Wetter
Sa.
21°C
Wetter
So.
21°C

18. August 2009 19:00 Uhr

Schimmel macht dem Münster zu schaffen

Ulm Es schimmelt im Ulmer Münster: Der heilige Valentin sieht arg mitgenommen aus. Schimmel macht dem hölzernen Schutzpatron der Epileptiker aus dem Jahr 1492 zu schaffen. Auch das benachbarte Ölgemälde aus dem 16. Jahrhundert leidet unter Pilzbefall. "Wir machen uns schon etwas Sorgen", sagt Tabea Frey, die Münsterpfarrerin.

Der Hauptgrund für die Schimmelproblematik liegt in der Anziehungskraft der Kirche mit dem höchsten Kirchturm der Welt: Bis zu 800 000 Menschen pilgern jährlich durch das Baudenkmal und sorgen so für eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. "Ab 80 Prozent wird's kritisch", sagt Tabea Frey. An trockenen Tagen kein Problem. Doch wehe es regnet und die Ulm-Touristen fliehen in das Kirchenschiff.

Im Staub Partikel von den Münsterbesuchern

ANZEIGE

Verglichen mit dem Kölner Dom ist der Andrang im Ulmer Münster geradezu beschaulich: Allein 2008 waren es wieder sechs Millionen Besucher. Sie tragen allerlei Partikel in den Dom. Das hat die Analyse einer acht Millimeter dicken Staubschicht auf einem Chorpfeiler ergeben. Kölner Verhältnisse herrschen (noch) nicht im Ulmer Münster. Doch auch hier hinterlassen die Besucher Spuren: Die Feuchtigkeit macht nicht nur Holzstatuen, Gemälden und Wänden zu schaffen. Auch die Orgeln leiden: "Regelmäßig fallen ganze Pfeifenreihen aus", so Frey.

Das Problem mit der Feuchtigkeit hat wiederum Auswirkungen auf die Reinigung des Gesamtbauwerks. Die zwei Reinigungskräfte müssen ihren Einsatzplan genau nach Wind, Wetter und Luftfeuchtigkeit abstimmen, um nicht unnötig zusätzliches Nass in Umlauf zu bringen. Wobei sich die Reinigung hauptsächlich auf den original erhaltenen Boden aus dem 14. Jahrhundert und die Bänke beschränkt. Der Rest bleibt - aus Angst vor Schäden durch zu viel Reinlichkeit - fast gänzlich ungeputzt.

Der Traum jeder Hausfrau: das Annen-Marien-Fenster. Seit 1390 ungeputzt, doch trotzdem strahlt es bei Sonnenschein. Nur einmal jährlich wird das berühmte Chor-Gestühl aus dunklem Eichenholz (1469 bis 1474) mit einer hauchzarten Pfauenfeder abgewedelt. "Es streiten sich die Gelehrten, ob Schmutz und Patina vielleicht auch konservierend wirken", sagt die Münsterpfarrerin. Weniger vorsichtig wird mit dem Müll der Besucher umgegangen.

In der Kirche benehmen sich die Touristen jedoch respektvoll und verhalten. Zwar finden sich immer wieder klebrige Kaugummis, Taschentücher oder Plastikbecher unter den Kirchenbänken, doch sei die grobe Müllentsorgung kein größeres Problem. Auf dem Kirchturm sieht das aber anders aus, beklagt die Pfarrerin. Hier verliert sich offenbar der Respekt vor Sakralbau und Gotteshaus. Die Kirchturmwärter Jürgen Schnittker und Dieter Bitschenauer kommen kaum hinterher die Hinterlassenschaften aufzulesen, die auf 768 Stufen und drei Aussichtsplattformen tagtäglich liegen bleiben.

Eine Lösung ist nicht in Sicht, schließlich freuen sich die Verantwortlichen der Kirche, dass das Münster so ein Massen-Magnet ist. In Sachen Schimmel werde die Kirchen-Gemeinde wohl nicht drumherumkommen, (teure) Restauratoren zurate zu ziehen. Eine kurzfristige Besserung, so Frey, brächte die Befreiung des heiligen Valentins. Denn der schimmelt hinter Glas, wo sich die Sporen auf dem Altar besonders gut - ganz ohne Zugluft - ausbreiten können.

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren

Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Anzeige
Saturn Senden

Schlagzeilen aus der Nachbarschaft

Neu in den Leserblogs
Veranstaltungen vom 26.05.2012
Aktuell meist gesucht

Feuerwehr | Au | Fasching | Augsburg | 2011 | unfall


Adressen für Ihre Gesundheit

Adressen für Ihre Gesundheit

Partnersuche