Illertissen Der geplante Kauf einer Daten-CD mit den Namen möglicher Steuersünder schlägt seit Wochen hohe Wellen. Bis in die Region hinein sind die Auswirkungen zu spüren. Insbesondere Steuerberater haben gerade viel zu tun. Während das Bayerische Finanzministerium derzeit noch prüft, ob der Kauf der brisanten CDs rechtlich vertretbar ist, suchen bereits unzählige verunsicherte Bürger, die ihr Geld im Ausland anlegen, Rat bei Experten. Von kathrin kratzer

Steht der Steuerfahnder vor der Türe, ist es zu spät
"Ist das alles in Ordnung so, wie ich das mache", ist eine der Fragen, die Steuerberater Armin Prem von der Illertisser Steuerkanzlei "hhp" zurzeit häufig beantworten muss. Viele seiner Kunden wollen sich vergewissern, dass ihre Geldanlage im Ausland auch wirklich mit dem deutschen Recht vereinbar ist. Steuersünder seien jedoch nicht darunter. Viele legen ihr Geld nach Einschätzung Prems auch ganz legal im Ausland an und versteuern vorschriftsmäßig ihre mit der Geldanlage erzielten Gewinne. Nicht alle seien schwarze Schafe. All jenen, die allerdings bewusst den deutschen Fiskus umgehen und ihre Zinsen nicht ordnungsgemäß versteuern, rät der Diplom-Kaufmann, sich so schnell wie möglich selbst anzuzeigen. Prem: "Dann besteht zumindest die Chance auf Straffreiheit."
Allerdings müssten sich die Betroffenen möglichst rasch beim örtlichen Finanzamt melden. Grund: Stehe der Steuerfahnder erst einmal vor der Türe, sei es zu spät. Doch auch eine Selbstanzeige müsse wohl überlegt sein. Zu großer Vorsicht rät daher der Babenhausener Steuerfachmann Bernhard Briller, den ebenfalls immer wieder verunsicherte Geldanleger um Hilfe bitten.
1271 Steuersünder meldeten sich schon bei Finanzämtern
"Ich habe da ein Problem", hört der Steuerberater nicht selten in diesen Tagen, wenn wieder einmal ein potenzieller Mandant, der sein Geld am deutschen Staat vorbei ins Ausland geschafft hat, in das Büro des Steuerberaters kommt und nun dringend nach einem Ausweg sucht. "Eine verunglückte Selbstanzeige wäre allerdings das Schlimmste", warnt er alle reuigen Steuersünder und rät ihnen, im Falle des Falles immer erst einen Experten aufzusuchen. Nur dieser könne die finanziellen und rechtlichen Folgen einer Selbstanzeige wirklich absehen.
Wie brisant das Thema Steuerbetrug momentan in ganz Bayern ist, beweist die Statistik. Laut dem Bayerisches Landesamt für Steuern mit Sitz in München meldeten sich bereits 1271 Steuersünder bei den Finanzämtern im ganzen Land. Tendenz steigend.
Wie viele Steuerhinterzieher in der Region bereits kalte Füße bekommen haben, darüber darf das örtliche Finanzamt in Neu-Ulm auf Weisung des Bayerischen Finanzministers jedoch keine Auskunft geben, erklärte der Chef der Behörde, Stefan Ruess auf Anfrage. Bei der hohen Zahl an Selbstanzeigen im Freistaat kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sich auch in Neu-Ulm der ein oder andere Steuersünder angezeigt hat.
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