Region Die Freude in der Hotelbranche ist groß, auch in der Region: Seit 1. Januar gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Übernachtungen. Die Hoteliers profitieren - doch was kommt beim Kunden an? Wir haben stichprobenartig nachgefragt. Von Melanie Hofmann

Johann Britsch, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG) und Betreiber des Hotels "Hirsch" in Finningen hat von einer Preiserhöhung in diesem Jahr abgesehen. "Die hätten wir anders durchziehen müssen", sagt der Hotelchef. Außerdem will er im laufenden Jahr in seinem Haus rund 600 000 Euro investieren, unter anderem in eine neue Lobby, und drei zusätzliche Mitarbeiter einstellen.
Mit der Steuersenkung sei die Gleichheit in Europa endlich wieder hergestellt, sagt der BHG-Bezirksvorsitzende. Besonders die Preise der Unterkünfte in Österreich seien den deutschen überlegen. "Und der deutsche Hotelier konnte nicht mehr folgen, aus wirtschaftlichen Gründen", so Britsch. Selbst Firmen aus der Region würden ihre Tagungen teilweise schon in Österreich abhalten, so der Hotelchef. Dass die Kunden von der Steuersenkung profitieren, darin sind sich Hoteliers einig. Preise senken will vorerst keiner - aber zumindest von Preiserhöhungen absehen. Und es soll mehr investiert werden.
Uwe Landgraf vom Landgasthof Fischer in Altenstadt will beispielsweise seinen Empfangsbereich ändern und mit einer Sitzgruppe gestalten und in den Zimmern hat er bereits Haartrockner angebracht. Er findet die Steuersenkung gut, fürchtet aber, dass Kunden glauben, die Hotels müssten deshalb mit den Preisen nach unten gehen.
Auch Sabine Kolb vom gleichnamigen Hotel in Illertissen will mehr investieren. "Da kommt uns die Steuersenkung natürlich entgegen", sagt sie. Zwar gehe es beim einzelnen Kunden nur um Minimalbeträge, aber weil sich diese summieren, könne sie sie dann für Renovierungen und Personal ausgeben.
Angela Ihle vom gleichnamigen Sporthotel in Vöhringen findet die Gesetzesänderung eine "grandiose Geschichte". Doch das Geld komme im Grunde erst 2011 an, meint sie. Die Hotelchefin ist skeptisch, ob das umstrittene Gesetz lange Bestand haben wird. BGH-Bezirksvorsitzender Britsch kann dazu nichts sagen, hofft aber, dass es so bleibt.
Auch für die Jugendbildungsstätte (Jubi) in Babenhausen gilt die Steuersenkung. Dort kommt sie sogar direkt beim Kunden an. "Wir werden den Preis senken müssen", sagt Gästehausleiter Georg Göppel. "Schließlich sind wir eine öffentliche Einrichtung."
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