Samstag, 18. November 2017

02. November 2017 07:00 Uhr

Weinried

Nach der Revolution ging es in die Idylle

Simida Grillinger träumte schon als Kind davon, ihr Heimatland Rumänien zu verlassen. Nun wohnt sie in Weinried – und erzählt, was sie an ihrem Neubeginn schätzt. Von Claudia Bader

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Seit rund 14 Jahren lebt die gebürtige Rumänin Simida Grillinger nun in Weinried.
Foto: Claudia Bader

In ihrem Pass steht der Vorname Simida. Da dieser in Deutschland aber kaum bekannt und schon gar nicht geläufig ist, wird die gebürtige Rumänin von allen nur Nina genannt. „Das passt viel besser zu mir und dem Land, in dem ich seit fast 14 Jahren lebe“, sagt Nina Grillinger. Die Ehefrau und Mutter von drei Kindern hat sich im dörflichen Leben von Weinried sowie in der Umgebung voll integriert. „Ich bin jetzt hier zu Hause und fühle mich mit meiner Familie glücklich und zufrieden.“

Schon als Kind träumte sie davon, ihr Heimatland irgendwann zu ver-lassen und nach Amerika auszuwandern. Dort leben mittlerweile acht ihrer zwölf Geschwister, verrät die 37-Jährige. Dass sie die deutsche Sprache fast akzentfrei spricht, habe sie in erster Linie ihren Eltern zu verdanken. Diese sind nach der von Demonstrationen und blutigen Kämpfen begleiteten Revolution in Rumänien im Jahr 1989 mit ihren Kindern nach Deutschland geflohen. Bei ihren Aufenthalten in Berlin, Braunschweig sowie Calw im Schwarzwald wurden Simida und ihre Geschwister an den örtlichen Schulen unterrichtet. „Als wir später wieder nach Rumänien zurück mussten, durften wir dort eine der besten deutschen Schulen besuchen. Unsere Eltern haben darauf bestanden und uns jeden Tag hingefahren und wieder abgeholt.“

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Gerne erinnert sich die junge Frau an ihre Kindheit. „Da unserer Familie nur eine Drei-Zimmer-Wohnung zur Verfügung gestanden hat, habe ich gemeinsam mit sieben Geschwistern in einem Zimmer geschlafen“, erzählt sie. Diese räumliche Nähe hätten sie und ihre Brüder und Schwestern aber nicht als beengend, sondern als sehr schön und bereichernd empfunden. „Unsere Eltern konnten uns nie große Geschenke machen. Aber sie haben uns ganz viel Zeit geschenkt.“

Ihren deutschen Mann habe sie kennengelernt, als dieser 2005 mit Freunden per Motorrad in ihrer rumänischen Heimatstadt unterwegs war. „Alexander liebt Rumänien und hat dort schon oft Urlaub gemacht. Ich habe mich gleich in ihn verliebt und nachdem ich ihn meinen Eltern vorgestellt habe, wurde bald geheiratet.“ Die Hochzeit wurde mit beiden Familien sowie Verwandten in Rumänien mit einem großen Fest gefeiert.

Anschließend ist Simida Grillinger mit ihrem Ehemann in dessen Haus nach Weinried gezogen. „Im Gegensatz zu meiner früheren Heimat, der Großstadt Cluj-Napoca (Klausenburg), in der immer viel Rummel und Hektik herrscht, ist es hier im Unterallgäu ruhig und idyllisch“, schwärmt sie.

Seit der Geburt ihrer drei Kinder, die heute neun, sechs und vier Jahre alt sind, steht die Familie bei Grillinger im Mittelpunkt. Nachdem sie in Rumänien den Beruf der Masseurin erlernt hatte, habe sie in Deutschland Fortbildungen in diesem Bereich absolviert. „Aber mein Mann und ich halten uns an die klassische Rollenverteilung: Während er das Geld verdient, kümmere ich mich um Familie und Haushalt und halte ihm den Rücken frei.“ Langweilig ist es ihr dabei nicht: „Ich habe viel Zeit für meine Kinder. Weil wir keinen Fernseher haben, sind wir viel im Freien und lieben gemeinsame Unternehmungen.“ Grillinger engagiert sich zudem im Elternbeirat des Kindergartens Oberschönegg sowie als Klassenelternsprecherin der Grundschule Babenhausen.

Da ihr Mann und die Kinder rumänisches Essen lieben, kommen bei der Familie oftmals Spezialitäten aus ihrer alten Heimat, zum Beispiel deftige Suppen mit Gemüse und Fleischeinlage, auf den Tisch. „Aber ich koche auch gern bayerische Kässpatzen“, sagt Grillinger. An Deutschland gefällt ihr, dass alles viel unkomplizierter und schneller geht als in Rumänien. Dort müsse man für die Anmeldung eines Autos mit einer Wartezeit von rund einem Monat rechnen. „Wenn man in Deutschland zum Arzt muss, kommt man in der richtigen Reihenfolge im Wartezimmer dran und muss dafür niemandem Trinkgeld zustecken.“ Wenn Alexander Grillinger ab und zu auf dem Motorrad nach Rumänien fährt, bleibt die glückliche Mutter und Hausfrau lieber daheim. „Ich bin jetzt deutsche Staatsbürgerin und fühle mich in meinem Zuhause sehr wohl“, sagt sie.

Unsere Serie „Angekommen“: Mit einem Umzug über Staatsgrenzen hinweg beginnt oft ein neues Leben: Die Gründe, die Heimat zu verlassen, sind vielfältig, der Schritt ist meist gut überlegt. Doch es fällt schwer, das Gewohnte hinter sich zu lassen und in eine ungewisse Zukunft zu gehen. In unserer Serie „Angekommen“ stellen wir Menschen vor, die es trotzdem gewagt haben – und die in der Region eine neue Heimat gefunden haben. Hier geht es um ihre Geschichten, ihre Schicksale und Leidenswege.

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