorübergehenden Schließung bleibt, trifft vor allem die Frauen, die jetzt kurz vor dem Geburtstermin stehen. Belegarzt Dr. Martin Schlipf berichtete auf Nachfrage, er habe gestern werdende Mütter in der Sprechstunde sitzen gehabt, die ob der Nachricht von der Schließung in Tränen ausgebrochen seien. Diese Frauen werden auf Schlipfs ärztlichen Rat bauen können, müssen sich im Grunde aber selbst um eine andere Klinik umsehen, in der sie gebären können.

Kann die Geburtshilfestation wiedereröffnet werden?

Zur Kreisspitalstiftung gehören auch die Donauklinik in Neu-Ulm mit einer Geburten-Hauptabteilung und die Stiftungsklinik in Weißenhorn, in der es keine Geburtshilfe gibt. Gaßner fügt in seiner Presseerklärung hinzu, dass schwangeren Frauen auch in den Kliniken der Nachbarlandkreise und in Memmingen Hilfe zur Verfügung steht. Er bedauere den notwendig gewordenen Umstand der Schließung

Darüber hinaus mache er sich aber Hoffnungen, die Station baldmöglichst wiedereröffnen zu können. Der Klinikmanager will nun in Gesprächen mit den Beleghebammen nach Möglichkeiten suchen, zusätzliches Personal für die Belegabteilung kurzfristig zu gewinnen. „Dadurch soll eine neue vertragliche Grundlage mit den Beleghebammen geschaffen werden. Unser Ziel ist es, die geburtshilfliche Belegabteilung, deren Weiterbetrieb vorgesehen war, wieder in Gang zu setzen“, erläutert Gaßner.

Als ihm am Freitag eine Sprecherin der Hebammen alle Kündigungen überreichte, will Gaßner Signale vernommen haben, wonach die Hebammen bereit wären, neue Verträge mit der Stiftung abzuschließen oder gar die Kündigung zurückzuziehen, sollte sich der akute Personalmangel in Illertissen beheben lassen. Deshalb die Vereinbarung, gemeinsam nach zusätzlichen Hebammen zu suchen. Laut Gaßner wird das nicht einfach. Es mangelt an Hebammen. Die Situation ist so angespannt, dass der Klinikmanager als Vertreter der Donauklinik vermutlich nicht Nein sagen würde, sollte sich eine der Illertisser Hebammen in Neu-Ulm bewerben. Er deutet zudem an, dass das Ende der Belegarzt-Verträge nicht zwangsläufig das Aus der Illertisser Geburtshilfe bedeuten müsse. „Wie es dort weitergeht, wird auch Gegenstand der Strategiediskussion sein.“ Die Schließung stehe im Raum. Es könne aber auch die Entscheidung fallen, neue Belegärzte zu finden.

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Ein Artikel von
Ralph Patscheider

Illertisser Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten Illertissen

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