500 Halbkreisreflektoren werden zurzeit an ausgewählten Leitpfosten angebracht. Der Zweck: Die Jägerschaft der Kreisgruppe Memmingen will damit die Zahl der Wildunfälle minimieren und sowohl Autofahrer als auch das Schalenwild schützen. Denn Blau ist für das Wild eine absolute Schreckfarbe.
Von Armin Schmid
Kellmünz-Osterberg - 500 Halbkreisreflektoren werden zurzeit an ausgewählten Leitpfosten angebracht. Der Zweck: Die Jägerschaft der Kreisgruppe Memmingen will damit die Zahl der Wildunfälle minimieren und dadurch sowohl Autofahrer als auch das Schalenwild schützen. "Blau ist für das Wild eine absolute Schreckfarbe", erläuterte der Zweite Vorsitzende der Kreisgruppe, Wolfgang Höß aus Osterberg. Die Reflektoren hätten in ausgewählten Revieren Wildunfälle um rund 65 Prozent reduziert. Zwar sind die Reflektoren nur bei Nacht wirksam, doch der überwiegende Teil der Wildunfälle ereignet sich in der Dämmerung oder Dunkelheit.
Pro Jahr passieren fünf bis zehn Unfälle
"Bei uns passieren im Jahr fünf bis zehn Wildunfälle", berichtete der passionierte Jäger an einer der unfallgefährdeten Strecke im Waldstück an der Landkreisgrenze zwischen Kellmünz und Pleß.
Dabei sei es möglich, dass junge Muttertiere oder auch ein trächtiges Reh getötet werden. "Das tut einem schon weh, wenn man ein totes Muttertier im Straßengraben liegen sieht und weiß, dass die Rehkitze nun mutterlos sind", fügte Wolfgang Höß an.
Insgesamt 200 Reflektoren hat die Jägerschaft der Kreisgruppe Memmingen zur Verkehrssicherheit und zum Schutz von Rehen und Wildschweinen mittlerweile auf eigene Kosten angebracht. Zuschüsse für diese Aktion gibt es laut Wolfgang Höß nicht.
Die Anzahl der Wildunfälle im Unterallgäu beziffert Andreas Ruepp, der Vorsitzende der Kreisgruppe auf rund 1000, die Kosten in diesem Zusammenhang beliefen sich auf rund 200 000 bis 250 000 Euro. Glücklicherweise komme es zwar nur selten zu Personenschäden, allerdings schlagen sich die Wildunfälle in der Regionalklasse der Autoversicherer nieder und treiben so die Kosten für die Autoversicherung in die Höhe.
Anstelle von Wild-Warnschildern, die von den Autofahrern kaum beachtet werden, hält Wolfgang Höß es für wünschenswert, dass die Straßenbaubehörde gleich spezielle Straßenpfosten mit vormontierten Wild-Warnreflektoren anbringt.
"Das wäre ein durchgehender, wirksamer Schutz gegen Wildunfälle", fügte Höß an. Im Übrigen betonte er, müssen Beteiligte eines Wildunfalls eine unmittelbare Unfallmeldung an die zuständige Polizeiinspektion oder den zuständigen Jäger weiterleiten. Wer dies nicht tut, müsse mit Bußgeld oder einer Anzeige rechnen. Wichtig sei es auch, die Unfallstelle mit einem Tuch oder Band zu markieren, um den Unfallort bei Nacht wieder finden zu können und so dem Jäger eine Nachsuche nach dem verletzten Wild zu erleichtern. Der Unfallverursacher erhalte auch eine Bescheinigung zur Vorlage bei der Teilkaskoversicherung.
An Gefahrenstellen müssten Autofahrer abblenden und hupen
Ansonsten rät der Jäger, an Gefahrenstellen langsamer zu fahren, das Wild nicht durch Fernlicht zu blenden, sondern abzublenden und zu hupen. Besondere Gefahren gehen von Maisfeldern, die bis an die Straße heranreichen und von Böschungen, an denen der Autofahrer das Wild erst spät erkennen kann, aus. Gerade die aktuell beginnende Maisernte sorge beim Wild durch das plötzliche Verschwinden der Wildeinstände für Verwirrung und Orientierungslosigkeit.
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