Ulm Tor für Ulm, Beifall von den Rängen. Ränge ist gut - die leicht bekleideten Zuschauer sitzen am Boden, auf Stühlen oder stehen am Beckenrand. Letztere haben einen perfekten Überblick, können aus ihrer erhöhten Position das Geschehen im Wasser bestens verfolgen. Erleben, wie ein Ulmer Kanupolo-Spieler geschickt am zur Abwehr hochgerissenen Paddel eines Gegners vorbei das Runde zur 1:0-Führung ins Eckige wirft. Wie die Stuttgarter nicht lange lamentieren, sondern sich den Ball schnappen und einen Gegenangriff starten. Der schon in der Mitte des nassen Spielfeldes abgeblockt wird. Der nächste Ulmer Angriff aufs Stuttgarter Tor bleibt erfolglos. So einfach ist das nicht. Kanupolo ist kein Kinderspiel. Von Stefan Kümmritz



Das Becken des Junginger Bundeswehr-Hallenbads, vor allem in der kalten Jahreszeit Heimat der Kanupolospieler von den Ulmer Paddlern, ist eigentlich zu klein für diesen rasanten, feuchten Sport. Das macht aber nichts, da wird eben die Anzahl der Spieler in einem Team von eigentlich fünf auf vier reduziert. Bei gefühlten 30 Grad und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit bleibt im Bad nichts trocken und die im Wasser sind sowieso nass. Denn beim Kampf um den Ball spritzt es mächtig und mitunter kippt ein Kanu, sodass dessen Fahrer Kopf und Oberkörper unters Wasser bekommt. Die Könner befreien sich mit einer Eskimorolle aus dieser misslichen Lage und die Anderen kommen auch irgendwie wieder hoch. "Es ist noch keiner beim Kanupolo ertrunken", sagt Dr. Markus Fakler von den Ulmer Paddlern.
Kanupolo ist ein recht exotischer Sport, aber es scheint Spaß zu machen. "Das ist eine sehr schnelle Sportart", sagt Steffan Intemann, Betreuer und auch ein bisschen Trainer der Ulmer Kanupolo-Spieler. "Man muss sehr wendig sein, eine gute Fahrtechnik besitzen und Ausdauer haben." Dazu muss man selbstverständlich schwimmen können, braucht Ballgefühl, Einsatzbereitschaft und Teamgeist. Das ist eigentlich alles ...
Von den Ulmer Paddlern spielen 20 Kanupolo und das mit großer Leidenschaft. In der warmen Jahreszeit draußen auf einem stehenden Gewässer, vom beginnenden Herbst an, wenn es draußen ungemütlich und vor allem früh dunkel wird, geht es ins Hallenbad nach Jungingen. "Draußen trainieren wir einmal in der Woche, im Hallenbad nur einmal in 14 Tagen, weil es so ausgelastet ist, dass wir nicht öfter reinkommen."
Es ist sowieso großartig, dass die Kanupolo-Spieler diese Trainingsmöglichkeit haben. "Es gibt kaum Bäder, die wir nützen können", erläutert Dr. Fakler. "Das Bundeswehr-Bad ist für uns ideal, auch wenn das Becken etwas klein ist. Vor allem dürfen wir wie noch andere Nutzer eben auch rein." Das Bad muss ja auch belebt werden, schließlich verursacht es Kosten. "Tagsüber ist es ausgelastet", bestätigt Schwimmmeister Karl Striebel, "und abends wird es von Sportvereinen genutzt. Die Paddler sehe ich gerne hier. Mit denen habe ich noch nie Probleme gehabt."
Die Ulmer Kanupolospieler sind ein munteres Völkchen. Ihnen macht das Spiel im Wasser, das mit dem Polo zu Pferde herzlich wenig zu tun hat, sondern ans Wasserball angelehnt ist, mächtig Spaß - und sie betreiben es mehr oder weniger auch nur zum Spaß. Während Dr. Fakler das erklärt, packen zwei Burschen ein Mädchen an Armen und Beinen und schleudern es in die Fluten. Natürlich nur zum Spaß. Die Ulmer nehmen auch an Wettkämpfen teil und mit besonders großem Engagement am eigenen Herbstturnier, das sie in diesem Jahr schon zum vierten Mal im Junginger Bundeswehrbad austrugen. Da kamen 16 Mannschaften von 13 Vereinen. "Die Nachfrage war riesig", so Dr. Fakler. "Wir mussten sogar Mannschaften eine Absage erteilen, sonst hätten wir das Turnier zeitlich nicht über die Bühne gebracht."
In einer regelrechten Liga spielen die Ulmer nicht mit. "Da reicht unser Niveau aufgrund der begrenzten Trainingsmöglichkeiten nicht ganz", gesteht Steffan Intemann. "Es gibt eine Bundesliga für die Asse und darunter noch zwei weitere Ligen. Dann finden natürlich auch noch Turniere statt. Bei denen lernt man andere Mannschaften kennen. Die Atmosphäre in unserem Sport ist eine besondere. Kanupolo ist vor allem über die Universitäten bekannt geworden. Es gibt viele Studentenmannschaften. Und der Sport ist für Frauen und Männer gleichermaßen geeignet. Wir selbst sind auf der Suche nach weiteren Damen, die mitmachen wollen." Das weibliche Geschlecht ist bei den Ulmern (noch) nicht sehr stark vertreten. Mit Esther Lambracht spielt nur eine Dame regelmäßig mit.
Die Regeln für das Spiel sind ganz schön streng
Die Regeln beim Kanupolo sind streng. Die speziellen Kajaks dürfen vorne nicht mehr spitz sein, seit es Verletzungen beim Kampf um den Ball gab. Eine Schwimmweste und ein Helm mit Gesichtsschutz sind Pflicht und die Blätter der Paddel müssen eine bestimmte Dicke aufweisen, damit sie nicht zu scharf sind. "Und nur der ballführende Spieler darf am Arm gestoßen werden, die anderen Spieler sind diesbezüglich tabu", klärt Intemann auf. Letztlich ist die Sache dann doch wieder ganz einfach. Ziel des Kanupolo-Spiels ist es, den Ball ins recht hoch über dem Wasser hängende rechteckige Netz zu werfen, wobei der Gegner dies natürlich verhindern will. Wer nach Ablauf der Spielzeit mehr Tore erzielt hat, hat gewonnen. Das ist wie beim Fußball. Bloß eben im Wasser oder so.
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