Jacqueline Dering ist in der Knochenmarkspenderdatei

Von Claudia Bader
Babenhausen Weihnachten ist das Fest der Liebe und des Schenkens. Für Jacqueline Dering hat es heuer eine ganz besondere Bedeutung. Sie konnte in der Adventszeit einem Menschen etwas ganz Wertvolles schenken: die Chance, trotz schwerer Erkrankung weiterzuleben und vielleicht zu überleben. Dafür hat sich die 24-Jährige über die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) Stammzellen entnehmen lassen und gespendet. Diese retten einem 29-jährigen Mann vielleicht das Leben.
„Da meine Mutter seit vielen Jahren bei der DKMS registriert ist, habe ich mich nach meinem 18. Geburtstag auch über eine Speichelprobe erfassen lassen“, erzählt die Bürokommunikationskauffrau. Obwohl die Wahrscheinlichkeit relativ gering ist, erhielt sie im Oktober 2011 ein Schreiben mit der Nachricht, dass ihre Werte mit denen eines Patienten übereinstimmen, der an einer bösartigen Erkrankung des lymphatischen Systems leidet. Jacqueline Dering war sofort fest entschlossen, zu helfen. „Man lässt ja auf der Straße auch niemanden verbluten“, sagt sie. Nach Ausfüllen eines Fragebogens musste sie sich von ihrem Hausarzt Blut entnehmen lassen und an die DKMS schicken.
Aufgrund des bedrohlichen Zustands des Patienten wurde die Babenhauserin bereits ein paar Tage später nach Nürnberg zu einer grundlegenden Untersuchung gebeten. „Stammzellenspender müssen nicht nur völlig gesund sein, sondern dürfen keine körperlichen Risiken eingehen“, weiß sie. Erst als dies bei ihr sichergestellt war, wurde sie ausgiebig informiert und entschied sich für die periphere Entnahme ihrer Stammzellen. Dies erforderte aber zunächst eine Vorbehandlung. Fünf Tage lang musste sich Jacqueline Dering einen hormonähnlichen Wachstumsfaktor unter die Haut spritzen lassen. Er bewirkte, dass die überwiegend im Knochenmark vorkommenden Stammzellen vermehrt produziert und ins fließende Blut ausgeschwemmt werden.
Dann reiste die junge Frau erneut nach Nürnberg, diesmal für mehrere Tage. Nach einer Übernachtung im Hotel fuhr sie zur Stammzellenentnahme in die Klinik. „Für dieses Verfahren wurde an jedem Arm ein venöser Zugang gelegt. Mein Blut wurde aus einem Arm durch einen sogenannten Zellseparator geleitet und am anderen Arm in meinen Körper zurückgeführt. Der Separator sonderte die Stammzellen durch die Zentrifugalkraft aus und sammelte sie für die Transplantation.“
Weil diese Maßnahme innerhalb von dreieinhalb Stunden voranging, konnte die Babenhauserin das Krankenhaus bald wieder verlassen. „Am nächsten Tag fühlte ich mich lediglich ein wenig schlapp. Trotzdem fand ich Zeit, mit meiner Mutter ein wenig durch Nürnberg zu bummeln“, erzählt sie. Jetzt hofft sie inständig, dass der junge Mann dank ihrer Spende seine Krankheit bekämpfen kann. Laut Vorschrift der DKMS darf sie Namen und Adresse des Stammzellenempfängers erst nach zwei Jahren erfahren, wenn kein Risiko mehr besteht. „Der Mann lebt irgendwo in Deutschland. Er hat mir eine anonyme Dankkarte geschrieben“, freut sich die junge Frau. „Ich würde die Stammzellenspende jederzeit wiederholen. Das Bewusstsein, jemandem helfen, vielleicht sogar sein Leben retten zu können, macht unendlich zufrieden und glücklich.“
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