Samstag, 16. Dezember 2017

30. November 2017 07:03 Uhr

Unterallgäu

So klappt Weihnachten ohne Stress

Für Patchwork-Familien ist das Fest mit viel Organisationsaufwand verbunden, stehen doch die Fragen im Raum: Wer feiert wo wann und mit wem? Eine Expertin gibt Tipps.

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Der Bund fürs Leben fällt oft kürzer aus, als sich das jung Verliebte ausmalen. Wie sehr trifft eine Trennung Kinder?

Monika Grimaldi: Für Kinder ist es immer ein sehr einschneidendes Erlebnis, wenn die Eltern auseinandergehen. Das kann man uneingeschränkt sagen. Das gilt für jede Altersstufe. Entscheidend hängt es davon ab, wie sehr die Eltern nachher mit der Situation umgehen. Ob die Trennung in einen Dauerkonflikt mündet oder ob es die Eltern nach der heftigen Trennungsphase es doch schaffen, als Eltern wieder ein Stück kooperativer zu werden.

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Schaffen das betroffene Eltern alleine?

Grimaldi: Meist ist es schon schwierig. Ich glaube, dass es gut ist, Unterstützung von außen zu holen. Es ist gut, wenn man einen Neutralen zur Seite hat.

Es ist heute ja nichts Ungewöhnliches mehr, dass sich Familien in neuer Zusammensetzung gründen. Vor welchen Herausforderungen stehen diese Familien, wenn Kinder aus früheren Bindungen zusammenkommen?

Grimaldi: Die Kinder müssen sich an jemand Neuen gewöhnen, mit dem sie eigentlich gar nichts zu tun haben, der ihnen aber plötzlich in der Vater- oder Mutterrolle gegenübersteht. Der neue Partner muss sich an eine neue Elternrolle gewöhnen. Er sieht sich plötzlich einem sechsjährigen Sohn und einer 14-jährigen pubertierenden Tochter gegenüber. Der Elternteil, dass mit Kind eine neue Partnerschaft eingeht, steht oft in einer Pufferfunktion. Einerseits versteht der den neuen Partner mit seinen Vorbehalten. Andererseits versteht er das Kind. Er will immer allen gerecht werden.

Das klingt sehr kompliziert.

Grimaldi: Ja, das ist auch durchaus kompliziert, weil sich die Beziehungen sozusagen potenzieren. Plötzlich stehen Großeltern da, obwohl sie mit dem Kind eigentlich gar nichts zu tun haben. Der neue Partner hat vielleicht auch schon Kinder.

Jetzt gehen wir auf Weihnachten zu. Da verdichtet sich alles. Weihnachten ist das Fest der Familie. Da kommen ja schon normale Familien an ihre Grenzen, weil ein Termin den anderen jagt. Was bedeutet die Weihnachtszeit eigentlich für Patchwork-Familien?

Grimaldi: Das bedeutet einen großen Organisationsaufwand. Wo sonst nur entschieden werden muss, gehen wir am ersten Feiertag zu den väterlichen Großeltern und am zweiten zu den mütterlichen, muss jetzt zwischen den Eltern gerecht aufgeteilt werden. Jeder möchte Weihnachten ja mit seinem Kind feiern. Möglicherweise stellt auch der neue Partner Ansprüche, weil es in seiner Familie schon immer Tradition war ...

Man kann sich ja nicht zerteilen. Was macht man denn da?

Grimaldi: Da sind konstruktive Lösungen notwendig. Wenn die Eltern sich einig sind, muss man Kompromisse schließen. Man kann zum Beispiel mit alten Traditionen brechen. Im Zweifel ist der getrennt lebende Elternteil vielleicht doch wichtiger als die Großeltern.

Das heißt, jetzt schon über den Ablauf der Weihnachtstage reden?

Grimaldi: Auf jeden Fall.

Die KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle für den Landkreis Unterallgäu informiert Eltern und Interessierte zu dem Thema. Wie läuft das ab?

Grimaldi: Wir wollen die Herausforderungen aufzeigen, die sich aus den unterschiedlichen Rollen ergeben. Wir wollen Verständnis dafür wecken, dass nicht nur das eigene Thema wichtig ist, sondern dass jeder der Beteiligten seine eigene Perspektive hat. Wir wollen ermutigen, über den üblichen Rahmen hinauszudenken und den Mut zu haben, eigene Lösungen zu finden. Wir erleben immer wieder in Beratungen, dass es den Menschen bewusst ist, dass sie in der Klemme stecken. Aber es hilft, zu hören, dass das eine strukturelle Geschichte ist, die sich aus den unterschiedlichen Rollen ergibt.

Wenn man sich den Problemen nicht stellt, birgt das Sprengstoff für die neue Beziehung?

Grimaldi: Genau. Das kann man auf jeden Fall sagen.

Zur Person: Monika Grimaldi ist als Leiterin der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle Unterallgäu in der Katholische Jugendfürsorge (KJF) tätig.

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Ein Artikel von
Johann Stoll

Mindelheimer Zeitung
Ressort: Redaktionsleiter, Stadt Mindelheim

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