Senden Unter Eltern, deren Kinder die Sendener Engelhart-Grundschule besuchen, herrscht Unruhe. Grund ist eine Drittklässlerin muslimischen Glaubens, die offenbar bereits ein Kopftuch tragen muss. Ihre Mutter sei bei der morgendlichen Verabschiedung vor der Schule in eine Burka gehüllt. "Nur die Augen blitzen unter dem Ganzkörperschleier hervor, das ist fast unheimlich", berichtet eine Sendenerin. Die Familie des Mädchens wird als "extrem religiös" beschrieben. Von Andrea Stölzle
Von Andrea Stölzle und Bernhard Junginger
Das Tragen eines Kopftuchs schon vor der Pubertät gilt auch bei Muslimen in Deutschland als äußerst ungewöhnlich. Und in Frankreich wird über ein Verbot der Burka diskutiert. Laut der Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz (Grüne) ist dies bayernweit der erste derart gelagerte Fall, sie spricht von einer "sehr ungewöhnlichen Angelegenheit". Nur in weiterführenden Schulen sei das Problem bislang aufgetaucht.
Im Unterricht trägt das Kind das Kopftuch aber offenbar nicht - nur vor und nach der Schule. Das bestätigt Schulleiterin Sylvia Wawra auf Anfrage unserer Zeitung. Welche Kleiderordnung bei dem Mädchen zu Hause gelte, das könne sie nicht beeinflussen, so die Rektorin. Entgegen anderslautender Aussagen gebe es aber kein "Dekret" der Schule, wonach der Neunjährigen das Tragen des Kopftuches während der Schulzeit verboten würde. "Das dürften wir gar nicht", so Sylvia Wawra. Aber selbst, wenn es so wäre: "Ich hätte keine Handhabe. Bei uns herrscht Religionsfreiheit." Gleichwohl ist sie froh darüber, "den Fall so noch nicht zu haben".
Klar ist: Die nicht-muslimische Mehrheitsgesellschaft in Deutschland interpretiert das Kopftuch in der Regel als Symbol, das für die patriarchalische Unterdrückung der Frau oder auch für muslimischen Fundamentalismus steht.
Kinder sollen nicht ausgegrenzt werden
An der Engelhart-Schule hat von 370 Kindern gut die Hälfte einen Migrationshintergrund. Ein Grund, wieso in Pädagogenkreisen mit dem Thema Islam auch sehr umsichtig, aber wachsam umgegangen wird. "Wir bohren da nicht zu tief", sagt Sylvia Wawra. Schließlich wolle man es den Kindern nicht unnötig schwer oder sie gar zu Außenseitern machen. "Das Verhalten ist sehr einfühlsam und verantwortungsvoll", sagt die Grünen-Abgeordnete Ekin Deligöz. Die Sendener Bundestagsabgeordnete ist gegen das zwanghafte Verordnen des Kopftuches bei Mädchen. Sie fordert klare Aussagen der Schulbehörden. "Das würde unseren Lehrern manches erleichtern."
Für Mutmaßungen, dass die Eltern des kleinen Mädchens der umstrittenen Organisation Milli Görüs angehören, gibt es keine Belege. Die islamische Gemeinschaft unterhält nahe der Grundschule ein Kulturzentrum. In Senden werden derzeit auch von kommunalpolitischer Seite die Augen aufgehalten, was das Neubauvorhaben eines der drei türkischen Vereine Sendens betrifft. Der "Islamische Kulturverein" plant in der "Herrnmühle" die Einrichtung eines Schülerwohnheims, einer Art Koranschule.
Weil das Gebäude aber dem in Köln ansässigen Verband des Islamischen Kulturzentrums (VIKZ) gehört, ist das Vorhaben umstritten. "Da müssen die Alarmglocken schrillen", sagte zum Beispiel Grünen-Stadtrat Helmut Meisel. Der Lehrer und Stiefvater von Deligöz betrachte die Entwicklung in Senden mit Sorge - auch was das Tragen von Kopftüchern durch Schülerinnen angehe.
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