Sonntag, 28. Mai 2017

27. März 2015 11:25 Uhr

Babenhausen

Trauer um die beliebte Fürstin

Gunilla Fugger stirbt im Alter von 95 Jahren. Wie die junge Schwedin einst zur Schwäbin wurde. Von Ronald Hinzpeter und Dieter Spindler

i

So kannten und liebten die Menschen am Ort Gunilla Fugger: als freundliche Frau mit einem gewinnenden Lachen.
Foto: Archiv

Sie war das, was man im allerbesten Sinne als volksnah bezeichnen kann, eine Persönlichkeit mit Herz und Courage. Ihr Lachen war ansteckend und fröhlich. Jetzt ist es für immer verstummt: Gunilla Fürstin Fugger starb im Alter von 95 Jahren.

In den letzten Jahren lebte sie sehr zurückgezogen, doch früher war sie ein wichtiger Teil des öffentlichen Lebens in Babenhausen – einem Ort, der ihr zur Heimat geworden war.

ANZEIGE

Ihr Elternhaus stand in Schweden. Besser gesagt: Es war ein Schloss namens Sturefos, denn als geborene Gräfin Bielke gehörte sie einem der namhaftesten Geschlechter des schwedischen Uradels an. Eine ihrer Vorfahrinnen, die noch dazu ebenfalls Gunilla hieß, war an der Seite von Johann III. von 1585 bis 1592 Königin Schwedens. Nach Babenhausen brachten sie einst zwei sehr gegensätzliche Dinge, die Liebe und der Krieg.

1938 reiste ein junger Adeliger aus Deutschland namens Friedrich Carl Fugger-Babenhausen durch den hohen Norden und besuchte auch Schloss Sturefos, das berühmt war für seine Gärten. Anstelle ihres Vaters übernahm die schöne junge Gräfin Gunilla die Führung durch das Anwesen. Vier Jahre später, mitten im Krieg, heiratete sie den Mann aus Schwaben.

Die beiden zogen zunächst nach Wellenburg, doch nach den Bombenangriffen auf Augsburg wichen sie 1944 aus ins ländliche Babenhausen. Das war für den Markt, der stolz den Namen der Familie Fugger trägt, ein Segen, denn die noch nicht einmal 26 Jahre alte junge Fürstin bewies sich bei Kriegsende als mutige Frau. Sie erklärte das Schloss kurzerhand zum exterritorialen Gebiet und ließ beim Einmarsch der Amerikaner die Fahne Irlands aufziehen. Die irische Gesandtschaft war wegen der Kriegswirren nach Babenhausen ins Schloss ausgewichen. Die Hausherrin hielt sogar dem Willen eines flüchtenden SS-Offiziers stand, der verlangte, die Fahne wieder einzuholen. Er gab schließlich klein bei und machte sich davon. Deutsche Truppen wie auch Amerikaner respektierten die Flagge – und so blieben dem Ort überflüssige Kampfhandlungen, die in den Orten der Umgebung noch sinnlose Opfer und Gebäudeschäden gefordert hatten, erspart. Energisch verhinderte Fürstin Gunilla auch, dass Möbel aus dem Schloss für ein Militärcasino zweckentfremdet wurden oder Generäle hier ihr Hauptquartier aufschlugen. „Da hat mir meine Nationalität sicherlich geholfen. Mein schwedischer Pass wurde akzeptiert“, sagte sie einmal im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die gemeinsam durchgestandene schwierige Zeit ließ die Fürstin in ihrer neuen Heimat mit den Menschen im Ort zusammenwachsen. „Ich habe eine gewisse Dankbarkeit gegenüber der Bevölkerung“, sagte sie einmal, „gerade in schwieriger Zeit stand sie loyal zu mir.“

Mit ihren fünf Kindern – vier Söhnen und einer Tochter – war sie glücklich im Babenhauser Schloss. Den Menschen im Markt kam sie auf vielfältige Weise nahe, auf Festen oder einfach nur beim Einkaufen. Das Fürstenhaus legte auch Wert darauf, dass der Nachwuchs den örtlichen Kindergarten besuchte und die ersten Schuljahre in der Babenhauser Volksschule verbrachten, was die Kontakte zwischen der Familie Fugger und der Bevölkerung noch vertiefte.

Die Fürstin engagierte sich beim Roten Kreuz ebenso wie bei der Caritas. Sie war sich nie zu schade, kranke Mitmenschen in der Klinik zu besuchen und ihnen Mut beziehungsweise Trost zuzusprechen. Fürstin Gunilla saß im Pfarrgemeinderat und war Kommunionhelferin. Viele Jahre gehörte die adelige Dame zu den gerne gesehenen Gästen bei den Veranstaltungen im Markt. Lange Zeit fungierte sie als Schirmherrin bei den damaligen Volkswandertagen.

Besondere Freude hatte sie an klassischer Musik, vor allem, wenn sie von Mozart geschrieben war. Schon früh öffnete sie für die Liedertafel den Ahnensaal. Seither kann der Verein dort alljährlich sein Schlosskonzert aufführen. Festlich und sehr persönlich gestaltete der Chor denn auch die feierlichen Konzerte zu den runden Geburtstagen seiner Gönnerin.

Nach dem Tod des Fürsten Friedrich Carl Fugger im Jahr 1979 bezog sie ihren Witwensitz im sogenannten „kleinen Schlössle“ am Rand des Schlossparks, inmitten von Rosen, exotischen Gehölzen und Brunnengeplätscher. Dort genoss sie ihren Lebensabend, den sie, wie sie bekannte, „nirgendwo anders verbringen wollte als in Babenhausen“.

Gunilla Fürstin Fugger war geschätzt und geachtet. Der Markt verliert mit ihr eine beliebte, große Persönlichkeit. Die Menschen, die sie kannten, werden sie stets in Erinnerung behalten.

i

Ihr Wetter in Illertissen
28.05.1728.05.1729.05.1730.05.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                wolkig
	                                            Wetter
	                                            wolkig
                                                Wetter
                                                Gewitter
Unwetter16 C | 29 C
16 C | 30 C
15 C | 27 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung


Wie gut kennen Sie Illertissen?
Alle Infos zum Messenger-Dienst
Alles rund um die Basketballer

Unternehmen aus der Region

Bauen + Wohnen

Partnersuche