Freitag, 21. Juli 2017

19. Juni 2017 20:00 Uhr

Neu-Ulm

Mit einem Klick auf den OP-Tisch

Eingriffe werden in der Donauklinik neuerdings aufgezeichnet. So haben Patienten die Möglichkeit, Operationen nachzuverfolgen.

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Drei Bildschirme, zwei Operationsinstrumente und eine Paprika als Untersuchungsobjekt: Bei der Vorstellung des modernisierten OP-Saals in der Donauklinik wurde nur am offenen Gemüse operiert.
Foto: Alexander Kaya

Der Patient wacht aus der Narkose auf. Wie im Nebel nimmt er seine Umgebung wahr. Die Zwei-Stunden-Operation ging vorbei wie ein Wimpernschlag. Doch was ist in dieser Zeit mit ihm passiert? Lief die Operation gut? Gab es Komplikationen? In Neu-Ulm können Patienten künftig ganz genau sehen, wie an ihnen herumgedoktert wurde: Denn die Donauklinik setzt ein neues System ein, mit dem es möglich ist, die OP als Video an die Patienten zu verschicken. Mit diesem Rundum-Sorglos-Paket aus Befunden und Videos auf das Smartphone, ist die Donauklinik Vorreiter in Deutschland.

Künftig können Patienten – sofern sie es wollen – beobachten, wie ihnen beispielsweise der Blinddarm entfernt wurde. Einen Blick in den gesamten OP-Saal oder Tonaufnahmen bekommen sie dabei aber nicht, sagt Dominic Varga, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Donauklinik. Das sei nicht möglich. Zumindest noch nicht. Die Patienten bekommen Mitschnitte der Operationsschritte – das, was die Ärzte während der OP sehen, sehen dann auch die Patienten.

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Die Videoclips haben eine Länge von rund 30 Sekunden. Die operierten Personen bekommen „die wichtigsten Facetten“ zu sehen, betont Varga. Das liege aber nicht am Unwillen der Ärzte, sondern an den technischen Bedingungen. Eingriffe dauern oft mehrere Stunden. Zudem seien die Aufnahmen in „Ultra High Definition“ – also in einer sehr hohen Auflösung. „Es entstehen zu hohe Datenmengen“, sagt der Gynäkologe. Daher kann keine ganze Operation an den Patienten gesendet werden.

Dennoch werde der Eingriff in voller Länge dokumentiert. Die Aufnahmen werden laut Varga im Krankenhaus gespeichert und gehen nicht verloren.

Die Videos werden bei sogenannten minimal-invasiven, chirurgischen Eingriffen erstellt. Das sind Operationen, bei denen die Haut und das Gewebe nur an kleinen Stellen aufgeschnitten wird. Durch diese sogenannten Schlüsselloch-Öffnungen können die Ärzte die Instrumente einführen.

Auf diese Weise werden beispielsweise Blinddärme entfernt oder Bauchdeckenbrüche behandelt. Mithilfe von Videoendoskopen – den Geräten, mit denen man Bilder aus dem Inneren eines Menschen machen kann – werden die Videos aufgenommen.

Werden statt Fotos vom Urlaub, bald Bilder vom entfernten Blinddarm auf Facebook, Instagram und Co. gepostet? Was die Patienten nach der Operation mit dem Video- und Bildmaterial machen – das ist jedem selbst überlassen, sagt Gynäkologe Varga. Wer also mag, kann sein absolut Innerstes in den Sozialen Medien offenbaren. Und wer seinen Eingriff nicht als Video dokumentiert haben will – der müsse dem auch nicht zustimmen. „Wir wollen den Menschen einfach einen Mehrwert und Transparenz anbieten“, sagt Varga.

Nicht nur Patienten würden von der neuen Technik im modernen Operationssaal profitieren: Auch für Ärzte sind die Videoaufnahmen von Nutzen – besonders als Absicherung. „Falls während der OP etwas schief geht, haben der Patient und der Chirurg Videoclips und Bilder als Beweismittel zur Verfügung“, erläutert Varga und verweist auf etwaige Rechtsfolgen: Operationsberichte hätten oftmals nicht genügend Aussagekraft vor Gericht, Videomaterial schon. Zudem sichert es auch die Ärzte gegen Pfusch-Vorwürfe ein Stück weit ab.

Und den Patienten helfen die Befunde und das Videomaterial auf dem Weg zur Genesung: Er bekommt nach Angabe seiner E-Mail-Adresse oder Handynummer alle Befunde, Erkenntnisse zum Krankheitsverlauf oder die gewünschten OP-Videos und kann damit andere Ärzte konsultieren.

Somit hat der Behandelte immer alle Dokumente vom Krankenhaus auf Handy und Co. Ein Klick genügt und schon kann er anderen Ärzten seine Krankheitsgeschichte anhand der Dokumente zeigen.

Bei all den technischen Möglichkeiten, gibt es aber auch rechtliche Einschränkungen: Live zuschauen, wie dem kleinen Sohn der Blinddarm entfernt wird – das gehe noch nicht, sagt Varga. Ein solches „Video-Happening“ sei aufgrund der Datenschutzgrundlage in Deutschland nicht erlaubt.

Gynäkologe Varga würde es aber begrüßen, falls damit die Sicherheit für den Patienten erhöht werden könne. „Ich hätte kein Problem damit, wenn man mir in Echtzeit auf die Finger schauen würde.“

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Ein Artikel von
Dorina Pascher

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin

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