Der Raketenunfall beim Funkenfeuer des Trachtenvereins zieht immer weitere Kreise. Jetzt ermittelt die Sendener Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft Memmingen gegen die Verantwortlichen der "Unterillertaler" wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Von Roland Ströbele
Walter Wörtz, Vorsitzender des Trachtenvereins, wird in den nächsten Tagen bei der Sendener Polizei erklären müssen, wie es am vergangenen Sonntag zu dem tragischen Unfall beim traditionellen Funkenfeuer in Senden kommen konnte.
Dr. Johannes Kreuzpointner, Leitender Oberstaatsanwalt aus Memmingen, bestätigte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, dass Ermittlungen gegen die Verantwortlichen der Unterillertaler eingeleitet worden sind. Nach bisherigen Erkenntnissen sei es wahrscheinlich, dass sich die Verstöße im Bereich einer Ordnungswidrigkeit bewegten.
Dies bestätigte auch Sendens Polizeichef Klingler. Die Polizei habe aus den Medien von dem Zwischenfall erfahren. Nun laufen die Befragungen von Betroffenen und Zeugen an. "Wir müssen klären, ob strafbare Handlungen vorliegen", sagte Klingler. Dazu würden die Eltern des Babys, Feuerwehrleute und natürlich Vereinsmitglieder befragt.
Wie berichtet, hatte beim Funkenfeuer in Senden am vergangenen Sonntag ein Windstoß die Hexe auf dem brennenden Holzhaufen in eine waagrechte Position geblasen. Dabei fingen die Zünder einer Batterie von Feuerwerksraketen Feuer. Nach Augenzeugenberichten schossen gut ein Dutzend solcher Raketen in Richtung der Zuschauer. "Das sah aus und hörte sich an wie Stalingrad, links und rechts detonierten die Raketen", schilderte ein Teilnehmer das, was er in den fraglichen Augenblicken auf dem Gelände an der Hittistetter Straße sah. Eine davon traf in einen Kinderwagen und explodierte dort. Ein knapp einjähriges Mädchen erlitt dabei Brandwunden im Gesicht und am Auge. Glücklicherweise sind die Verletzungen aber nicht so schwer, dass mit bleibenden Schäden gerechnet werden muss. Die Eltern des Babys haben sich inzwischen einen Rechtsanwalt genommen, der ihnen bei etwaigen Schadensersatzansprüchen juristisch zur Seite stehen soll.
Wie berichtet, haben die Verantwortlichen des Trachtenvereins nach Aussagen von Besuchern der Brauchtumsveranstaltung gleich reihenweise gegen geltende Vorschriften und Auflagen der Stadt verstoßen. In einer von der Sendener Stadtverwaltung erlassenen Auflage heißt es, der Veranstalter müsse Sicherheitsabstände zu Personen einhalten. Das war nicht der Fall.
Nach Aussagen einer Mutter kamen Kinder bis auf vier Meter an das Feuer heran. Die Feuerwerkskörper hätte im Holzstoß des Funkenfeuers so befestigt werden müssen, dass sie nur senkrecht nach oben anstrahlen können. Dies war offenkundig nicht der Fall. Walter Wörtz war es nach Auskunft aus Kreisen des Trachtenvereins selbst, der die Raketenbatterie befestigt hat. Allerdings gebe es noch keine Anhaltspunkte darauf, dass er dabei die notwendige Sorgfalt nicht hat walten lassen. "Wir haben das so gemacht wie in den vergangenen Jahrzehnten auch", sagte ein Mitglied des Trachtenvereins, der die ganze Aufregung nicht verstehen kann. Ein Unfall, wie er sich am vergangenen Sonntag zugetragen hat, könne nie ganz ausgeschlossen werden. Und glücklicherweise hätten sich die Verletzungen im Gesicht des Babys als nicht so schlimm herausgestellt.
Bei der Beurteilung des Zwischenfalles dürfe nicht vergessen werden, dass die Unterillertaler dieses Feuer nicht ausschließlich für die eigenen Mitglieder abbrennen, sondern für die Gesamtbevölkerung Brauchtumspflege betreiben. Dass dies bei der Bevölkerung sehr ankomme, beweisen die jährlich sehr hohen Besucherzahlen.
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