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25. September 2008 19:35 Uhr

Gesundheit

Schulterschluss zwischen Arzt und Patient gefordert

Call Center, gläserner Patient oder kein Hausarzt mehr - Horrorszenarien oder bald Wirklichkeit? Darüber wollten sich rund 500 Besucher in Vöhringen informieren, die der Einladung von Ärzten und Apotheker aus dem Umkreis zu einer Kundgebung auf dem Hettstedter Platz gefolgt waren. Von Ursula Katharina

Schulterschluss zwischen Arzt und Patient gefordert
Foto: ALFA

Mit Humor geht bekanntlich alles besser. Das hatten die Mediziner wohl im Sinn, um über bestehende Verhältnisse und anstehende Veränderungen im Gesundheitswesen zu informieren. Doch bevor gelacht werden durfte, ging Renate Hartwig hart zur Sache: Gesundheitsreform bedeutet für sie "die schamlose Zerstörung des Arztgeheimnisses", die Ausbeutung von Schwestern, Krankenpflegern und jungen Ärzten, die Auslieferung von Patienten als "Kunden" an rendite-orientierte Gesundheitskonzerne und schlichtweg das Aus für den Haus- und Facharzt. Hartwig stellte die Politik an den Pranger, denn die treibe freie Ärzte "bewusst in den Ruin." Sie sieht einen Keil zwischen Arzt und Patient, zum Beispiel durch Hetzparolen "Höhere Arzthonorare treiben Kassenbeiträge in die Höhe."

Als Skandal bezeichnete die Buchautorin, dass an Krebs erkrankte Menschen, denen nicht mehr geholfen werden kann, die notwendigen Medikamente versagt blieben. Sie sieht amerikanische Verhältnisse voraus, wo Gesundheit zu einem einträglichen Markt geworden sei. Sie nahm sich auch die Krankenkassen vor, die "Glaspaläste" für ihre Verwaltungszentren errichten und dann die Zahlung von vernünftigen Windeln für Menschen, die von Inkontinenz betroffen sind, verweigern. "Das ist kriminell." Hartwig: "Der politische Wille soll dem Volk aufgedrückt werden. Das ist keine Demokratie, sondern Demokratur. Für Hartwig ist klar, "Deutschland ist auf dem Weg, eine Bananenrepublik zu werden. Mediziner stehen mit dem Rücken zur Wand." Ihr Appell: Üben Sie Schulterschluss mit ihren Ärzten, Fachärzten und auch mit den Angestellten der Arztpraxen. Hartwig fordert Solidarität mit jungen Ärzten ein und nennt die bundesweite Aktion "Wir für Euch." Der Beifall war ihr sicher, nicht zuletzt, weil sie ihre Rede mit schwäbischen Kraftausdrücken würzte.

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Subtil hingegen die Ironie von Internistin Dr. Isengard Lange in einem Sketch. Dafür war sie in die Rolle von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt geschlüpft, mit nasaler Stimme und unverkennbar rheinischem Zungenschlag. Ludwig Daikeler, Betriebsratsvorsitzender bei Wieland, führte das Interview. Frage: "Wie soll der alte oder kranke Patient ohne Fahrgelegenheit den Arzt seiner Wahl erreichen?" Antwort: "Das haben wir überflüssig gemacht mit der Einrichtung von Call Centern. Vom heimischen Herd, im Lehnstuhl sitzend, kann der Kranke auf bequeme Art kostenlos ein geschultes Expertenteam erreichen und kompetente Hilfe erreichen."

Wie¿s dann im Call Center per Telefon funktioniert, war die nächste Szene mit Alexandra Staiger und Silke Köhler: "Ich habe Sie nicht verstanden, drücken Sie bitte beim Schmerz rechts oben die 5".

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